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Geldverleih: Betrug auf Raten

Mit immer durchtriebeneren Methoden locken Kredithaie Kunden an. Viele Verbraucher fallen drauf rein.

Matthias Herzog, 25, staunte. "Monsieur Pascal Hydé" aus Frankreich bot ihm einen Kredit zum Traumzinssatz von zwei Prozent. Alles ganz seriös, versteht sich, "keinerlei versteckte Kosten, Gebühren, Provisionen oder ähnliches". Nur eine "Sicherheitseinlage" sei im Voraus zu bezahlen.

"Besser als Bafög", dachte der Medizinstudent aus Bruchsal und füllte den Antrag für einen 100 000-Euro-Kredit aus. Danach ging alles fix. Herzog überwies 17 500 Euro Erspartes an einen deutschen Kollegen von Hydé. Wenig später wurde ihm mitgeteilt, der Kollege habe das Geld unterschlagen, weshalb Herzog nochmals 8500 Euro überweisen müsse. "Und ich war so blöd, das zu machen", sagt der Student. Auf den Kredit wartet er bis heute.

Dass den Versprechungen von "Monsieur Hydé" und ähnlichen Anbietern bedenkenlos geglaubt wird, ist für Schuldnerberater Christian Maltry vor allem die Folge eines "raffinierten Systems von Halbwahrheiten". Ein paar Vokabeln aus der Finanzwelt, ein paar Informationen im Internet, "schon glaubt man auch den Rest der Geschichte". Hinzu kommen oft akute finanzielle Schwierigkeiten. "Wenn die Hausbank keinen Kredit mehr gibt, wirken solche Angebote wie ein Rettungsanker." Schätzungen gehen von mittlerweile 3,6 Millionen überschuldeten Haushalten in Deutschland aus - ein Wachstumsmarkt für Betrüger.

Mit Kleinanzeigen in Zeitungen und im Internet fangen sich die Kreditbetrüger ihre Kunden. "Zins- und tilgungsfreie Darlehen" werden dort reihenweise angeboten. Bargeld gibt es "per Post" und "im Handumdrehen". Kredite "für Sozialhilfeempfänger" und "ohne Schufa-Auskunft"- kein Problem. Das Bundeskriminalamt hat ermittelt, dass 14 Prozent solcher Inserenten bereits "wegen Kreditvermittlungsbetruges und 60 Prozent wegen sonstiger Straftaten" in Erscheinung getreten sind.

Geld wird so gut wie nie ausgezahlt. Oft müssen die Kreditunterlagen über teure Internetdialer und Telefonhotlines angefordert werden. Beliebt ist auch die Koppelung von Kredit- und Versicherungsverträgen, nur so gebe es eine gute Bonität. Der Trierer Strafrechtsexperte Hans-Heiner Kühne schätzt, dass mit solchen Tricks jährlich "Hunderte Millionen Euro verdient" werden.

Es geht noch dreister.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte 34 Ermittler mobilisiert, um der Firma Evantus einen Hausbesuch abzustatten. Evantus, nach eigener Darstellung ein "millionenschwerer Konzern" und bundesweit operierender Kreditvermittler, residierte bescheiden - in einem Dentallabor im brandenburgischen Hennigsdorf.

Nicht nur der Firmensitz erwies sich als dubios. Evantus-Kunden sollten zehn Prozent des gewünschten Kredits als Eigenkapital hinterlegen. Danach seien weder Zinsen noch Gebühren fällig. Nicht einmal das Darlehen selbst müsse zurückgezahlt werden. Also 100 000 für eine Einzahlung von 10 000 Euro. Der Haken am Wunderkredit: Er wurde nie ausgezahlt. Und das Geld der Anleger ist weg.

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