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"Steuererklärung Light": Kurzes Formula, wenig

Die Steuererklärung kann seit 2005 auch in der Kurzfassung abgegeben werden. Nur zwei Seiten Formular - verlockend oder doch eher gefährlich?

Arbeitnehmer haben seit 2005 die Möglichkeit, ein vereinfachtes Formular zu nutzen. Der Kurzvordruck umfasst lediglich zwei Seiten, die von Ihnen in wenigen Minuten ausgefüllt werden können. Zwei weitere Seiten enthalten Erläuterungen dazu, wann Sie das Formular nicht benutzen können - die sollten Sie vorher lesen. Dazu kommen unter Umständen noch einige ergänzende Anlagen zu Kinder, Altersvorsorge durch Riester-Verträge oder vermögenswirksame Leistungen.

Nicht für jeden geeignet

Wer die "Steuererklärung Light" wählt, muss Folgendes wissen: Der Vordruck ist nur für Arbeitnehmer gedacht, die keine umfangreichen Abzugsbeträge steuerlich geltend machen wollen. Interessant ist sie daher nur für Steuerzahler, die ausschließlich Arbeitslohn, Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Elterngeld oder Versorgungsbezüge, von denen Lohnsteuer einbehalten wurde, erhalten hat.

Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen können in eingeschränktem Maße geltend gemacht werden. Haben Sie aber beispielweise Ausgaben für ein heimisches Arbeitszimmer, eine doppelte Haushaltsführung oder Unterstützungszahlungen an nahe Angehörige, wenn Sie Spenden oder Haushaltshilfen absetzen wollen oder neben Ihrem Arbeitseinkommen weitere Einkünfte beispielsweise aus Zinserträgen, Vermietungen, Arbeit im Ausland haben, dann bleibt Ihnen nur die klassische Steuererklärung mit 4-seitigem Mantelbogen plus Anlagen.

Seite 1

Hier müssen Sie folgende Angaben machen:

Name, Anschrift, Religionszugehörigkeit, Familienstand und Beruf des Steuerpflichtigen/ der Ehegatten

Bei der erwähnten Zusammenveranlagung werden die Einkünfte der Eheleute zusammengerechnet, nicht steuerpflichtige Beträge sowie Freibeträge abgezogen und der verbleibende zu versteuernde Betrag geteilt. Die auf diesen Betrag entfallende Steuer wird dann verdoppelt und stellt die gemeinsame Steuerschuld der Ehegatten dar. Im allgemeinen führt die Zusammenveranlagung zu einer günstigeren Besteuerung. Wollen Sie als Ehepaar getrennt veranlagt werden, können Sie dieses Formular nicht nutzen.

Bankverbindung, auf die die Steuererstattung überwiesen werden soll,

ggf. Anzahl der Kinder (Einzelheiten sind auf der Anlage "K" zu vermerken),

ggf. Altersvorsorgebeiträge, z. B. Riester-Verträge (Einzelheiten sind auf der Anlage "AV" zu vermerken),

Ihre "eTIN". Dabei handelt es sich um die sog. "electronic Taxpayer Identification Number", die sich aus Ihrem Namen und Ihrem Geburtsdatum zusammensetzt. Die eTin finden Sie auf dem Ausdruck Ihrer Lohnsteuerbescheinigung.

Summe der erhaltenen Lohnersatzleistungen (z. B. Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld, Krankengeld oder Mutterschaftsgeld laut Bescheinigungen der Arbeitsagentur oder Krankenkasse). Diese Zahlungen sind zwar selbst steuerfrei, beeinflussen aber die Höhe der Steuer auf Ihren während des Jahres gezahlten Arbeitslohn, weitere Einkünfte und gegebenenfalls auch den Arbeitslohn des Ehegatten.

Auskünfte über Zeiten und Gründe der Nichtbeschäftigung.

Ergänzende Angaben zu den Vorsorgeaufwendungen Für Steuerzahler gedacht, die 2007 mindestens zeitweise in einem nicht rentenversicherungspflichtigen Job gearbeitet haben. Dazu gehören verschiedene Berufsgruppen wie Beamte, Soldaten, weiterhin beschäftigte Altersrentner, Praktikanten, Geistliche und GMBH-Geschäftsführer. Die Angaben dienen der Ermittlung Ihrer abziehbaren Vorsorgeaufwendungen.

Unterschrift (bei Ehegatten von beiden zu unterschreiben)

Seite 2

Werbungskosten

Fahrten zur Arbeit waren zumindest bis 2007 eine der wichtigsten Abzugspositionen für Arbeitnehmer - dann wurde die so genannte Pendlerpauschale gekürzt. Aktuell sollen Arbeitswege erst ab Kilometer 21 berücksichtigt werden. Die Regelung wird derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht überprüft. Tragen Sie aber Ihre kompletten Arbeitswege ein und lassen Sie das Finanzamt rechnen.

Für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (ab Kilometer 21) erhalten Sie eine Entfernungspauschale - unabhängig von der Art, wie Sie zur Arbeitsstätte gelangen. Diese beträgt 30 Cent pro Kilometer bis zu einem Höchstsatz von 4500 Euro. Mit der Entfernungspauschale sind sämtliche Fahrzeugkosten abgegolten, also z. B. auch die Garagenmiete, Parkgebühren und Reparaturkosten. Steuerlich berücksichtigt wird nur ein Hin- und Rückweg zur Arbeitsstätte pro Tag, selbst wenn Sie den Weg regelmäßig zwei Mal am Tag zurücklegen, um beispielsweise zu Hause zu essen.

Zu den Arbeitsmitteln gehören Werkzeuge, typische Berufsbekleidung, Fachzeitschriften und ähnliches, sowie Reparaturen und Reinigungen derselben. Die berufliche Nutzung muss mindestens einen Umfang von 90 % der Gesamtnutzung haben.

Bewerbungen, Stelleninserate, Umzüge (bei beruflich bedingtem Wohnungswechsel), Fortbildungen (ob Sprachkurs oder Meisterschule) - es gibt viele weitere Investitionen, die Sie für den Job tätigen können und die das Finanzamt berücksichtigt.

Bei Dienstreisen gelten als Reisekosten die Fahrtkosten, Verpflegungspauschbeträge, Übernachtungskosten und Reisenebenkosten. Im Ausland gelten sogar höhere Verpflegungs- und Übernachtungspauschbeträge.

Sogar Kontoführungsgebühren und Telekommunikationskosten (Telefon, Fax, Internet) sind als Werbungskosten absetzbar, soweit sie beruflich veranlasst sind.

Sonderausgaben

Das sind insbesondere die Kosten für freiwillige Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit, Kranken- und Pflegeversicherungen, Unfall- und Haftpflichtversicherungen, Risikoversicherungen sowie Aufwendungen für die freiwillige Altersvorsorge (zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung - durch eTin-Angabe schon berücksichtigt - und den Beiträgen auf auf Anlage "AV").

Außergewöhnliche Belastungen

Hier können Sie neben erhöhten Belastungen durch Behinderung nur folgende aufgezählte Ausgaben anrechnen lassen: Prozessosten einer Ehescheidung, Krankheit, Kuren, Pflegeaufwendungen (ohne durch Krankenkassen übernommene Beträge) oder Fahrtkosten aufgrund von Behinderungen.

Claudia Fudeus
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