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Handel: Betrug mit EC-Karten nimmt zu

Bereits im Vorjahr stiegen die Betrugsfälle bei EC-Lastschriftverfahren laut Kriminalstatistik bundesweit um knapp 60 Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar um mehr als 90 Prozent. Auch in diesem Jahr sind die Zahlen alarmierend.

Angesichts wachsender Missbrauchsfälle mit EC-Karten fordert Nordrhein-Westfalen sicherere Zahlungsverfahren. Innenminister Fritz Behrens forderte am Dienstag, Einzelhandel und Kreditwirtschaft müssten gemeinsam eine schnelle Lösung finden. Nach Angaben des Düsseldorfer Innenministeriums stieg die Zahl der Betrugsfälle in Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr 2004 um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Kriminologen rechneten mit ähnlichen Zahlen in den anderen Ländern.

Zahlung mit PIN-Nummer ist sicherer

Bereits im Vorjahr waren die Betrugsfälle bei EC-Lastschriftverfahren laut Polizeilicher Kriminalstatistik bundesweit um knapp 60 Prozent gestiegen, in Nordrhein-Westfalen sogar um mehr als 90 Prozent. Bei Zahlungen mit EC-Karte und PIN-Nummer sowie mit Kreditkarten gab es dagegen Rückgänge. Der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, meinte es sei ein "offenes Geheimnis", dass die Betrugszahlen weiter stiegen.

Experten kritisieren seit längerem, dass die Lastschriftverfahren, bei denen der Kunde lediglich seine Unterschrift leistet, zu unsicher sind. Die Innenminister der Länder möchten den Einzelhandel dazu bewegen, auf Systeme mit PIN-Eingabe (das so genannte EC-Cash) umzusteigen. Dazu soll es angeblich bald ein Spitzentreffen mit Bundesinnenminister Otto Schily geben.

Sicheres Verfahren ist deutlich teurer - für den Handel

Der Handelsverband BAG lehnt eine solche Umstellung ab. BAG-Hauptgeschäftsführer Johann Hellwege sagte, man mache mit den Lastschriftverfahren außerordentlich gute Erfahrungen. Auch bei den Kunden komme das System gut an. "Wenn es dramatische Probleme gäbe, hätten wir längst gehandelt", betonte Hellwege. Der BAG-Hauptgeschäftsführer betonte, die Systeme mit PIN-Eingabe hätten entschieden zu hohe Gebühren. Beim EC-Cash-System verlangen die Banken in der Regel eine Kommission von 0,3 Prozent des Umsatzes. Hellwege forderte, die Kreditwirtschaft solle ihre Gebührenstruktur offen legen, um zu klären, ob sich die Banken an den Kosten beteiligten.

Behrens räumte ein, dass dieses Verfahren für viele Einzelhändler zu teuer sei. Er sei aber mit Handelsorganisationen und Banken im Gespräch und zuversichtlich, dass eine vernünftige Lösung gefunden werde, fügte der SPD-Politiker hinzu. (AP)

DPA