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Geld: Falsche Blütenpracht

Das Gewerbe der Geldfälscher blüht, nachgemachte Noten sollen selbst in Bankautomaten stecken. Welche Chance aber haben Verbraucher, wenn sie sich Blüten ziehen?

Erst Ende März haben sich Europäische Zentralbank und Interpol darauf verständigt, im Kampf gegen Geldfälscher künftig enger zusammenarbeiten zu wollen. Die Kooperation scheint nötig zu sein, denn jetzt bekannt wurde, mehren sich die Fälle, in denen Blüten aus Bankautomaten ausgegeben worden sollen sein.

Auch die Bundesbank ist darüber informiert und ermittelt seit Mitte April. Einen Beweis, dass die Blüten tatsächlich aus den beschuldigten Geldautomaten stammen, konnte sie bislang jedoch finden. "Im Grunde können sich die Verbraucher aber sicher sein, dass sie an den Automaten von uns geprüftes Geld erhalten", sagt Dierk Dominicus von der Falschgeld-Stelle der Bundesbank. Voraussetzung sei natürlich, dass sich die Banken an eine entsprechende Vereinbarung von 1993 hielten, die die Geldinstitute verpflichtet, ihre elektronischen Schalter nur mit garantiert echten Scheinen zu bestücken, so der Blüten-Experte.

Falschgeld-Risiko ist verschwindend gering

Hundertprozentig dafür Bürgen kann die Bundesbank natürlich nicht, zumal die Landeskriminalämter Bayern und Nordrhein-Westfalen einige schwarze Schafe ausgemacht haben wollen, die sich eben nicht an diese Vereinbarung halten. Aber, wie gesagt, einen Beweis dafür gibt es nicht. Auch die Behörden stufen die Blütengefahr niedrig ein: "Das Risiko, an Geldautomaten Falschgeld zu bekommen, ist verschwindend gering", so Udo Bühler, Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes.

"Das grundlegende Problem ist sowieso die Beweislast", sagt der Hamburger Verbraucherschützer Günter Hörmann. Denn die Kunden müssten nachweisen, dass sie tatsächlich mutmaßlich falsche Scheine aus dem Automaten gezogen haben. "Damit ihnen das die Bank glaubt, bräuchten sie eigentlich zwei, drei unabhängige Zeugen, die gesehen haben, wie sie diese Noten ausgezahlt bekommen haben", so Hörmann.

Pflicht der Banken, echtes Geld zu verteilen

Bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) vertraut man in solchen Fällen auf die Technik. Unmöglich sei es zum einen, dass Falschgeld überhaupt in die Maschinen komme, wie Haspa-Sprecherin Sigrid Kaiser sagt, die Bank verwende ausschließlich Bundesbank-geprüfte Noten. Zum anderen werde jede Transaktion videoüberwacht und auf einem Extra-Drucker protokolliert. Das ist das bekannte Rattern beim Geldabheben.

Wer sich darauf nicht verlassen mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als die sechs Sicherheitsmerkmale der Euro-Scheine einzeln zu prüfen. Eigentlich unzumutbar, wie Hörmann von der Verbraucherzentrale findet, schließlich sei es die "selbstverständliche Pflicht und Schuldigkeit der Banken, echtes Geld unter das Volk zu bringen", so Hörmann. Bei Zweifeln rät er wie Sigrid Kaiser dazu, sich sofort an einen Bankangestellten zu wenden, um die Bedenken zu melden. Doch das grundlegende Problem bleibt: die Beweislast. Und wer Pech hat, ist sein Geld eben los.