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Über den Dächern von Paris So sieht das Geheimzimmer im Eiffelturm aus

Eiffelturm
Der Eiffelturm mit seinen drei Ebenen: Ganz oben befindet sich das Privatgemach von Gustave Eiffel.
© Peter Kneffel/DPA
Zutritt nur für Auserwählte: Der Konstrukteur des Eiffelturms hatte sich 1889 knapp unterhalb der Spitze ein privates Zimmer eingerichtet. Bald geriet es jedoch in Vergessenheit.

Mit der Vollendung seiner Eisenkonstruktion zur Weltausstellung 1889 in Paris schuf der Ingenieur Gustave Eiffel das Wahrzeichen für die französische Hauptstadt. Heute kommen Touristen in Scharen, doch direkt unter den Eiffelturm nur noch, nachdem sie eine Sicherheitskontrolle passiert haben. Und wer hoch hinaus zu den Aussichtsplattformen möchte, muss zusätzlich eine Überprüfung durch Metalldetektoren wie am Flughafen über sich ergehen lassen. Nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo, das Bataclan und das Stade de France legen die Franzosen großen Wert auf Sicherheit.

Die meisten Besucher genießen den Blick über Paris von der ersten und zweiten Etage. Wer zu Fuß hinaufsteigt, zahlt 7 Euro – mit dem Fahrstuhl sind es 7 bzw. 11 Euro. Nach ganz oben, auf die dritte Etage in 276 Metern Höhe knapp unterhalb der 324 Meter hohen Turmspitze, geht es allerdings nur per Fahrstuhl. Kostenpunkt 17 Euro.

Belebtes Privatzimmer: Puppen in der Gestalt von Gustave Eiffel im Gespräch mit Thomas Edison zieren das geheime Apartment im Eiffelturm
Belebtes Privatzimmer: Puppen in der Gestalt von Gustave Eiffel im Gespräch mit Thomas Edison zieren das geheime Apartment im Eiffelturm
© flickr/Serge Melki

Zeitgeist wohnt im Eiffelturm

In der dritten Etage machte es sich Gustave Eiffel gemütlich. In der Stahlkonstruktion richtete er sich ein Mini-Appartement ein. Es besteht aus zwei Zimmern mit dunklen Holzmöbeln, schweren Teppichen, Gemälden und gerahmten Stichen auf den Wänden mit tapezierten Paisley-Mustern.

Für den Konstrukteur dürfte es ein Rückzugsort gewesen sein, nach all den Strapazen der zweijährigen Bauzeit und den damit verbundenen Anfeindungen über sein Werk. Denn noch vor Fertigstellung überwogen die kritischen Stimmen. Der Eiffelturm sei ein "gigantischer, schwarzer Fabrikschornstein" und "schwindelerregend lächerlich", wie einige Kritiker das Bauwerk verspotteten.

Schaut ihm über die Schulter: Eiffels Tochter Claire
Schaut ihm über die Schulter: Eiffels Tochter Claire
© Flickr/Les Chatfield

Eine Gruppe von namhaften Künstler schrieb sogar: "Wir, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten und leidenschaftliche Liebhaber der bis jetzt noch intakten Schönheit von Paris, protestieren hiermit mit all unserer Kraft und aus all unserer Empörung, im Namen des falsch verstandenen französischen Geschmacks, im Namen der Kunst und der bedrohten französischen Geschichte, gegen die Errichtung des nutzlosen und monströsen Eiffelturms im Herzen unserer Hauptstadt, den die Bösartigkeit der Öffentlichkeit – die oft über gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeitssinn verfügt –, bereits den ‚Turm zu Babel‘ nennt.“

Eiffel war über die Kritik erhaben. Hoch oben auf seinem Turm konnte er Freunde, Gönner und Bewunderer empfangen. Zu denen gehörte der amerikanische Erfinder Thomas Edison, der im Gästebuch einen Dank für die "Errichtung des gigantischen und originellen Musterstücks moderner Baukunst" schrieb.

Schon im ersten Jahr nach der Eröffnung am 15. Mai 1889 bestiegen fast zwei Millionen Menschen den Eiffelturm und finanzierten mit ihren Eintrittsgeldern Dreiviertel der Baukosten für das neue Weltwunder, das über Jahrzehnte das höchste Bauwerk der Welt blieb.

tib

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