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Meinung

Colin Kaepernick: Umstrittene Nike-Kampagne: Daran können sich deutsche Unternehmen ein Beispiel nehmen

Nike sorgt in den USA derzeit für viel Wirbel. Der amerikanische Sportartikelhersteller wirbt nämlich mit dem Footballspieler Colin Kaepernick gegen Rassismus – und zeigt Haltung. Davon können sich deutsche Unternehmen eine Scheibe abschneiden, findet unser Redakteur.

Der frühere Football-Quarterback Colin Kaepernick, der vor gut zwei Jahren die Nationalhymnen-Proteste im US-Sport ausgelöst hatte, ist Teil der neuesten «Just Do It»-Werbekampagne des amerikanischen Sportartikelherstellers Nike.

Özil hier. Özil da. Özil überall. Es verging in diesem Sommer wohl kaum ein Tag, an dem nicht über die Causa Özil berichtet wurde. Sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sorgte für Schlagzeilen, Kritik, Aufregung – und endete mit seinem Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In den USA gab es zuletzt einen vergleichbaren Fall mit einer ähnlichen Sprengkraft: der Hymnen-Protest von .

Der amerikanische Profi-Footballer löste einen Affront aus, weil er bei der Nationalhymne kniete. Seine Begründung: "Ich stehe nicht auf, um Stolz auf eine Flagge für ein Land zu zeigen, das schwarze und dunkelhäutige Menschen unterdrückt." Seinem Protest folgten zahlreiche US-Sportler, die es ihm gleichtaten. Die "Take a knee"-Bewegung war geboren. Und Kaepernick wurde zur Zielscheibe einer landesweiten Diskussion. Für manche war er ein Held. Für andere war er ein unpatriotischer Nestbeschmutzer. Die Folge: Sein Vertrag bei den wurde nicht verlängert und seit nunmehr eineinhalb Jahren ist er ohne Team.

Nike: Daran können sich deutsche Unternehmen ein Beispiel nehmen

Die neue Werbekampagne von Nike sorgte in den USA für viel Wirbel. Der Grund: Footballspieler Colin Kaepernick. 

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Donald Trump wütet gegen Nike

Genau dieser Kaepernick ist nun das Gesicht der neuen Nike-Werbekampagne. Am Mittwoch veröffentlichte der Sportartikelhersteller einen zweiminütigen Clip. "Glaube an etwas – auch wenn du alles dafür opfern musst", heißt es darin. Die Wirkung könnte größer kaum sein. Es ist nicht nur ein Statement gegen Rassismus und für Vielfalt. Es ist auch ein Angriff auf US-Präsident Donald Trump, der NFL-Spieler, die während der Hymne knieten, als "Hurensöhne" bezeichnete.

Die aktuelle Kampagne sendet eine "furchtbare Nachricht", sagte Trump. "Nike wird untergehen in Wut und Boykotten. Ich weiß nicht, ob die sich darüber im Klaren sind." Tatsächlich sank der Aktienkurs und Kunden stellten Boykott-Videos in die sozialen Netzwerke, in denen sie ihre Nike-Schuhe verbrennen oder den Swoosh aus ihren Tennis Socken schneiden. Doch wie schrieb es die "New York Times" schon? "Diese Kampagne wird viele in der NFL und Team-Besitzer nerven."

Trotzdem ist die amerikanische Profi-Football-Liga hilflos. Die NFL steht nämlich zwischen den Fronten. Auf der einen Seite wollen sie keine neuen Kunden verlieren, wie sie es mit einer Pizza-Kette bereits mussten. Ein millionenschwerer Deal scheiterte, nachdem das Unternehmen die starken Umsatzrückgänge mit den Protesten verknüpfte. Auf der anderen Seite ist einer der wichtigsten Geldgebern. Eine vorzeitige Verlängerung des Vertrages bis 2028 mit dem Sportartikelhersteller brachte der NFL 1,1 Milliarden Dollar ein.

Colin Kaepernick: Nike zeigt Haltung

Nike kann also den Finger in die Wunde legen – zumal der Zeitpunkt wohl kaum besser hätte sein können. Vergangene Nacht eröffneten die Philadelphia Eagles und Atlanta Falcons die neue Footballsaison. Der Kaepernick-Spot feierte in der Werbepause seine TV-Premiere. Es kommt aber noch ein entscheidender Aspekt hinzu: In diesen Zeiten bei einem gesellschaftskritischen Thema Position zu beziehen, ist außergewöhnlich.

Nike zeigt seinen Kunden damit, dass sie mehr sind als "nur" eine Sportbekleidungsmarke. Sie nutzen ihre Reichweite, um sich für etwas einzusetzen – obwohl sie Gefahr laufen, Kunden zu verlieren. Denn klar ist: Wer Haltung zeigt, polarisiert auch. Wer polarisiert, wird in heutigen Zeiten mit Boykott und Shitstorm bestraft. All das ist dem Unternehmen aber egal. Davon könnten sich auch deutsche Unternehmen eine Scheibe abschneiden. In Zeiten, in denen Rechte immer mehr Menschen mobilisieren, wie der Fall Chemnitz gezeigt hat, wäre es ein starkes Zeichen, wenn Firmen wie Volkswagen, Daimler, Adidas oder Siemens Haltung zeigen. Was wäre beispielsweise eine Anti-Rassismus-Kampagne mit Mesut Özil für ein Statement? Oder ist die Angst vor Gegenwind hierzulande etwa zu groß?

Im Video: "Trump kritisiert Nike-Werbung – seine Anhänger verbrennen Sportsachen"

Trump kritisiert Nike-Werbung – seine Anhänger verbrennen Sportsachen