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Gesellschaft: Der reichste Schweizer ist ein Schwede

Die Superreichen in der Schweiz sind im vergangenen Jahr noch reicher geworden und leben einer aktuellen Erhebung zufolge zumeist am Genfer See. Jeder fünfte Milliardär ist ein Deutscher.

Der reichste Mann der Schweiz bleibt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad (77) mit einem geschätzten Vermögen von 15 bis 16 Milliarden Franken (9,8 bis 10,5 Milliarden Euro), wie aus der neuesten Statistik des Schweizer Wirtschaftsmagazins "Bilanz" hervorgeht, die am Dienstag veröffentlich wurde. Insgesamt lebten 300 Superreiche in der Schweiz. Laut "Bilanz" besitzen sie zusammen 369 Milliarden Franken Vermögen, jeder erfreut sich also an durchschnittlich 1230 Millionen. Das sind 17 Milliarden oder rund fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Allein die zehn Reichsten kommen auf ein Gesamtvermögen von 70 Milliarden Franken. Hinter Kamprad folgen die Besitzer des schwedischen Konzerns Tetra Pak, die Familie Rausing (14-15 Milliarden). Platz drei belegen die Erbenfamilien des Pharmakonzerns Roche, Oeri und Hoffmann (12 bis 13 Milliarden). Fast jeder zweite der 300 Reichsten ist ein zugezogener Ausländer, was mit den Steuern der Schweiz zu erklären sei, schreibt das Magazin.

Jeder fünfte ist ein Deutscher

Jeder fünfte Superreiche in der Schweiz ist ein Deutscher - wie Milchbaron Theo Müller, Metro-Gründer Otto Beisheim oder Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher. Alle zugezogenen Millionären und Milliardären gelten auch als Steuerasylanten: Pittoreske Landschaften und hochwertige Schokolade mögen ihre Reize haben, Ausländer schätzen aber in erster Linie das hochbekömmliche Steuerklima. Die zehn Reichsten setzen sich aus fünf Einheimischen und fünf Zugezogenen zusammen.

Reichste Frau ist Brauerei-Erbin Charlene de Carvalho-Heineken (5 bis 6 Milliarden). Formel-1-Star Michael Schumacher schlägt mit 800 bis 900 Millionen Franken zu Buche. Weitere "Zugereiste" sind die Familie Peugeot oder die Wella-Erben Sylvia Ströher und Erika Pohl. Größter Absteiger ist der frühere Lego-Chef Kjeld Kirk Kristiansen, der wegen der Krise beim Spielklötzchen-Hersteller 1,8 Milliarden Franken an Vermögen verlor. Jeder zweite Superreiche wohnt in den Kantonen Waadt oder Genf am Genfer See.

Keine prominenten Zuzügler

Der noch im Vorjahr zu beobachtende, für dicke Schlagzeilen sorgende Zuzug hochbegüterter Ausländer wie derjenige des deutschen Milchbarons Theo Müller oder jener des gebürtigen Arabers und Möchtegern-Briten Mohammed Al-Fayed, Besitzer des Londoner Kaufhauses Harrods und des Pariser Nobelhotels Ritz, ist für diesmal ausgeblieben.

Interessant dabei, dass die Reichen in den vergangenen eineinhalb Dekaden ungefähr doppelt so reich wurden wie 1989, bei der ersten derartigen Erhebung von "Bilanz". Dabei hat sich der Reichtum zunehmend in den Händen weniger konzentriert.

Börsenboom verschaffte Rückenwind

Als Grund für den kraftvollen Einkommensschub macht das Magazin die Aktienhausse in den Neunzigerjahren aus, als der Schweizer Aktienindex SPI um rund 400 Prozent nach oben schnellte. In den folgenden Jahren knabberten natürlich Kurseinbrüche und Konjuntkureflaute an deren Konten, aber es blieb immer noch genug Substanz übrig. Würde das aktuelle Vermögen der reichsten Schweizer auf die gesamte Bevölkerung verteilt, wäre jeder Bürger auf einen Schlag um gute 50.000 Franken (knapp 33.000 Euro) reicher.

(spi, mit Agenturen)