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Keine Lust zu sparen: Deutsche geben ihr Geld lieber aus

Wegen niedriger Leitzinsen investieren die Deutschen ihr Geld lieber, anstatt es auf dem Sparbuch zu parken. Auch das schlechte Image der Bankenbranche ist ein Grund für diesen Trend.

Wegen der niedrigen Zinsen halten nach Erkenntnissen von Konsumforschern immer weniger Menschen Sparen für sinnvoll. "Die Sparneigung der deutschen Verbraucher befindet sich im freien Fall und ist im Januar abermals auf den niedrigsten Wert seit der deutschen Wiedervereinigung gesunken", sagte Rolf Bürkl von der #linkhttp://www.gfk.com/de/Seiten/default.aspx;Gesellschaft für Konsumforschung# (GFK). Im Januar hatte der monatlich ermittelte Index bei minus 49 Punkten gelegen. Die Sparneigung habe damit selbst die Rekordtiefstände der beiden vorangegangenen Monate noch unterschritten, sagte Bürkl. Die GFK will an diesem Mittwoch ihre Daten zum aktuellen Konsumklima veröffentlichen.

In diesem Zusammenhang sei die jüngste Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins weiter bei 0,25 Prozent belassen, "geradezu Gift für die Sparneigung der Verbraucher", sagte Bürkl. Hinzukomme, dass das Vertrauen der Verbraucher in die Finanzmärkte nach der Finanzkrise der vergangenen Jahre "noch nicht vollständig hergestellt ist" und sie daher immer noch mit Geldanlagen zögerten.

Dagegen ist die Kauflaune der Deutschen dank guter Konjunktur- und Einkommensaussichten so gut wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Das für Februar berechnete GfK-Konsumbarometer kletterte überraschend um 0,5 auf 8,2 Punkte. "Damit zeichnet sich bereits zu Jahresbeginn ab, dass der Konsum auch 2014 einen wichtigen Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum leisten wird", so Bürkl. 2013 waren die privaten Konsumausgaben um 0,9 Prozent gestiegen und damit mehr als doppelt so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt mit 0,4 Prozent. Für das laufende Jahr hält die GfK sogar ein noch größeres Plus für möglich.

Positiver Ausblick auf Arbeitsverhältnisse

Viele Verbraucher steckten ihr Geld lieber in Immobilien, Autos, Möbel und Smartphones oder leisteten sich einen teuren Urlaub, statt ihr Geld auf Tages- oder Festgeldkonten anzulegen, berichtete Bürkl. Auch Anbieter von Wellness-Angeboten profitierten inzwischen vom Trend, Geld lieber auszugeben als zu sparen.

Die Konjunkturaussichten bewerten die Deutschen bereits den fünften Monat in Folge besser. "Die Bundesbürger sehen die deutsche Wirtschaft derzeit klar im Aufschwung", sagte Bürkl. Experten rechnen 2014 mit einem Wachstum von bis zu zwei Prozent. Die eigenen Einkommensperspektiven schätzen die Verbraucher deshalb so gut ein wie seit 13 Jahren nicht mehr - zumal die Rekordbeschäftigung Raum für steigende Löhne bietet, während die niedrige Inflation einen Zuwachs der realen Kaufkraft ermöglicht.

ono/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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