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Stiftung stern Der Kiosk als Hoffnung – wie ein Ingenieur aus Tansania und deutsche Jungunternehmer für sauberes Wasser sorgen

Erfinder Askwar Hilonga, Kioskbetreiberin Mariam Yusuph und das Evaluations-Team John P. Duwe und Edom A. Minja (v. r.)
Erfinder Askwar Hilonga, Kioskbetreiberin Mariam Yusuph und das Evaluations-Team John P. Duwe und Edom A. Minja (v. r.)
© Carolin Windel
Ein Ingenieur aus Tansania hat ein System zur Reinigung von Wasser entwickelt – deutsche Jungunternehmer haben daraus ein Geschäftsmodell für hunderte Kleinunternehmer gemacht. So funktioniert's. Und so können Sie dabei helfen.

Arusha, im Norden Tansanias. Vor dem hellblauen Gebäude an der Njiro Road wird gerade eine Leitung verlegt, Professor Askwar Hilonga, ein drahtiger Mann im dunkelbraunen Anzug, hüpft geschmeidig über den Graben der Baustelle. "Karibu sana", willkommen, ruft er, und erklärt in schnellen Sätzen seine Mission.

Hilonga, 45, ist chemischer Ingenieur. Knapp zehn Jahre hat er an der Verfeinerung eines von ihm entwickelten Nanofilters gearbeitet, mit dem verunreinigtes Trinkwasser kostengünstig aufbereitet werden kann, ganz ohne Strom oder komplizierte Technik. In übereinanderhängenden durchsichtigen Eimern demonstriert er sein Verfahren: Trübbraunes Wasser durchläuft eine Kombination aus Sandfiltration und Knochenkohle, passiert spezielle Hohlfasermembranen – und tropft am Ende in einen Becher. "Kristallklar", sagt Hilonga und nimmt einen Schluck.

Drei Modelle in verschiedenen Größen hat er entwickelt – das Verfahren ist mehrfach preisgekrönt auch von der WHO. 99,9 Prozent aller Schadstoffe und Mikroorganismen werden herausgefiltert.

"Es ist eine praktikable Lösung, entwickelt für die Bedürfnisse eines armen Landes", sagt Hilonga. Das Besondere sei zudem, dass der Filter sich mühelos kalibrieren lasse. In Tansania zum Beispiel ist das Wasser extrem fluorbelastet: Knochenfluorose, eine Verkrümmung und Versteifung des Skeletts, ist daher eine weit verbreitete Krankheit. "An solche lokale Gegebenheiten kann das System angepasst werden. Menschen müssen nicht mehr zu Krüppeln werden, bloß weil sie arm sind und das falsche Wasser trinken."

Die Community selbst ist eingebunden

Askwar Hilonga stammt selbst aus einem dieser Dörfer im Bezirk Karatu. "Wir hatten keine Toilette, wir gingen nach draußen. Wasser holten wir aus den Trinkstellen der Tiere, aus dem Brunnen oder vom Bach. Wie alle Kinder litt ich ständig unter Würmern und Entzündungen."

Die Betreiber der Wasserkioske freuen sich über Ihre Unterstützung. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug an das "Blue Future"-Projekt weiter. Hier können Sie spenden.
Die Betreiber der Wasserkioske freuen sich über Ihre Unterstützung. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug an das "Blue Future"-Projekt weiter. Hier können Sie spenden.

In stadtnahen Gebieten versorgt der Nanofilter bereits etwa 350.000 Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen mit sauberem Trinkwasser. "Die Menschen auf dem Land sind jedoch oft skeptisch. Man erreicht sie nicht, indem man ihnen einfach ein Gerät hinstellt", sagt Hilonga. "Man braucht immer jemanden aus der Community, der als Verantwortlicher miteinbezogen wird." So entstand seine Idee der "Wasserkioske": kleine Verkaufsstände, in denen geschulte Mitarbeiter den Filter einsetzen und gleichzeitig seine Nutzung vorantreiben, weil sie selbst daran etwas verdienen.

Er hätte das Konzept nicht angemessen finanzieren können – aber dann meldeten sich plötzlich diese Jungs aus Deutschland bei ihm: Christoph Dillenburger und Tibor Sprick, zwei sozial engagierte Jungunternehmer aus dem Saarland. "Sie sagten, sie hätten im Internet von meiner Arbeit gelesen, und boten Hilfe an. Wenig später haben sie uns in Tansania besucht."

Über Spenden und den Verkauf von Mineralwasser unterstützen die Saarländer im Rahmen ihres "Blue Future"-Projekts Hilongas Traum von einem Netz aus Filter-Stationen: 127 Kioske gibt es bereits, 500 sollen es werden. Beschäftigt werden vor allem alleinstehende Frauen: Hilongas Mitarbeiter evaluieren regelmäßig die Daten der Kioske – und Frauen haben sich als die ehrgeizigsten Botschafterinnen für sauberes Wasser erwiesen. Mit etwa 130 Euro im Monat verdienen sie ein vergleichsweise solides Gehalt. "Diese Frauen haben jetzt einen würdevollen Job und bringen ihrer Gemeinde etwas bei. Das ist meine Freude", sagt Askwar Hilonga.

Erschienen in stern 41/2021

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