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ANLAGE: Erste Online-Bank für Frauen im Aufbau

Frauen sollen Frauen finanzieren, z.B. duch Kleinkredite nach einer Scheidung. Männer dürfen nur eingeschränkt Aktionär und Kunde werden.

Die Münchnerinnen Angelika Huber und Astrid Hastreiter haben ein ehrgeiziges Ziel: Die erste Online-Bank in Deutschland von Frauen nur für Frauen an den Start zu bringen. Männer müssen weitgehend draußen bleiben. Mit ihnen wird gern kooperiert, wie Initiatorin und Bankfachfrau Huber betont. Konten und Kredite sollen vor allem der weiblichen Kundschaft vorbehalten bleiben. Dass sich viele Frauen in Vermögens- und Finanzierungsfragen von »normalen« Bankern im Stich gelassen oder nicht Ernst genommen fühlen, ist eine der Triebfedern zur Gründung der »frauenbank.de«.

Frauenprojekt scheint aussichtsreich

Aber die Zeiten für eine weitere Internet-Bank sind momentan nicht gerade rosig. Die meisten Direktbanken kämpfen mit Verlusten. Und mit harten Bandagen um alte und neue Kunden. Doch Angelika Huber hält ihr Frauenprojekt trotz aller Umfeldprobleme für aussichtsreich: »Die große Resonanz zeigt uns, dass für eine sinnvolle Alternative Platz und reichlich Bedarf ist.« Für richtungweisend hält Huber das frühe Beispiel der »Berliner Genossenschaftsbank selbstständiger Frauen«. Dieser Vorläufer konnte sich von 1910 bis 1916 behaupten, endete dann jedoch mit den Wirren des Ersten Weltkriegs in der Pleite.

Aktionärinnen finanzieren Bankenlizenz

Noch fehlt dem Damenduo die Banklizenz, um richtig loslegen zu können. Die größte Hürde, die genommen werden muss, ist zunächst einmal der Nachweis einer Eigenkapitaldecke von mindestens fünf Millionen Euro. Dieser Grundstock soll mit Hilfe von mindestens 9.000 Aktionärinnen zusammengetragen werden. Wer sich an der ersten Online-Frauenbank beteiligen will, kann Aktien ab 250 Euro erwerben. Dieses »Treugeld« wird dann zu einem Zinssatz von fünf Prozent angelegt. Will jemand aussteigen, kriegt er seine Einlage zurück, verspricht Huber.

Männer haben 10-Prozent-Hürde

Auch Männer können sich mit ihrem Geldbeutel engagieren - sowohl als Aktionär wie auch als Kunde, allerdings nur bis zu einem Anteil von zehn Prozent am Grundkapital respektive Kundenstamm. Die bundesweite Sammelaktion läuft bereits auf Hochtouren. Das Tempo ist enorm: Schon am 1. Februar 2002 soll die Gründungsversammlung sein. Der Notar-Termin steht bereits. Aber erst wenn das Geld beisammen ist, kann Huber die Lizenz beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen beantragen. Und muss dann auf ein Okay warten.

Altersvorsorge für Frauen

Eine Universalbank wird nicht angepeilt, sondern eine kleinere Variante wie sie auch von Finanzdienstleistern praktiziert wird, wie die 41-Jährige betont. Mit Kapitalmarktspekulationen will die zunächst virtuelle Frauenbank nichts zu tun haben. Dafür mit sinnvollem Vermögensaufbau, ökologischen Anlageformen und optimaler Altersvorsorge für Frauen.

Starthilfe für kleinere Projekte

»Wir wollen nicht nur Gelder annehmen und anlegen, sondern auch verleihen«, erläutert Huber das Firmenkonzept weiter. Schließlich wird mittlerweile fast jedes dritte Unternehmen von einer Frau gegründet. »Die meisten Großbanken zögerten aber schon immer, kleinere Projekte durchzuziehen«, berichtet die Münchnerin aus eigener Erfahrung. Sie hat solche Bremsmanöver beim Aufbau ihrer Frauen-Computer-Schule vor über zehn Jahre selbst erleben müssen. Und nun wieder beim Umsetzen von frauenbank.de.

Kleinkredite nach der Scheidung

Interessant will die Münchner Internetbank für Viele werden: Etwa für die Damenwelt, die wegen Scheidung und Trennung in Finanzengpässen steckt, oder Weiterbildung und Studium bezahlen muss. »Wir würden gern Mikrokredite vergeben«, betont Huber, also Beträge zwischen 5.000 und 30.000 Mark, die große Banken meist als unrentabel ablehnen. Milde Gaben darf allerdings niemand erwarten. Auch bei der Frauenbank soll gelten: Kredite gibt es nur gegen ausreichende Sicherheiten. Ob Männer Darlehen erhalten, soll dann ein Kreditausschuss entscheiden.

Sammelaktion ist entscheidend

Ob das Frauenbank-Projekt auf Anklang in der Damenwelt stößt, wird wohl schon die Sammelaktion zeigen. Mut macht der Unternehmerin der einstige Erfolg der Öko-Bank, die sich auf das Vertrauen von 24.000 Aktionären stützen konnte, dann aber jahrelang vergeblich auf die Lizenz wartete und scheiterte. Für den Fall, dass ihr »Baby« nicht auf die Beine kommt, scheint sie gerüstet: »Ich habe keine Angst davor zu sagen: Ich habe mich geirrt«.

Berrit Gräber

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