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Schokoladenhersteller: Werbe-Fail: Warum diese T-Shirts von Lindt gar nicht gehen

Mädchen sind süß, Jungs wissen Bescheid: Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt findet es okay, in seinem Shop Kinder-Shirts mit sexistischen Botschaften zu verkaufen. Geht's noch?

Lindt Shirts

Sie ist goldig, er weiß Bescheid? Im Onlineshop von Lindt werden sexistische T-Shirts für Jungen und Mädchen angeboten

Eigentlich kann man es kaum glauben, so offensichtlich ist es: Beim Schweizer Schokoladenhersteller Lindt werden im Online-Shop neuerdings T-Shirts für Kinder angeboten. So weit, so harmlos. Dass diese geschlechtsspezifisch sind und für Jungs in grün und dunkelblau, für Mädchen in rosa und hellblau daherkommen - geschenkt. Viel ärgerlicher sind die Botschaften, die darauf zu lesen sind.

"Außen goldig, innen süß" und "Goldhase" heißt es bei den für Mädchen gedachten Teilen.  Die Jungs hingegen sollen die Sprüche "Ich weiß, wie der Hase läuft" oder "Frech, wild & goldig" auf der Brust tragen. Ernsthaft? Dass im Jahr 2018 immer noch Kinderkleidung angeboten wird, die sexistische Botschaften enthält, ist mehr als traurig. Denn das gängige Stereotyp - Mädchen sind hübsch, Jungs intelligent - richtet schon bei den Kleinen viel Schaden an, wie Studien immer wieder zeigen.

Mädchen müssen hübsch sein, Jungs dürfen klug sein

Erst im vergangenen Jahr stellten Psychologen in den USA fest, dass bereits Sechsjährige Männer für schlauer halten als Frauen. Mädchen trauten sich in der Studie auch seltener zu, ein fiktives Spiel für "ganz, ganz schlaue Kinder" zu versuchen als Jungs. Dass Mädchen außerdem häufiger Essstörungen entwickeln und enormen Druck, einem Schönheitsideal zu entsprechen, ausgesetzt sind, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Umso unsensibler wirken die Aufdrucke. "Dies ist in keinster Weise sexistisch motiviert, denn Lindt & Sprüngli möchte unter keinen Umständen diskriminierende Botschaften auf den Fanartikeln verbreiten", versicherten die Schoko-Spezialisten auf Nachfrage. Die Bezeichnung 'Mädchen' oder 'Junge' beim jeweiligen T-Shirt sei wie üblich dafür da, um die unterschiedlichen Schnitte bzw. Passformen kenntlich zu machen. "Sie können aber von allen getragen werden. Letztendlich liegt somit die Entscheidung bei den Konsumentinnen und Konsumenten, welche Varianten sie wählen", so Lindt. Damit haben sie Recht, denn natürlich gibt es Gender-Marketing hauptsächlich deshalb, weil es lukrativ ist.

Lindt ist nicht alleine

Deshalb ist Lindt mit seinen Sprüchen auch nicht allein: 2015 untersuchten Wissenschaftler an der TU Berlin Kinderkleidung auf deren Botschaften. Das Ergebnis: Jungs dürfen fast nie  "süß" sein, Mädchen nicht "wild". Mehrheitlich werden auf den über 500 getesteten Produkten stereotype Rollenbilder verbreitet.

Immerhin: Zumindest bei Lindt ist man ins Nachdenken geraten. "Bei der nächsten Kollektion werden wir das Angebot sicherlich anpassen, um keine Zielscheibe für solche Diskussionen zu sein", heißt es. 

sst