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Börsengang: Daumen hoch bei der Postbank

An Pleiten und Pannen hatte es in der Vorbereitungsphase des ersten großen Börsengangs seit drei Jahren nicht gemangelt. Doch Mittwoch Vormittag war dann alles vorbei: Mit einem ersten Kurs von 29 Euro war die Aktie endlich im Handel.

Auf dem Parkett der Frankfurter Börse herrschte ein Gedränge wie schon seit Jahren nicht mehr. Und auch Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann und Post-Chef Klaus Zumwinkel stand die Spannung ins Gesicht geschrieben, als sie wenige Minuten vor Bekanntgabe des ersten Kurses der Postbank-Aktie am Mittwoch in den Handelssaal kamen.

Pech und Pannen

An Pleiten und Pannen hatte es in der Vorbereitungsphase des ersten großen Börsengangs seit drei Jahren nicht gemangelt. Nachdem sich zunächst hartnäckig Gerüchte hielten, die Deutsche Bank wolle die Postbank übernehmen, war auch noch ein Papier des deutschen Branchenprimus durchgesickert, in dem die Postbank deutlich geringer bewertet wurde als zunächst veranschlagt.

Was folgte war ein schier endloses Tauziehen um den Ausgabepreis. Nachdem bei der ersten Preisspanne zwischen 31,50 und 36,50 Euro die Nachfrage nur sehr zäh anlief und sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren mit dem Zeichnen der Aktie zögerten, hatte die Post am Wochenende die Notbremse gezogen: Sie senkte die Preisspanne deutlich auf 28 bis 32 Euro, verringerte die Zahl der direkt zum Verkauf stehende Aktien und verschob den Börsengang kurzentschlossen um zwei Tage.

Fast gescheitert

Schließlich galt es das Schicksal abzuwenden, dass in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Börsenkandidaten ereilt hatte - ein Scheitern fast auf der Ziellinie. Am Ende hörten die Verantwortlichen bei Post und ihrer Bank-Tochter jedoch auf die Stimme des Marktes und senkten den Preis deutlich ab, worauf die Aktie mehr als zweifach überzeichnet wurde. Auch das Modell einer Umtauschanleihe, die nur an institutionelle Investoren ausgegeben wurde, stieß auf reges Interesse. Sie sei vierfach überzeichnet worden, teilte das Unternehmen mit.

Der vergangene Ärger schien schließlich vergessen, als gegen kurz vor halb zehn der erste Kurs der Aktie feststand: 29 Euro - das Aufatmen war nicht zu überhören. Und beim Fototermin auf dem Börsenvorplatz, als Schimmelmann und Zumwinkel mit erhobenen Daumen posierten, riss dann auch der Himmel auf - und die Sonne ließ sich kurz blicken.

"Ende gut, alles gut"

"Ende gut und wirklich alles gut", kommentierte Zumwinkel den erfolgreichen Börsengang. "Der Markt hat heute bei der Postbank-Aktie den Daumen nach oben gemacht". Und auch Postbank-Chef von Schimmelmann zeigte sich zufrieden, "dass es am Ende so gut ausgegangen ist". Mit 28,50 Euro hatte der Ausgabepreis eher am unteren Ende der Spanne gelegen. Man habe "den Markt bewusst nicht ausgereizt", sagte Zumwinkel. Der faire Marktwert liege jedoch noch ein Stück darüber. Man habe bewusst einen Preis angesetzt, der "Spielraum nach oben" lasse, meinte er. Und fügte hinzu: "Wir schauen in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit".

Ein Kursfeuerwerk blieb in den ersten Stunden nach dem Börsengang allerdings wie erwartet aus. Am frühen Nachmittag notierte die Aktie bei 28,96 Euro - knapp unter dem ersten Kurs. Und eher ruhig wird es nach Einschätzung von Börsenexperten bei dem Papier auch erst einmal bleiben. Er gehe davon aus, dass sich die Aktie dem Gesamtmarkt anpasse, sagte ein Händler. Schon auf Grund des Volumens sei davon auszugehen, dass sich der Kurs eher träge entwickele.

Auch auf dem Parkett war längst wieder Ruhe eingekehrt, als Post und Postbank noch in der oberen Etage noch mit Sekt und Schnittchen ihr "Listing-Event" feierten. Auch Postbank-Chef Schimmelmann freute sich nach der ganzen Aufregung wieder auf die ganz normale Arbeit. "Ab heute Mittag können wir uns endlich wieder ganz aufs Geschäft konzentrieren."

Mirjam Söchtig, AP / AP / DPA