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Geldanlage: Die Deutschen lieben ihr Sparbuch

Die Deutschen haben ihr Erspartes gerne handfest. Auf dickes Papier gedruckt und fest vernäht zählt das Sparbuch unverändert zu den beliebtesten Formen der Geldanlage.

Selbst in Zeiten von Online-Banking und Tagesgeld liegt in vielen Haushalten das Geld buchstäblich auf der hohen Kante - auf dem Sparbuch. "Das hat psychologische Ursachen", weiß Bernd Schwiedernoch, Geschäftsführer von Schleicher & Schuell Security Printing. In einem abgeriegelten Gebäude im niedersächsischen Einbeck stellt der Spezialist für Sicherheitsdruck jedes zweite Sparbuch deutscher Banken und Sparkassen her.

Lieber etwas Handfestes

Während der Euro-Umstellung produzierte Schleicher & Schuell täglich rund 75.000 Sparbücher, heute sind es noch rund 25.000. "Europäische Nachbarländer stellen zunehmend auf computerlesbare Sparkarten um. Aber die Deutschen wollen ihr Guthaben schwarz auf weiß sehen und das Buch anfassen", sagt Schwiedernoch. Viele Bücher würden als Mietkaution hinterlegt oder von Großeltern für ihr Enkelkind eröffnet.

Individuelle Sparbücher im Trend

Sparbücher werden bunter und immer edler gestaltet. Dominierte in der Nachkriegszeit noch Grau mit Adler-Stempel, liegen heute farbige Stadtwappen oder Bilder lokaler Künstler im Trend. Vor allem kleinere Geldinstitute legen Wert auf ein individuelles Sparbuch mit Prägungen und griffigen Umschlägen. Auch der Inhalt ändert sich: Die Banken bieten neben dem dürftig verzinsten Klassiker neue Produkte wie "Dax-Sparbuch", "Geldmarkt-Konto" oder "Sparbuch Gold" an.

Gelten wir bares Geld

Schleicher & Schuell fertigt rund 50 verschiedene Sparbuch-Modelle, druckt außerdem Aktien, Pässe und Fahrkarten. Hinter einer sieben Tonnen schweren Stahltür im 1.000 Quadratmeter großen Tresor des Unternehmens lagern Werte in dreistelliger Millionenhöhe. Sparbücher sind bares Geld wert und gelten trotzdem als besonders sicher.

Kaum Fälschungen

"Sparbücher zu fälschen lohnt nicht - der Aufwand ist zu groß", weiß Bernd Schwiedernoch. Dazu tragen zum Beispiel die so genannten Guillochen bei. Das sind feine, farbige Linienmuster auf dem Papier, die Fotokopien verhindern. Dazu kommen Wasserzeichen und ein Sicherheitsfaden, mit dem jedes Buch in der Mitte vernäht wird.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt

Rund 69 Millionen Sparbücher hielten allein die Sparkassenkunden Ende 2002, Tendenz steigend. "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten geht der Trend zu sicheren Anlagen", fand der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) heraus. Beliebt ist das Guthaben zum Anfassen vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Nach Angaben der Postbank legen mehr als die Hälfte der Kids ihr Erspartes am liebsten auf dem Sparbuch an, das damit weit vor Sparschwein und Girokonto rangiert. Die Banken haben die junge Zielgruppe längst entdeckt: Schon in den 80er Jahren kam das "Jeans-Sparbuch", und inzwischen fehlt sogar das "Baby-Sparbuch" für die kleinsten Kunden nicht.

Christoph Windscheif / DPA
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