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Geldanlage: Sparen bringt jetzt mehr

Bundesschatzbriefe erleben derzeit eine Renaissance. Denn nach dem Ende der Zinsflaute schwingen sie sich zu Höhenflügen auf.

Geld auszuleihen wird in den kommenden Monaten spürbar teurer werden. Dieses Signal gibt die europäische Zentralbank derzeit an Banken, Börsen und Konsumenten. Auch nach der vierten Zinserhöhung in Folge auf nun drei Prozent wird der Leitzins weiter klettern. Der Leitzins ist der Preis, den Banken und Sparkassen für Geld zahlen müssen, das sie sich von der Notenbank ausleihen. Und wenn der steigt, dann geben Banken diese höheren Kosten erfahrungsgemäß ganz schnell an die Kunden weiter.

Leitzinserhöhung gibt den Trend vor

"Nach einer Entscheidung der EZB warten die Banken erstmal ab und freuen sich über ihre höhere Marge", sagt Karsten Junius, Volkswirt der DekaBank. "Die Preisgestaltung hängt aber nicht nur von der EZB ab - entscheidend ist die Konkurrenzsituation am Markt." Denn die Banken greifen nicht alleine auf die EZB zurück, um sich den Rohstoff Geld zu beschaffen. Sie leihen sich das benötigte Geld auch bei anderen Finanzinstituten und von ihren Kunden aus. Die Leitzinserhöhung gibt daher nur den Trend vor.

Die konjunkturelle Lage ist entscheidend: Als die Notenbank Anfang Dezember vergangenen Jahres zum ersten Mal nach fünf Jahren den Schlüsselzins wieder anhob, reagierte die Kreditwirtschaft bei kurzfristigen Konsumentenkrediten und Dispos für Fernseher, Autos und Handys zurückhaltend. Man wollte sich das lukrative Weihnachtsgeschäft nicht kaputt machen lassen. Erst im Januar stiegen die Preise für geliehenes Geld - dann aber drastisch.

Kunden sollen sich nicht alles gefallen lassen

Verbraucherschützer kritisieren das Vorgehen der Banken und Sparkassen als Strategie der Gewinnmaximierung. "Die Banken legen nach Gutsherrenart die Zinsen fest", sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Nach Entscheidung der Gerichte dürften Banken bei Sparanlagen mit variablem Zins Leitzinserhöhungen aber nicht ignorieren. "Nach der Rechtsprechung steht das keineswegs im Belieben der Bank. Notfalls muss der Kunde sein Recht einklagen."

Bei der Baufinanzierung rechnen die Experten trotz der noch zu erwartenden Leitzinsanhebungen nicht mit steigenden Zinsen. Hypothekendarlehen orientieren sich am Markt und liegen derzeit bei zehnjähriger Bindung und zwei Prozent Tilgung bei etwas mehr als vier Prozent. "Der Zinsen sind nach wie vor günstig. Der Zeitpunkt für Bauen und Kaufen war selten besser als jetzt", sagt der Immobilienexperte der Dresdner Bank, Thomas Beyerle.

Die Rendite stimmt

Des einen Leid, des anderen Freud: Werden Kreditzinsen teurer, steigen die Sparzinsen - wenn auch deutlich langsamer. Eine Anlageform, die bislang bombensicheren Bundesschatzbriefe, profitieren davon jetzt besonders stark: Die Staatsverschuldungen waren bislang eine zwar sichere, aber nicht besonders renditestarke Anlage. Das ändert sich gerade: Schatzbriefe vom Typ A mit einer Laufzeit von sechs Jahre erwirtschaften aktuell eine Rendite von 3,54 Prozent. Die vom Typ B mit einer Laufzeit von sieben Jahren bringen ihrem Besitzer sogar 3,75 Prozent. Wer Papiere vom Typ A kauft, bekommt die Zinsen jährlich ausgezahlt, beim Typ B werden sie automatisch wieder angelegt.

Wächst die Wirtschaft weiter wie prognostiziert, steht einem weiteren Zinsaufschwung nichts im Weg. Der Bundesverband deutscher Banken rät daher, ältere Papiere eventuell zurückzugeben - der Sparer erhält auch vor Laufzeitende den vollen Anlagebetrag zurück - denn die aktuellen "Schätzchen" bringen deutlich mehr als frühere Emissionen.

es mit dpa/ots
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