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Skandalverein: Lazio-Fans wollen keine Frauen mehr in "ihrer" Kurve

Am vergangenen Wochenende startete die italienische Fußballliga Serie A in die neue Spielzeit. Mit dabei auch ein Problemverein, der seit vielen Jahren nicht nur sportliche Schlagzeilen schreibt. Der jüngste Eklat ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Lazio

Lazio-Anhänger im Stadion

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Frauen sind in Fankurven genauso willkommen wie Männer. Sollte man zumindest denken. Aber nicht so im Stadio Olimpico in Rom, wenn dort der lokale Fußballverein Lazio seine Heimspiele austrägt. Vor dem ersten Ligaspiel der neuen Saison am vergangenen Wochenende machten Flyer im dortigen Fanblock die Runde, Herausgeber: Lazio-Anhänger, die sich unter dem Namen "Direttivo Diabolik Pluto" zusammengeschlossen haben. 

Wie unter anderem  "Sport1" berichtet, stellen die Fans in den Flugblättern ein paar Bedingungen für "ihre" Kurve: "Die Curva Nord stellt für uns einen heiligen Raum dar", schreiben die Hardcore-Fans. Damit sind vor allem die untersten Reihen hinter dem Tor gemeint. "In den Schützengräben lassen wir Frauen, Ehefrauen und Freundinnen nicht zu, also laden wir sie ein, sich ab der zehnten Reihe zu positionieren", steht dort weiter. Eine unmissverständliche Aufforderung an die Frauen, in Zukunft nicht mehr im Zentrum an der Seite der männlichen Ultras zu stehen. Der Verein selbst distanzierte sich umgehend von den Forderungen: "Das ist nicht die Meinung des Clubs. Wir sind gegen jede Diskriminierung."

Nur einer von vielen Skandalen

Aber dies ist beileibe nicht der einzige Fehltritt, den sich die Ultras des Hauptstadtclubs in den vergangenen Jahren geleistet haben. Der letzte liegt erst gut ein Jahr zurück. Damals hatten die Lazio-Anhänger Aufkleber mit dem Gesicht von Anne Frank im Stadion aufgeklebt. Die Fotomontage zeigt Frank im Trikot des Erzfeindes AS Rom. Daneben standen offenkundig antisemitische Aussagen, wie zum Beispiel "Romanista ebreo" (dt.: "jüdischer Roma-Fan").

Die Folge: Der Verein bekam vom italienischen Fußballverband eine Strafe in Höhe von 50.000 Euro aufgebrummt. Um auch als Mannschaft ein Zeichen zu setzten, liefen sich die Lazio-Spieler im darauf folgenden Spiel in Anne-Frank--Shirts warm.

Paolo Di Canio und der "römische Gruß"

In Sachen Antisemitismus schrieb Lazio Rom aber auch schon Mitte der Nullerjahre Schlagzeilen. Damals war Paolo Di Canio, der sich selbst als Neo-Faschist bezeichnet, Kapitän der Mannschaft. Er zeigte des öfteren den "römischen Gruß". Das Bild, auf dem er mit aggressivem Gesichtsausdruck und ausgestrecktem Arm vor der Kurve zu sehen ist, ging damals um die Welt.

Paolo Di Canio zeigt römischen Gruß

Ex-Profifußballer Paolo Di Canio beim Zeigen des römischen Grußes im Jahr 2005 nach dem Derby gegen AS Rom

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Aus seiner Gesinnung macht Di Canio keinen großen Hehl. Er trägt sogar ein Nazi-Tattoo auf dem Körper: Auf der Innenseite des rechten Oberarms steht das Wort "Dux" (dt.: Führer). Aufgrund dieses Tattoos verlor er vor zwei Jahren seinen Job als TV-Fußballexperte.

Nach all den Skandalen scheint es wohl leider nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die berühmt-berüchtigten Hardcore-Anhänger Lazio Roms den nächsten Fehltritt erlauben. Der Verein scheint machtlos zu sein gegen seine antisemitischen, sexistischen, homophoben und rassistischen "Fans".

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lui
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