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Flutkatastrophe im Sommer 2021 Die Solidarität war überwältigend – so konnte die Stiftung stern dank Ihrer Spenden an der Ahr helfen

Zwei Frauen stehen in Schlamm verdreckter Kleidung an eine Mauer gelehnt
Die stern-Reporterinnen Ingrid Eißele (r.) und Isabel Stettin in Ahrweiler. 370.000 Euro Spenden wurden bisher an Hilfsorganisationen im Flutgebiet ausgezahlt
© Murat Türemis/stern
Vom Camp für betroffene Anwohner bis zur Freiwilligentruppe von syrischen Geflüchteten: Dank Spenden von fast 700.000 Euro konnte die Stiftung stern nach der Flutkatastrophe im Sommer schon viele unterschiedliche Initiativen unterstützen. Dafür sagen wir: Danke!

Rund ein Dutzend Reporterinnen, Reporter und Fotografen reisten für den stern in die vom Hochwasser betroffenen Gebiete. "Schon die Annäherung an die Katastrophenregion längs der Ahr hatte etwas Surreales, eine graugelbe Dunstglocke hing über der Autobahn A 61 und ließ die Landschaft seltsam entrückt erscheinen", erzählt stern-Reporterin Ingrid Eißele. "Es war, als überschritte man die Grenze zwischen Realität und Albtraum."

Das Ausmaß der Zerstörung im Ahrtal war zunächst kaum zu ermessen. In den ersten Tagen schwankte die Stimmung der Menschen zwischen Fassungslosigkeit und Verzweiflung, auch bei jenen, die als Funktionsträger Sicherheit geben sollten. Ein Bürgermeister etwa, der einen Reporter durch seinen zerstörten Ort führte, brach immer wieder in Tränen aus.

Zur Einweihung kam die Ministerpräsidentin

Was half, war die Solidarität von Freiwilligen aus ganz Deutschland. In Ahrweiler bauten Anwohner und Helfer ein komplettes Camp auf: die Ahrche. Startkapital dafür waren 5.000 Euro aus Spenden der stern-Leserinnen und -Leser. "Für diese schnelle und unkomplizierte Hilfe sind wir sehr dankbar", sagt Lucas Bornschlegl, 29, Vorstand des Vereins. Im Camp gibt es unter anderem kostenlose Beratung für Flutopfer, einen Werkzeugverleih und warme Mahlzeiten. Im Dezember wurde eine provisorische Turnhalle errichtet, finanziert mit weiteren Spendengeldern der Stiftung stern. Zur Einweihung kam Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Halle soll von Vereinen und Schulen genutzt werden.

In der Nachbarstadt Sinzig räumte Melanie Brücken kurzerhand ihr "Coworking"-Büro und machte es zum Treffpunkt für Freiwillige und Flutopfer. Als besonders robust erwies sich eine Gruppe Helfer, die aus dem Saarland anreiste: ehemalige Geflüchtete, vorwiegend aus Syrien, die sich über eine Facebook-Gruppe organisierten, unter ihnen auch Grafikdesigner Faris Allahham, 25.

In den ersten Wochen pendelten er und seine Freunde jeden Tag zweieinhalb Stunden zwischen Sinzig und Saarbrücken, weil sie in der Flutregion keine Unterkunft fanden. Noch immer kommen sie Wochenende für Wochenende, um in den Fluthäusern anzupacken und das Naturschutzgebiet bei Sinzig vom angeschwemmten Unrat zu befreien. Die "Syrischen Freiwilligen in Deutschland", wie sich die Gruppe nennt, sind hochgeschätzte Helfer. Neben handwerklichem Können bringen sie Lebenserfahrung mit. "Wir können diese Katastrophe vielleicht besser nachvollziehen", sagt Faris Allahham. "Deutschland hat uns viel gegeben, wir fühlen uns diesem Land zugehörig und wollen etwas zurückgeben."

Die Stiftung stern unterstützt auch die Arbeit der "Syrischen Freiwilligen": Dank der Solidarität der stern-Leserinnen und -Leser wird ein Transportfahrzeug angeschafft. Wichtig ist, dass nicht nur Flutopfer, sondern auch Helfer wieder Hoffnung bekommen – und nicht vergessen werden.


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