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Häusliche Gewalt: Warum Frauen am meisten unter Englands WM-Niederlage leiden

Englands Fußballfans trauern, für viele Frauen hatte die Niederlage im Halbfinale aber weitaus schlimmere Folgen. Eine Kampagne macht darauf aufmerksam, wie verbreitet häusliche Gewalt nach Niederlagen ist.

Kampagne gegen häusliche Gewalt

"Das nicht so schöne Spiel" hat das englische Zentrum gegen häusliche Gewalt seine Kampagne genannt

Das rote Sankt-Georgs-Kreuz auf weißem Grund – diese Flagge präsentieren die englischen Fußballfans stolz bei jedem Spiel ihrer Nationalmannschaft. Auf dem Foto, das derzeit in vielen Zeitungen und Online-Anzeigen auf der Insel zu sehen ist, wird das Kreuz aus Blut geformt: Es kommt aus der Nase einer Frau, ist um ihren Mund verschmiert, von ihrem Kinn löst sich ein Tropfen.

Mit dem drastischen Bild will das "National Centre for Domestic Violence" auf häusliche Gewalt aufmerksam machen. Denn wenn die englischen Fußballer verlieren, leiden die Frauen darunter besonders. "If England get beaten, so will she", lautet der Slogan der Kampagne. Zu deutsch etwa: "England wird geschlagen. Sie auch." 

Mehr Übergriffe gegen Frauen während England-Spielen

Studien zeigen, dass die Zahl gemeldeter Übergriffe während England-Spielen signifikant zunimmt. Laut einer Untersuchung, die im Raum Lancashire durchgeführt wurde, wurden während einer Partie, die England gewann oder die unentschieden endete, 26 Prozent mehr Übergriffe bei der Polizei gemeldet. Bei Niederlagen waren es sogar 38 Prozent. Die Studie wertete die Spiele der Weltmeisterschaften von 2002 bis 2010 aus.

Es ist also davon auszugehen, dass das englische Ausscheiden im WM-Halbfinale gegen Kroatien (1:2 nach Verlängerung) für viele Frauen mit blauen Flecken oder anderen Verletzungen endete. Oft lassen Männer ihren Frust über das Spiel an ihren Partnerinnen aus, der Alkohol tut sein Übriges dazu.

Kampagne gegen häusliche Gewalt

Wie schon vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Brasilien hat das "National Centre for Domestic Violence" auch in diesem Jahr mit einer großangelegten Kampagne versucht, für das Thema zu sensibilisieren. Dafür hat die Werbeagentur J. Walter Thompson aus London schockierende Motive entwickelt – die zerschundenen Gesichter der Frauen erinnern die an die Nationalflaggen der Teilnehmerländer.

Allerdings sind nicht nur Frauen von häuslicher Gewalt betroffen. Auch diesen Umstand greift die Kampagne auf: Zum ersten Halbfinale zwischen Frankreich und Belgien wurde ein verletzter Mann in den belgischen Landesfarben gezeigt.

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