Abriss Bye, Bye Ballermann


Die berühmt-berüchtigte Strandkneipe "Ballermann 6" in El Arenal auf Mallorca soll abgerissen werden. Statt der Billig-Touristen will man künftig zahlungskräftigere Kundschaft anlocken.

Schäbige Bettenhochburgen, laute Discotheken und "Fressbuden" dicht an dicht: Für viele steht kaum ein Ort auf Mallorca so sehr für die hässlichen Seiten des Massentourismus wie El’Arenal. Mit dem Betonsilo-Image der Gegend nahe der berühmt-berüchtigten Strandkneipe "Ballermann 6" östlich der Hauptstadt Palma soll nach dem Willen der Inselregierung jedoch künftig Schluss sein. Der neue Raumordnungsplan sieht nämlich vor, mit der Abrissbirne gegen die Bausünden dieses "Gruselkabinetts" aus den 60er und 70er Jahren vorzugehen, wie die Zeitung "El Mundo" es nannte.

Dem Erdboden gleichgemacht

Ganze Häuserblocks mit Wohnungen und heruntergekommenen Hotels in erster und zweiter Strandlinie sollen in den kommenden zehn Jahren dem Erdboden gleichgemacht werden. An ihrer Stelle ist eine riesige Parkgegend mit Grünflächen geplant. "Die Stunde des Dynamits hat geschlagen", meinte die Presse über das bislang wohl größte Sanierungsprojekt in der Geschichte der beliebten Ferieninsel. Als alternativer Standort für die Hotels und die hunderten Familien, die umquartiert werden müssen, ist die Steinbruchgegend in der Umgebung von El’Arenal vorgesehen. Die Kosten für das Vorhaben werden auf gut 900 Millionen Euro geschätzt.Mallorcas Hoteliers kündigten allerdings umgehend Widerstand an. "Einen neuen Standort weit weg vom Strand werden wir nicht akzeptieren", warnte Verbandschef Pere Cañellas. Die linke Opposition begrüßte das Projekt zwar, monierte aber die Absicht, nun im Inselinneren Bauland freizugeben. So solle erlaubt werden, Landgute in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels mit bis zu 120 Betten zu verwandeln.

Heftiger Protest gegen konservative Regierung

Heftiger Protest gegen den neuen Raumordnungsplan und andere Infrastruktur-Projekte kommt aber vor allem von den Umweltschützern. Ihrer Ansicht nach ist die neue konservative Balearen-Regierung, die Ende Oktober die umstrittene "Ökosteuer" für Urlauber abgeschafft hat, bereits ein halbes Jahr nach der Amtsübernahme in die "Beton-Zeit" zurückverfallen."Die gegenwärtige Politik setzt das ökologische Gleichgewicht Mallorcas aufs Spiel", beklagt der Vorsitzende des Umweltverbandes GOB, Miguel Angel March. Er kritisiert etwa Pläne, die Fläche der Naturparks zu verringern, Ausnahmegenehmigungen bei Bauprojekten in Strandnähe zu erteilen, neue Autobahnen, Meeresentsalzungsanlagen oder Müllverbrennungsanlagen zu bauen oder die Kapazität des Flughafens Son Sant Joan für bis zu 38 Millionen Passagiere im Jahr zu verdoppeln. Zu den derzeit umstrittensten Vorhaben zählt auch der Bau der Autobahn von Inca nach Manacor, gegen die eine Bürgerinitiative mobil macht, der sich auch viele auf Mallorca lebende Deutsche angeschlossen haben.

Reich wegen des Massentourismus'

Der Chef der Regionalregierung, Jaume Matas, weist die Vorwürfe zurück. Der Umweltschutz sei auch sein oberstes Ziel, aber Tatsache sei eben, dass der Reichtum der Balearen auf den Massentourismus zurückgehe. "Niemand sollte dieses Modell verschmähen, denn für wohl oder übel hat es uns dorthin gebracht, wo wir nun sind." Und dies bedeute, dass der Archipel zu 80 Prozent von den rund elf Millionen Urlaubern jährlich lebe und das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen sich in den vergangenen 40 Jahren auf fast 24 000 Euro verzehnfacht habe.Matas, bis vor kurzem spanischer Umweltminister und bereits zwischen 1996 und 1999 Chef der Regionalregierung in Palma, setzt darauf, das Angebot mit Vier- und Fünf-Sterne-Hotels zu modernisieren, um zahlungskräftigere Urlauber anzulocken. In dieses Konzept gehört auch der Bau von Golfplätzen oder einer Thermal-Klinik in Campos im Osten der Insel.

Jörg Vogelsänger DPA

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