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Änderungen bei der Altersvorsorge Nur nicht hetzen lassen


Der Garantiezins sinkt und ab 2012 müssen Sparer in neue Riester- und Rürup-Verträge auch noch länger einzahlen. Was nun, schnell abschließen? Besser kühlen Kopf bewahren.
Von Tanja Vedder

Die Deutschen kennen das schon: Gesetze, Steuern, jeder Jahreswechsel bringt so seine ganz eigenen Änderungen. Diesmal betrifft es unter anderem die Altervorsorge. Wer ab 2012 einen staatlich gefördeten Riester- oder Rürup-Vertrag abschließt, muss länger einzahlen als bisher. Denn Neuverträge werden dann frühestens ab dem vollendeten 62. Lebensjahr ausgezahlt – statt wie derzeit noch ab dem 60. Geburtstag. Grund ist die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters um zwei Jahre – von aktuell 65 auf dann 67 Jahre.

Es ändert sich aber nicht nur etwas bei der staatlich gefördeten Altersvorsorge, sondern auch bei Renten- und Lebensversicherungen: bei den klassischen privaten Policen sinkt ab Januar 2012 für alle Neuverträge die garantierte Verzinsung von derzeit 2,25 Prozent auf dann 1,75 Prozent. Diese Änderungen sind natürlich einschneidend. Länger sparen und dabei auch noch weniger Rendite? Ein gefundenes Fressen für die Versicherungsmakler. "Jetzt schnell noch den Garantiezins sichern" – mit solchen "Die Zeit tickt"-Appellen wird der Kunde gern zum schnellen Abschluss gedrängt.

Nur keine Eile

Doch ist das sinnvoll oder reine Verkaufstaktik? "Wer sich defintiv für eine solche Police entschlossen hat, sollte noch 2011 handeln", empfiehlt die Stiftung Warentest. Dabei ist aber wichtig zu wissen: Wie viel dem Kunden später einmal ausgezahlt wird, hängt viel mehr von den sogenannten Überschussanteilen als vom Garantiezins ab. Der Versicherer schreibt diese variablen Überschüsse jährlich gut – wie viel, das bestimmt der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg des Anbieters. Der Garantiezins ist dem Kunden hingegen sicher. Allerdings wird dieser nur auf den Sparanteil gewährt, also auf seine Einzahlungen abzüglich Provisionen und Verwaltungskosten. Und diese wiederum können von Anbieter zu Anbieter deutlich variieren - weshalb jeder Interessent mindestens drei verschiedene Angebote vergleichen sollte.

Gerade deshalb sollte sich niemand zum Vertragsabschluss hetzen lassen, sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Viel wichtiger sei zunächst, den eigenen Bedarf zu analysieren – und der spräche oft für ganz andere Geldanlagen. Ohnehin hält die Finanzexpertin von Lebensversicherungen und geförderten Riester-Policen nur wenig. "Wenn schon Riester, dann eher Bank- oder Fondssparpläne", rät Castello.

Ihre Kritikpunkte: Policen der Riester-Rente und Lebensversicherungen seien wegen hoher Provisionen und Verwaltungsgebühren zu teuer. Die Verträge seien extrem undurchsichtig und würden obendrein auch nur eine mickrige Rendite abwerfen - und auch nur für denjenigen, der bis zum Ende durchhält, kritisiert die Verbraucherschützerin. "Wer aus einer klassischen Lebensversicherung früher aussteigt, macht wegen der hohen Kosten eventuell sogar ein Verlustgeschäft." Eine stichprobenartige Analyse der Verbraucherzentrale von 100 bereits abgelaufenen Verträgen mit bis zu 30-jähriger Laufzeit hat ergeben: Unter dem Strich warfen die Lebensversicherungen gerade mal 3 Prozent Gewinn ab – Bundesschatzbriefe damals in derselben Zeit sogar 6 Prozent.

Verzinsung sinkt

Tatsächlich stecken die Lebensversicherer derzeit tief in der Bredouille: Die Branche hat viel Geld in Staatsanleihen investiert, die aktuell nur sehr wenig Rendite abwerfen. Versicherungskunden werden sich wohl darauf einstellen müssen, dass die Überschüsse zumindest mittelfristig weiter sinken werden. Im Jahr 2011 wurden Lebensversicherungsprodukte noch mit 4,1 Prozent verzinst. "Wir gehen aber davon aus, dass 2012 das Niveau von 4 Prozent unterschritten wird", sagt Lars Heermann von der renommierten Assekurata Assekuranz Rating-Agentur, die jährlich die Verzinsung der Branche errechnet. Anders als Verbraucherschützerin Castello plädiert Heermann aber für die Lebensversicherungen: "Diese Policen sind weitaus besser als ihr Ruf. Sie sind extrem verlässlich und sicher."

Steuerliche Änderungen

Wer im kommenden Jahr eine Lebensversicherung abschließt, sollte außerdem noch einige steuerliche Änderungen beachten. Denn die Verschiebung der Altersgrenze betrifft auch diese Policen. Bislang wurden die Erträge nur dann zur Hälfte besteuert, wenn der Vertrag ab dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wurde und mindestens zwölf Jahre lief. Künftig beträgt auch hier die Altersgrenze 62 Jahre. Heißt: Wer früher aussteigt, muss seine Erträge komplett versteuern. Riester- und Rürup-Sparer trifft es noch härter: Sie müssen ihre Zulagen beziehungsweise Steuervorteile zurückzahlen, wenn sie die Altersgrenzen nicht einhalten und den Vertrag vorher kündigen.

Apropos Steuervorteile: Rürup-Sparer können im Jahr 2012 immerhin wieder höhere Sonderausgaben geltend machen. Der Anteil wird Schritt für Schritt erhöht, ab dem Jahr 2025 akzeptiert das Finanzamt dann 100 Prozent der Rürup-Beiträge als Sonderausgaben. Für 2012 sind 74 Prozent der Beiträge in einen Rürup-Vertrag abzugsfähig. "Ein alleinstehender Steuerzahler kann so bis maximal 14.800 Euro als Sonderausgaben geltend machen, Verheiratete bis zu 29.600 Euro", erläutert Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV)

Weitere Informationen zur Rürup-Rente und zur steuerlichen Behandlung finden Sie hier.


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