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Britische Durchfallmasche : Paar muss ins Gefängnis - die beiden wollten an einer erfundenen Krankheit verdienen

Mit Schadenersatz wegen ausgedachter Magenkrankheiten wollen viele Briten ihren Urlaub refinanzieren. Ein Betrugspärchen muss nun für 15 beziehungsweise neun Monate ins Gefängnis.

Vor einigen Jahren entdeckten die Briten einen magischen Trick, wie sie umsonst zu ihrem kommen konnten. Und das geht so: Sie buchen einen All-Inclusive-Urlaub, geben bei ihrem Aufenthalt tüchtig Gas. Wieder daheim behaupten sie dann, irgendeine Infektion, die auf mangelnde Hygiene des Hotels zurückzuführen sei, habe sie in der Fremde sterbenskrank gemacht. Elend hätten sie im Bett gelegen. Den Urlaub konnten sie nicht genießen, also müssten sie Wiedergutmachung fordern.

Der Trick funktionierte solange, bis der vom Volkssport wurde. Denn das britische Recht macht derartige Klagen sehr einfach, meist haben die Antragssteller das geforderte Geld zugesprochen bekommen, ohne dass es zu einer Verhandlung kam. In Hunderttausenden von Fällen sollen falsche Forderungen erhoben worden sein. Selbst die britische Regierung äußerte sich beschämt über die Schummel-Touristen von der Insel.

Außenminister entsetzt

Außenminister Boris Johnson klagte: "Diese Behauptungen machen die Auslandsreisen für alle Briten teurer. Auf sie kommen steigende Kosten zu, wenn sie für falsche Anschuldigungen einer kleinen Minderheit zahlen müssen. Der Anstieg dieser falschen Forderungen gegen Reiseveranstalter trübt den Ruf des Vereinigten Königreichs im Ausland. Das ist auch sehr unfair gegenüber allen, die wirklich im Urlaub krank werden und nun Gefahr laufen, ohne Grund verdächtigt zu werden. "

Seit etwa einem Jahr schlagen Hotels und Reiseveranstalter zurück und verklagen die Betrüger. Auf deren Facebook- und Instagram-Accounts lässt sich meist nachverfolgen, wie die angeblich schwer Erkrankten das Urlaubs- und Partyleben in vollen Zügen genossen haben. 

Dumm genug, zu glauben, er werde nicht erwischt 

Deborah Briton und ihr Partner Paul Roberts wollten satte 20.000 Pfund – das sind etwa 22.500 Euro – von Thomas Cook, weil sie bei ihren Mallorca-Reisen erkrankten. Das Unglück soll das Paar 2015 und auch im Folgejahr ereilt haben. Ihre Posts zeigten dagegen, dass sie es auf der Party-Insel haben richtig krachen lassen. Nach dem Urlaub 2015 schrieb Roberts etwa: "Wieder sicher nach Hause gekommen nach zwei Wochen Sonne, Lachen und Spaß. Ich traf alle lieben Urlaubsfreunde wieder, die unseren Urlaub unvergesslich machten." 

Der Anwalt von Roberts sagte im Gericht: "Durch Kneipengespräche ist der Angeklagte auf diese Idee gekommen. Er war dumm genug, seinen Freunden zu glauben, er könne nicht erwischt werden. Damit lag er falsch."

Deborah Briton wurde zu einer Haftstrafe von neun Monaten wegen vierfachen Betruges verurteilt, ihr Partner Paul Roberts zu 15 Monaten. Obwohl beide von einer Verurteilung haben ausgehen müssen, hat das Strafmaß sie überrascht. Briton und Roberts brachen bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Wenn die dreiste Klage der beiden Erfolge gehabt hätte, hätte Thomas Cook nicht nur die geforderten 20.000 Pfund überweisen müssen, sondern hätte auch noch die Kosten des Prozesses in Höhe von 28.000 Pfund tragen müssen. 

Drohung an die Adresse von Nachahmern 

Richter David Aubrey sprach dann auch von einem "schamlosen Betrug." "Das war von Anfang an komplett ausgedacht. Sie haben behauptet, dass sie und ihre Kinder auf zwei verschiedenen Reisen erkrankt seien. Das ist absoluter Blödsinn."

Über das Motiv der beiden gibt sich der Richter keinen Illusionen hin: "Wieso macht man so etwas? Nackte Gier."

Für die Urlaubs-Betrugsmasche hat die Justiz wenig Verständnis. Alle, die in Zukunft versucht sein könnten, einen falschen Anspruch wegen einer gefälschten Urlaubskrankheit geltend zu machen, warnte der Richter eindringlich. Unabhängig von den persönlichen Umständen der Person, müssten sie damit rechnen, unmittelbar nach dem Urteil eine sofortige Freiheitsstrafe antreten zu müssen. 

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