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Neuer Prozess gegen Reemtsma-Entführer: Spezialeinheit zwingt Drach vor die Richterin

Der neue Prozess gegen den Reemtsma-Entführer Thomas Drach hat mit einer Überraschung begonnen: Der 51-Jährige weigerte sich, den Weg ins Gericht anzutreten - wegen einer Schlafbrille. Schließlich holte eine Spezialeinheit Drach ab.

Der Prozess gegen den Reemtsma-Entführer Thomas Drach vor dem Landgericht Hamburg hat am Donnerstag zunächst ohne den prominenten Angeklagten begonnen: Der 51-Jährige weigerte sich, die Fahrt aus seiner Gefängniszelle zum Gericht anzutreten - weil er für den Transport eine Schlafbrille und Handschellen anlegen sollte.

Drach wird zwangsvorgeführt

Die Sicherheitsanordnungen grenzten an "Menschenunwürdigkeit", sagte Drachs Anwalt Helfried Roubicek. Sein Mandant empfinde die Schlafbrille als "eine Schikane". Der Prozess selbst findet unter strengsten Auflagen statt. Durch das Aufsetzen der Schlafbrille sollte der 51-Jährige den Weg aus der Justizvollzugsanstalt Hamburg-Billwerder nicht verfolgen können.

Nachdem die Richterin eine Zwangsvorführung des Angeklagten anordnete, wurde er von einer Spezialeinheit der Polizei ins Landgericht gebracht. Augenzeugen berichteten, dass Drach in einem Konvoi von mehreren Polizeifahrzeugen in einen Innenhof des Gerichts gefahren und von dort in den Saal geführt wurde. Polizisten mit Strumpfmasken und Maschinenpistolen sicherten die Umgebung. Ob der verurteilte Entführer, der immer noch mehrere Millionen Euro aus dem Lösegeld versteckt haben soll, tatsächlich eine Augenbinde trug, war nicht erkennbar.

2012 wäre Strafe abgesessen

Mehr als 15 Jahre nach der Entführung des Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma muss sich Drach wegen einer versuchter Erpressung seines Bruders verantworten. Drach soll laut Anklage 2009 aus der Haft heraus in zwei Briefen einen Freund indirekt dazu aufgefordert haben, seinen jüngeren Bruder um 30 Millionen Euro zu erpressen.

Er war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Überzeugung, dass sein Bruder Teile des Lösegeldes verschwendet hatte und fürchtete um den Rest der Millionen. Nur ein Bruchteil der Rekordbeute ist bisher aufgetaucht. Drachs Bruder hat wegen Geldwäsche von Teilen der Beute selbst mehrere Jahre im Gefängnis gesessen. Er ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Drach nennt Verfahren "albernes Theater"

Thomas Drach wies die Anschuldigungen gegen ihn am Donnerstag zurück. Die ganze Verhandlung sei "albernes Theater", sagte der 51-Jährige. "Das sind alles familieninterne Angelegenheiten." Welche Absprachen er mit seinem Bruder habe, werde das Gericht nicht erfahren: "Das haben Sie in den 15 Jahren nicht erfahren, und das werden Sie auch heute nicht erfahren."

Seine Strafe für die Entführung hätte Drach eigentlich im Juli 2012 abgesessen. Wird er jetzt erneut verurteilt, könnte er noch länger im Gefängnis auf seine Freilassung warten. Nach Verlesung der Anklage und einer Erklärung der Verteidigung wurde der Prozess am Donnerstag unterbrochen. Das Verfahren soll am Montag fortgesetzt werden.

fw/DPA / DPA