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Geschmacklose Werbung: US-Fernsehsender missbraucht La Rouxs Song "Bulletproof" für kugelsichere Schulranzen

Der Fernsehsender Fox Business Network hat in einer Sendung La Rouxs Megahit "Bulletproof"genutzt, um Werbung für kugelsichere Schulranzen zu machen. Die Sängerin ist sauer – und spricht vom "Missbrauch ihres Songs".

Fernsehsender missbraucht La Rouxs "Bulletproof" für kugelsichere Schulranzen

Der Fernsehsender Fox Business Network nutzte La Rouxs Megahit "Bulletproof", um Werbung für kugelsichere Schulranzen und Kleidung zu machen

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Die britische Musikerin La Roux ist sauer. "Ich habe und würde niemals meine Musik für so etwas missbrauchen", sagt die 30-Jährige der Online-Seite der US-amerikanischen Charts "Billboard". Die Sängerin hat guten Grund dazu. Denn der Fernsehsender Business Network instrumentalisierte ihren Song.

In der Sendung "Mornings with Maria" unterlegte der Sender Aufnahmen von kugelsicheren Schulranzen und Kleidung mit den Lyrics von La Rouxs bislang größten Hit: "This time, baby, I’ll be bulletproof"(auf Deutsch: "Dieses Mal werde ich kugelsicher sein"). Auch wenn "Bulletproof" wörtlich mit kugelsicher übersetzt wird, hat es im Lied selbst eine ganze andere Bedeutung, wie La Roux gegenüber "Billboard" betonte: "Ich habe das Lied über Beziehungen geschrieben und nicht für so etwas Abscheuliches."

Fox Business Network will sich Fall noch einmal anschauen

Auf Twitter wurde ein Video des Ausschnitts hochgeladen, das inzwischen mehrfach retweetet wurde. Viele der User sind über die Auswahl des Songs aber alles andere als verwundert. "Ist das wirklich überraschend? Sie würden wahrscheinlich 'Shot Through the Heart' spielen, wenn sie über die nächste Schulschießerei berichten", schreibt eine Userin zynisch.

Mittlerweile äußerte sich auch ein Sprecher von Fox Business Network zu den Vorwürfen: "Das Lied wurde vom Produktionsteam ausgewählt. Wir werden noch einmal über den Fall sprechen."

USA: 40 Schießereien in fünf Monaten an Schulen

Für mehr Aufregung sorgte bei vielen Nutzern vor allem die Notwendigkeit der Produkte: "Wollt ihr mich veräppeln? Kugelsichere Kleidung zum Schutz von Schulkindern? Was kommt als nächstes – persönliche Bodyguards?", schreibt eine aufgebrachte Nutzerin. In der Tat ist es fragwürdig, warum ein Sender Werbung für kugelsichere Schulkleidung macht, anstatt eine Debatte über härtere Waffengesetze zu führen – zumal die Statistiken dafür sprechen. So gab es nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Everytown For Gun Safety allein 40 Schießereien zwischen Januar und Mai 2018 an Schulen in den USA.

Für das kolumbianische Unternehmen MC Amor, das in der Frühstücksendung für seine Produkte warb, waren diese Zahlen überhaupt der Grund, sein Geschäft auf die Vereinigten Staaten auszuweiten. "In den USA gibt es leider Waffen. Jeder kann eine Waffe haben", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. "Deshalb müssen hier Kinder geschützt werden." Das stimmt, Kinder müssen geschützt werden. Nur werden kugelsichere keine Schießereien in Zukunft verhindern. Das tun nur härtere Waffengesetze.

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rpw
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