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Bankfabriken: So kommt das Geld aufs Konto

Um 5.30 Uhr morgens beginnt in der "Bankfabrik" der Postbank die Arbeit. Etwa 75.000 bis 150.000 Zahlungsbelege werden dort pro Tag bearbeitet - auch für andere Banken.

Blitzschnell überfliegen die Frauen die Überweisungen, die sich vor ihnen zu kleinen Stapeln aufhäufen. Haben sich Tippfehler eingeschlichen? Ist die Bankverbindung gut sichtbar? In der "Bankfabrik" der Postbank herrscht seit 5.30 Uhr Hochbetrieb. Seit den frühen Morgenstunden werden unzählige dunkelblaue Taschen mit Überweisungen und Lastschriften in das Dokumenten-Management-Center in die Frankfurter Postbank-Niederlassung gebracht. Sie werden dort sortiert, geprüft und anschließend gebucht.

Sechs Milliarden Transaktionen im Jahr

Seit 2004 wickelt die Postbank nicht nur ihren eigenen, sondern auch den Großteil des Zahlungsverkehrs für die Dresdner und die Deutsche Bank ab. Demnächst soll auch noch die Hypo-Vereinsbank dazukommen. Die Postbank hat dazu die Tochtergesellschaft "Betriebs-Center für Banken Deutschland" gegründet und bearbeitet mittlerweile mehr als sechs Milliarden Transaktionen im Jahr. "Wegen der großen Menge bearbeiten wir den Zahlungsverkehr günstiger als die Banken selbst, und können mit besseren Maschinen und spezialisiertem Personal arbeiten", sagt Sprecher Hartmut Schlegel.

Es herrscht Ruhe an dem Umschlagplatz für Millionen von Euro, den die rund 360 Mitarbeiter in Frankfurt liebevoll "Bankfabrik" nennen. Nur der Scanner summt im Sekundentakt, während die losen Blätter über den grünen Lichtstrahl geschoben und schließlich von einer Mitarbeiterin in eine rote Ablagebox sortiert werden. Kleine Zahlen erscheinen auf dem Bildschirm, sobald die nächste Überweisung erfolgreich vom Rechner registriert wird. 16.000 Mal rattert das Gerät in der Stunde. "Pro Tag werden hier etwa 75.000 bis 150.000 Belege eingescannt", erklärt Albert Lechner, Bereichsleiter für den Zahlungsverkehr im Euroland. Dies seien jedoch nur etwa 2,5 Prozent des ganzen Volumens, das täglich in Frankfurt bearbeitet wird. "Der Rest läuft beleglos."

Problematisch ist oft der Verwendungszweck

Eine Treppe höher reiht sich in einem weiteren Raum ein Computer an den anderen. Dort, in der Korrektur, überarbeiten die Postbank-Angestellten höchst konzentriert nicht lesbare Belege, die automatisch an sie weitergeleitet werden. "Die meiste Arbeit bereitet der Verwendungszweck", erzählt Lechner. Viele Kunden schrieben außerhalb der vorgesehenen Felder oder in einer individuellen Fließschrift, die schlecht zu entziffern sei.

"Mit der Zeit wird man aber sensibler für die verschiedenen Handschriften", sagt eine 53-jährige Mitarbeiterin. Sie arbeitet schon seit 34 Jahren bei der Postbank. Und im schlimmsten Falle, wenn selbst die Expertin versagt, geht das Formular zurück zur Bank. In der Regel müssen mindestens 30 Prozent der ankommenden Belege von den Mitarbeitern des Korrekturbüros überarbeitet werden.

Kein Billigprozess

An einem weiteren Sonderplatz vergleichen zwei Experten die Unterschriften auf den Schecks mit einer Kunden-Datenbank, die von der jeweiligen Bank zuvor eingereicht wurde. Eine manuelle Prüfung durch das menschliche Auge sei zuverlässiger als ein elektronisches Programm. "Die Mitarbeiter können auch Schriftzüge zuordnen, wenn eine Unterschrift mal abweichen sollte", sagt Lechner. Einige Türen weiter werden im Leitstand alle Prozesse des Zahlungsverkehrs überwacht und koordiniert. Drei Mitarbeiter verfolgen konzentriert alle Transaktionen, die vor ihren Augen auf überdimensionalen Leinwänden zusammenlaufen.

Mario Daberkow, Generalbevollmächtigter für das Ressort "Services", ist überzeugt, dass in der gebündelten Zahlungsabwicklung der Postbank die Zukunft liegt. "Es ist kein Billigprozess, sondern eine hochwertige Dienstleistung." In Deutschland gebe es keinen vergleichbaren Anbieter für eine ausgelagerte Abwicklung von Transaktionen.

Daria Polasik/DPA / DPA