HOME

Upskirting : In Deutschland ist es erlaubt, Frauen unter den Rock zu fotografieren – sie wollen das ändern

Weil ein entsprechendes Gesetz fehlt, ist es in Deutschland im öffentlichen Raum noch immer nicht verboten, unter den Rock zu fotografieren. Viele Opfer fühlen sich im Stich gelassen. Zwei junge Frauen kämpfen jetzt dafür, dass sich das ändert.

Die zwei jungen Frauen Ida Sassenberg und Hanna Seidel

Als Hanna Seidel 13 war, bekam sie es zum ersten Mal mit: Upskirting. So nennt man heimliche Fotos unter den Rock einer Person. Damals war Hanna auf Klassenfahrt. Es waren ausgerechnet Lehrer, die Schülerinnen in der Disco unter die Röcke fotografierten, vermutlich war auch Hanna darunter. Konsequenzen hatte das für die Lehrer keine.

Drei Jahre später wurde Hanna noch mal Opfer. Auf einem Festival bemerkte sie, dass ein Mann ihr unter den Rock fotografierte. Als sie ihn darauf ansprach, wurde er fast handgreiflich. Also wandte Hanna sich an Polizisten. "Da können wir leider nichts machen", sagten die. "Da bist du selber schuld, wenn du solche Röcke trägst. Da denkt man, du willst das vielleicht." 

Nach dem Vorfall trug Hanna mindestens ein Jahr keine Röcke mehr. Danach verdrängte sie die Fotos, vergaß sie schließlich. Bis sie kürzlich, zwölf Jahre später, als 28-jährige Regie-Studentin davon las, dass England und Wales Upskirting verbieten würden. Sie unterhielt sich mit ihrer Freundin Ida Sessenberg darüber. Die 25-Jährige ist TV-Redakteurin. 

Sie wollten eine Petition gegen Upskirting unterschreiben – und fanden keine

"Mir selbst war das zum Glück noch nicht passiert, aber ich fand Hannas Geschichte furchtbar. Dass das Gesetz dem Täter auch noch recht gibt, ließ mich nicht los“, sagte sie NEON. Denn Personen im öffentlichen Raum unter den Rock zu fotografieren, ist in Deutschland bis heute nicht verboten.

"Upskirting": Junge Russin hebt ihren Rock - angeblich um gegen heimliche Fotos zu protestieren

Die Freundinnen beschlossen, eine Petition gegen Upskirting im Internet zu unterschreiben – aber fanden keine. "'Das kann doch nicht sein", dachten wir uns. Dann machen wir jetzt halt eine!'“

Die beiden jungen Frauen setzten eine Petition auf change.org auf und wurden schon bald darauf von der Plattform angeschrieben. "Sie sagten uns, wie gut sie unsere Aktion finden, dass sie uns gerne unterstützen würden.“

Change.org machte die Petition publik. Über Nacht hatten Hanna Seidel und Ida Sessenberg plötzlich 10.000 Unterschriften. Neben vielen positiven Reaktionen ernten sie aber auch immer wieder Verblüffung.

"Viele sagen, wir wären Verschwörungstheoretiker“, erzählt Ida Sessenberg. "Das kann doch nicht sein, dass es da noch kein Gesetz zu gibt, da musst du nur mal genau schauen, sagen die uns dann. Aber, das können alle Besserwisser mir glauben, wir haben uns genauestens informiert. Im öffentlichen Raum ist Upskirting legal und genau aus diesem Grund haben wir die Petition gestartet.“

Sie hören erst auf, wenn es einen Gesetzentwurf gibt 

Die Ziele der jungen Frauen sind ehrgeizig. Sie würden gerne die Bundesjustizministerin Katarina Barley und die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey davon überzeugen, sich des Themas anzunehmen. Und: Sie wollen sich nicht geschlagen geben, ehe es einen Gesetzentwurf gibt, der das Upskirting verbietet. Dass das Jahre dauern kann, wissen sie. Doch sie glauben fest daran, dass es sich lohnt.

"Vor Kurzem hat mir eine 14-Jährige auf Instagram geschrieben, dass Upskirting regelmäßig an ihrer Schule vorkommt“, sagt Ida. "Sie war unglaublich dankbar, dass Hanna und ich diese Petition gestartet haben. Denn sie hat mir auch erzählt, wie die Lehrer mit der Problematik umgehen: Sie geben den Schülerinnen die Schuld.“

Das, sagt Ida, sei ihr größtes Ziel: Dafür zu sorgen, dass die Mädchen und Frauen, die Opfer von Upskirting werden, sich endlich nicht mehr alleine fühlen und sich gegen das Unrecht, das ihnen widerfährt, wehren können.

Hier könnt ihr die Petition unterschreiben. 

Die zwei jungen Frauen Ida Sassenberg und Hanna Seidel
Themen in diesem Artikel