Haute Couture Das Sterben der großen Modehäuser


Nach dem Rücktritt von Yves Saint Laurent gibt es nur noch elf Pariser Modehäuser, welche die strengen Bedingungen der Handelskammer für Haute Couture erfüllen.

Den großen Namen geht's an den Kragen: Nach dem Rücktritt von Yves Saint Laurent gibt es nur noch elf Pariser Modehäuser, welche die strengen Bedingungen der Handelskammer für Haute Couture erfüllen. Drei davon - Dior, Givenchy und Lacroix - gehören zum Luxuskonzern LVMH. All dies nährt Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der "hohen Modekunst", wie Haute Couture wörtlich übersetzt heißt. Wirtschaftliche Bedeutung hat diese Sparte schon lange nicht mehr: Für viele Modehäuser ist sie ein Zuschussgeschäft; sie halten nur aus Imagegründen daran fest und weil ihnen die Haute Couture bei der Vermarktung ihrer Konfektionsmode und Kosmetikartikel zu gute kommt.

Weltweit nur einige hundert Kundinnen

So wurden nach Schätzung des französischen Industrieministeriums im Jahr 2000 gut 45 Millionen Euro im Haute-Couture-Geschäft umgesetzt - gegenüber 760 Millionen Euro bei Pret-a-porter und Accessoires. Das Geschäft mit Parfüm und Kosmetik kommt noch dazu. Haute-Couture-Kundinnen gibt es demgegenüber weltweit nur ein paar hundert.

Keine Schnäppchen

Ein Haute Couture-Kleid ist ein Kleidungsstück, das es nur einmal gibt. Es wird nach Maß für die Kundin gefertigt, die es bestellt. Ein Abendkleid kann schon einmal 35.000 Euro kosten; junge Designer wie Dominique Sirop oder Frederic Molenac bemühen sich inzwischen, günstigere Stücke von "nur" 10.000 bis 15.000 Euro anzubieten. Große Modehäuser wie Chanel oder Dior, die zum Teil mehr als 100 Angestellte im Bereich Haute Couture haben, können sich solche "Schnäppchen" schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten.

Mittlerweile gelockerte Bestimmungen

Es ist streng geregelt, ob sich ein Designer "Haute-Couturier" nennen darf oder nicht: Entscheidend ist nicht nur die Qualität seiner Arbeit, sondern auch die Größe seines Modehauses. So muss er mindestens 20 Angestellte haben und in der Lage sein, zwei Mal im Jahr eine Haute-Couture-Kollektion zu präsentieren, bei der mindestens 50 Entwürfe vorgeführt werden. Die Handelskammer für Haute Couture hat ihre Bestimmungen in den vergangenen Jahren aber etwas gelockert: Sie lässt unter Umständen Ausnahmen zu und akzeptiert immer häufiger auch so genannte assoziierte Mitglieder, welche die Bedingungen nur zum Teil erfüllen müssen.

DPA

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