Das Deutsche Volk
Wird Rassismus immer noch nicht ernst genommen?

  • von Hans Czerny
#saytheirnames leuchtet vom Vordach der "Initiative 19. Februar Hanau" und wurde bundesweit zu einem wichtigen Slogan im Kampf gegen Rassismus.
#saytheirnames leuchtet vom Vordach der "Initiative 19. Februar Hanau" und wurde bundesweit zu einem wichtigen Slogan im Kampf gegen Rassismus.
© ZDF / Marcin Marcin Wierzchowski
Über vier Jahre lang begleitete der Dokumentarfilmer Marcin Wierzchowski die Hinterbliebenen der rassistischen Morde von Hanau am 19. Februar 2020. Aus Trauer wurde Wut, wegen offensichtlicher Fehler der Behörden.

Vorausgegangen waren die neunfachen Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), die Morde von Mölln und Halle: Auch der Täter, der am 19. Februar 2020 an zwei verschiedenen Tatorten neun Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund erschoss und sechs weitere schwer verletzte, hatte, wie sich herausstellen sollte, rassistische Motive. Ein Waffenfreak, der im Dienst des "deutschen Volks" handeln wollte. Die Angehörigen der Opfer glaubten, eine systematische Vernachlässigung der rassistischen Motive erkannt zu haben, und gründeten daher einen Arbeitskreis, zu dem sie sich regelmäßig trafen. Der Dokumentarist Marcin Wierzchowski begleitete sie über Jahre hinweg und beobachtete dabei, wie ihre Trauer in Wut überging.

Hätte die Tat verhindert werden können? Insbesondere nach all den bereits vorausgegangenen Morden? Im Film "Das Deutsche Volk" versuchen die Hinterbliebenen den Tathergang zu analysieren. Ungereimtheiten, wie der Ausfall eines Notrufs, ein abgesperrter Ausgang, unzulängliche Opferbeschreibungen scheinen darauf zu verweisen, wie wenig ernst die Tat genommen wird. Dahinter steht die Frage: Wie lange soll das so weitergehen?

Der Film "Das Deutsche Volk" (Erstsendung bei 3sat) wurde 2025 im Rahmen der Berlinale erstaufgeführt und bekam unter anderem den Hessischen Filmpreis. Marcin Wierzchowski, dem schnell klar war, dass es sich damals um eine rassistische Tat handelte, begann sofort mit den Dreharbeiten und begleitete die Angehörigen fast fünf Jahre lang. Nach eigenen Worten konnte er so zeigen, "was es bedeutet, wenn sich Menschen über andere Menschen stellen".

Das Deutsche Volk – Mi. 18.03. – 3sat: 20.15 Uhr

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