ANALYSE Börsenkrise führt zu Fondssterben


Die Börsenkrise hat auch den Fondsmarkt stark getroffen: Von der endlosen Aktientalfahrt geschockte Anleger zogen ihr Kapital aus Branchenwerten zurück.

Die Börsenkrise hat nicht nur einst umjubelte Firmen in Serie zu Kurs-Zwergen schrumpfen lassen. Auch die als weniger schwankungsanfällig geltenden Fonds hat es massiv erwischt. Die Aktientalfahrt blutete so manches Anlagekapital stark aus. Geschockte Investoren zogen ihre Gelder ab.

Aus für Exoten

Die Konsequenz: Dutzende von Aktien-, aber auch manche so genannte AS-Fonds zur Rentenabsicherung liegen inzwischen im Sterben. Vor allem exotische Länder- und Branchenfonds stehen vor dem Aus, warnt Patrick Schroth, Experte des Börsen-Journals »Wertpapier« der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Fonds verschwinden

Bereits beerdigt werden mussten im ersten Halbjahr 2001 schon 69 Fondspatienten. Still und leise wickelten die Anbieter die kümmerlichen Überreste ab, wie Schroth erläutert und betont: »Da sind mehr Produkte vom Markt verschwunden als je zuvor.« Zum Vergleich: Im ganzen Jahr zuvor musste die Kasse »nur« bei 73 Portfolios geschlossen werden.

»Eiszeit« am Fondsmarkt

Bleibt die Stimmung an den Märkten schlecht, droht weiteren 216 Fonds ebenfalls das Aus, wie der Düsseldorfer Aktionärsschützer bei einer Analyse herausfand. Investmentfirmen sammelten bis Ende September 2001 nur noch 22,2 Milliarden Euro ein im Vergleich zu 48,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Und das bei anhaltender Börsenschwäche. Die Branche verliert jedoch nur selten ein Wort über Pläne zur Liquidation ihrer Rohrkrepierer. Dass derzeit »Eiszeit« am Markt herrscht, macht keine Schlagzeilen, meint Schroth.

Auch Branchenfonds betroffen

Am Abgrund stehen insbesondere Portfolios, die in Aktien von Schwellenländern investiert sind, sowie frisch gestartete Angebote mit mieser Nachfrage. Aber auch einstigen Anlagerennern mit eng geschnürtem Korsett wie reinen Internet-, Logistik-, Medien- oder Kommmunikationstechnologie-Fonds geht langsam die Luft aus. Nicht einmal etablierte Produkte renommierter Firmen konnten sich dem Abstiegs-Sog entziehen. Ist das Fondsvermögen einmal auf Zwergenniveau unterhalb von fünf Millionen Euro geschrumpft, kommt es kaum mehr auf die Beine, wie Schroth erzählt. Dem Fondsmanager bleibt auf absehbare Zeit kein Spielraum mehr zum Manövrieren.

AS-Fonds stehen schlecht

Schwer in der Krise stecken zudem die vor drei Jahren für den Ruhestand konzipierten AS-Fonds (Altersvorsorge Sondervermögen). Die erhoffte staatliche Förderung blieb aus. Nahezu alle Angebote fristen deshalb ein kümmerliches Dasein, rechnet Schroth vor.

Liste mit Abstiegskandidaten im Internet

Wer wissen will, ob sein Fonds zu den Abstiegskandidaten der Düsseldorfer Experten zählt, kann die Liste online abrufen. Schroth rät betroffenen Kleinanlegern dazu, notfalls auszusteigen und »Kasse zu machen«. Oder in einen ganz anderen Fonds, möglichst ohne engen Anlageschwerpunkt, zu wechseln. Trotz zusätzlicher Kosten kann es aus Vertrauensgründen sinnvoll sein, auf eine andere Fondsgesellschaft umzusteigen. Und die altgediente Anlegerregel nicht mehr aus den Augen zu lassen: Immer breit gefächert investieren. Je spezialisierter, desto riskanter.

Reinvestition möglich

Ist ein Fonds tatsächlich am Ende, werden die noch verbliebenen Anleger per Anschreiben informiert. Meist wird ihnen angeboten, den Verkaufserlös aus ihren Anteilen zu reinvestieren - in ein anderes Produkt des gleichen Hauses. Gebührenfrei, versteht sich. Die Kunden sollen schließlich nicht noch mehr verprellt werden.

Berrit Gräber


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