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Krank im Urlaub Paar erfand Mängel, um ein Hotel zu betrügen - nun sollen sie 200.000 Euro zahlen

Zum ersten Mal schlägt ein Hotel mit einer Gegenklage zurück. 
Zum ersten Mal schlägt ein Hotel mit einer Gegenklage zurück. 
© Caldera Palace Hotel
Hotels zu verklagen, wurde zum Volkssport in Großbritannien. Ein Hotel schlägt nun zurück: Ein Paar wollte das Hotel mit erfundenen Mängeln schröpfen. Dafür sollen die beiden nun 200.000 Euro wegen ihrer Verleumdungen zahlen.

Sean und Caroline B. aus Großbritannien haben einen Urlaub in der Hölle hinter sich. Sie hatten 2013 einen Traumurlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel auf Kreta gebucht. Doch verdorbene Speisen und Getränke sollen den Urlaub unerträglich gemacht haben: Anstatt zu relaxen lag das Paar krank im Bett. Das behaupten sie jedenfalls in ihrer Schadenersatzklage gegen das Caldera Palace Hotel. 10.000 Pfund sollen ihre Qualen lindern.

Doch die Klage steht unter keinem guten Stern. Das Hotel kann nachweisen, dass das Pärchen "beachtliche Mengen an Alkohol konsumierte", in der Zeit in der die beiden angeblich krank im Bett lagen. Auch ihre Facebook-Postings aus der Zeit sollen eher einen feucht-fröhlichen Urlaub zeigen und kein trauriges Krankenlager.

Klagewelle im Königreich

Hotels und Reiseveranstalter sind diese Art von Klagen gewöhnt, doch seit einigen Monaten schwellen die Beschwerden britischer Urlauber an wie eine Lawine. Die Schadenersatz-Forderungen von Briten wegen angeblicher Erkrankungen in den Ferien haben in den vergangenen 18 Monaten um 700 Prozent zugenommen. Es handelt sich dabei um eine mysteriöse Krankheitswelle, die allein Briten befällt, Gäste aus anderen Ländern bleiben verschont. 

Wohl auch wegen dieser Klagewelle hat sich das Hotel zu einem eher unüblichen Schritt entschieden. Das Hotel hat eine Gegenklage gegen das Paar erhoben und behauptet, dass die vorgebrachten Ansprüche von Sean und Caroline B. erlogen seien und eine betrügerische Absicht hinter ihrer Klage stecke. Wegen des Imageschadens will die Hotelkette 170.000 Pfund erstreiten. In Großbritannien wäre es das erste Mal, dass sich ein Hotel auf diese Weise gegen erfundene Ansprüche von Gästen wehrt.

Der Reiseveranstalter Thomson erklärte lakonisch: "Urlauber aus dem Vereinigten Königreich müssen eins verstehen. Sollten sie falsche und betrügerische Ansprüche vorbringen, müssen sie mit einer Klage rechnen – in ihrem Heimatland oder am Urlaubsort."

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Geschocktes Paar

Nun rudert das Paar zurück. Die lustigen Partybilder erklären sie damit, dass sie nur einen Tag krank gewesen seien und nicht die ganze Reise. Überhaupt hätten sie die Klage schon zurückziehen wollen, doch hätte ihr Anwalt ihnen gesagt, dass sie dann für die bislang aufgelaufenen Anwalts- und Gerichtskosten gerade stehen müssten. Das wollten sie auch nicht, nun haben sie die Gegenklage erhalten. 

Frau B. ist entsetzt und sprach mit der "Mail on Sunday": "Ich war geschockt, als wir die Gerichtspapiere bekamen, in denen all diese schrecklichen Dinge stehen, die wir über das Hotel gesagt haben sollen. Wir haben so etwas nie gesagt. Unser Anwalt sagt zwar, wir sollen uns nicht beunruhigen lassen. Aber wir haben Angst um unsere Zukunft und fürchten, dass wir unser Haus verlieren könnten."


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