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Edelmetall: Gold ist wieder begehrte Geldanlage

Jahrelang fristete Gold bei Banken und Anlegern ein Mauerblümchendasein. In den 90ern galt das gelbe Edelmetall als fantasielos, renditeschwach und altbacken - Aktien waren hip. Jetzt ist es anders.

Der Goldpreis war im Keller. Seit einiger Zeit läuft es jedoch umgekehrt. Gold als Investment ist plötzlich wieder begehrt, eine Reihe von Banken hat neue Gold-Produkte aufgelegt. "Gold erlebt eine Renaissance", sagt der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise. "Es ist eine Krisenwährung, und in der derzeitigen Krise flüchten sich die Menschen in die sichere Anlage."

Terrorwarnung macht Gold attraktiv

Die Goldhausse erklären Experten mit den Problemen der globalen Finanzmärkte. Geringes Wachstum, die verschuldeten Haushalte in den USA und Europa sowie Probleme bei Banken und Versicherungen machen Gold attraktiv. Der Aktien-Crash und die Terrorangst seit den Anschlägen vom 11. September 2001 lassen Anleger verstärkt zu dem schimmernden Edelmetall greifen. Die vom hohen Ölpreis geschürte Unsicherheit an den Börsen verstärkt den Trend.

Als Folge ist der Goldpreis immer mehr gestiegen. Kostete eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) 1999 noch 250 US-Dollar, kletterte der Kurs Anfang 2004 auf 420 Dollar. Belastet durch Gewinnmitnahmen liegt er derzeit knapp unter 400 Dollar. Das sei aber nur ein kurzfristiger Durchhänger, sagen Analysten. "Bis Jahresende werden die Preise auf 450 Dollar anziehen. 2006 kann ich mir einen Preis von 600 Dollar vorstellen", sagt der Rohstoffexperte der Baden-Württembergischen Bank, Markus Mezger.

Gold als Inflationsversicherung

Seine Begründung lautet: "Gold spielt im Finanzwesen die Rolle einer Inflationsversicherung." Die meisten Analysten erwarten in diesem Jahr steigende Teuerungsraten in Europa und den USA. Aus Inflationsangst flüchteten viele Anleger ins sichere Gold. Zudem soll die Talfahrt des Dollar andauern. Die Faustregel lautet: Geht der Dollar in die Knie, glänzt Gold. Da die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau halten, wird Gold wieder interessant.

Anleger sollten sich von den glänzenden Aussichten für die Kursentwicklung aber nicht blenden lassen: "Man muss sehr vorsichtig sein", sagt die Volkswirtin der Deka-Bank, Sandra Ebner. "Der Preisanstieg war nur gemessen in US-Dollar zu sehen." In Euro blieb der Goldpreis dagegen nahezu konstant, weil der Dollar gegenüber dem Euro so stark abwertete. Europäische Anleger gewannen 2003 nur knapp 4 Prozent, wenn sie Gold in den Tresor legten.

Lieber Zertifikate als Barren

Eines hingegen ist sicher: Gold erhält den Wert und verliert keine Kaufkraft. "Mit einer Unze Gold kann man sich zu jeder Zeit einen guten Anzug kaufen", sagt Experte Mezger. Die Banken empfehlen Anlegern grundsätzlich, Gold zur breiteren Risikostreuung ihrem Portfolio beizumischen. "Der Anteil von Gold am Depot sollte fünf bis zehn Prozent betragen", sagt der Zertifikate-Experte Heiko Weyand vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt. Kaum ein Kunde kaufe jedoch Barren oder Münzen wie den südafrikanischen Krügerrand oder den US-Eagle - physisches Gold wirft keine Zinsen ab.

Die große Mehrheit - etwa 90 Prozent der an Gold interessierten Kunden - investieren nach Weyands Erfahrung in Wertpapiere, die Zertifikate. Das gelte für Jung und Alt. Zertifikate entwickeln sich wie der Goldpreis und sind inzwischen in vielen Banken erhältlich. "Sie haben einen Mindestzins sowie eine Kapitalgarantie und bieten eine Absicherung gegen Währungsrisiken", zählt der Experte die Vorteile auf. Hoch spekulativ seien dagegen Optionsscheine sowie Minenaktien. Deren Kurse entwickeln sich parallel zum Metallpreis, allerdings mit höheren Ausschlägen - der Kunde gewinnt oder verliert überproportional.

"Zusätzliches Bonbon"

"Das ist nur etwas für Kenner", sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Hessen. Der Finanzexperte hält grundsätzlich nicht viel von Gold und empfiehlt es Ratsuchenden nur als "zuätzliches Bonbon" bei der Geldanlage. "Gold ist schön anzuschauen, aber man kann damit nicht planen und es ist nichts für die Altersvorsorge."

Marion Trimborn, dpa / DPA
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