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Pro Choice: Fußballerinnen ziehen blank - Vatikan bläst Freundschaftsspiel kurz vor Anpfiff ab

Während der Nationalhymne des Gegners haben drei Fußballerinnen in Österreich blank gezogen und einen Uterus auf ihrem Bauch entblößt. Im Vatikan kam die Aktion gar nicht gut an. 

Plakate und Banner vor dem Freundschaftsspiel des FC Mariahild gegen den Vatikan

Klare Kante gegen Homophobie zeigten die Spielerinnen des FC Mariahilf auf und neben dem Platz. Den Offiziellen aus dem Vatikan ging das zu weit.

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Es sollte die feierliche Premiere für die Fußballerinnen der Nationalmannschaft des Vatikan werden. Doch noch bevor das erste Freundschaftsspiel des neu gegründeten Teams gegen die Kickerinnen des FC Mariahilf im Wiener Stadtteil Simmering überhaupt angepfiffen wurde, grätschte der Vertreter des Papstes in Österreich wutschnaubend dazwischen. Im feinen Zwirn stürmte Nuntius Pedro Lopez Quintana am Samstagnachmittag den Rasen und schickte die verwunderten Spielerinnen zurück in die Kabine. Was war passiert?

"Haben uns provoziert gefühlt"

Was ihre männlichen Kollegen gern nach wichtigen Toren in der Fankurve machen - taten drei Spielerinnen des Wiener Landesligisten schon während der Nationalhymne des Vatikan: Sie zogen blank. Nicht komplett, aber so, dass ihre Botschaft auf Bauch und Rücken für jeden zu sehen war. "My body - my rules" - "Mein Körper, meine Regeln" hatten sie sich auf den Bauch gepinselt - dazu einen Uterus und Eierstöcke aufgemalt. "Wir finden, dass das Recht auf Schwangerschaftsabbruch elementar ist. Wir leben selbst ein Leben, das der Vatikan ablehnt. Deshalb haben wir uns provoziert gefühlt", sagte eine Spielerin später. Die Retourkutsche ging allerdings nach hinten los. Denn statt mit einem historischen Fußballspiel anlässlich des 20. Vereinsjubiläums endete der Nachmittag in einem verbalen Schlagabtausch im VIP-Zelt. Wie der ORF berichtet, empörten sich die Offiziellen des Vatikan vor allem darüber, dass die drei Spielerinnen ihre Bäuche ausgerechnet während der Nationalhymne entblößten.

"Hätte die Mannschaft gespielt und die Fotos der Protestaktion wären anschließend im Internet aufgetaucht, hätten wir das Team gleich wieder auflösen können", erklärte Danilo Zennaro, Initiator des erst vor drei Monaten gegründeten Nationalteams. Selbst die schönste Nebensache der Welt wird im Vatikan mit Argusaugen beobachtet.

Vatikan empört, Organisator enttäuscht

"Wir sind wegen des Sports hier und nicht wegen politischer Botschaften", polterte Zennaro weiter. Auch der Organisator des Spiels war sauer:  "Ich respektiere deren Leben. Das ist auch in Ordnung. Aber das war der falsche Zeitpunkt und der falsche Platz", sagte Mariahilf-Obmann Ernst Lackner entäuscht in Richtung der Wiener Spielerinnen. Die hatten die Aktion offenbar von langer Hand geplant - allerdings ohne ihren Verein einzuweihen. So wehten an den Ecken regenbogenfarbene Fähnchen, auf Bannern am Spielfeldrand waren Botschaften wie "Football Rules - no Gender Roles" zu lesen.

Gewinner gab es an diesem Nachmittag in Wien letztlich keine. Die weit angereisten Spielerinnen aus dem Vatikan stiegen betröppelt in Taxis. Organisator Lachner entschuldigte sich "aufrichtig" bei den Gästen und Zuschauern. Und die drei Kickerinnen vom FC Mariahilf hatten sich ihre gut gemeinte Aktion vermutlich auch etwas anders vorgestellt. 

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Quelle: "Sportschau", "Welt"