Der April ist für viele Landwirte ein arbeitsreicher Monat. Vor allem Aussaat und Düngen stehen auf dem Programm. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch einiges an Diesel für die Traktoren – angesichts der durch den Irankrieg gestiegenen Preise für Kraftstoff und Dünger eine enorme finanzielle Belastung für die Landwirte.
Agrardiesel immer teurer
Sven Borchert, Betriebsleiter einer Landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft in Sachsen-Anhalt, sagte der „Bauernzeitung“ im März: „Im Vorjahr haben wir den Diesel im Schnitt für 1,27 Euro gekauft – heute kostet er 1,75 Euro. Das ist allein beim Diesel eine Mehrbelastung für uns von über 100.000 Euro.“ Inzwischen liegt der Preis für Agrardiesel teilweise über 2,50 Euro pro Liter. Wer also seinen Agrardiesel erst nach Ausbruch des Irankrieges gekauft hat, muss enorme Mehrkosten verkraften.
Entsprechend scharfe Kritik kommt vom Deutschen Bauernverband (DBV): „Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung in Bezug auf die hohen Kraftstoffpreise verfehlen nicht nur ihr Ziel, sie verschlechtern sogar noch die Situation für Verbraucher und Betriebe. Seit der Einführung der neuen Regelungen steigen die Preise nahezu jeden Tag auf neue Rekordhöhen. Stattdessen müssen Verbraucher und Wirtschaft jetzt deutlich entlastet werden“, sagt Joachim Rukwied, Präsident des DBV, laut einer Pressemitteilung.
„Viele Unternehmen – auch außerhalb der Landwirtschaft – haben gar keine Möglichkeiten, ihren Kraftstoffverbrauch weiter zu senken, dahingehende Empfehlungen sind schlichtweg realitätsfern“, so Rukwied. Das derzeitige Prinzip Hoffnung der Bundesregierung sei zu wenig und treibe viele Landwirtschaftsbetriebe in massive Liquiditätsengpässe.
Stickstoffdünger für Landwirte unverzichtbar
Ähnlich stark haben die Preise für Düngemittel angezogen. Denn die Golfregion ist das Zentrum der weltweiten Düngemittelproduktion. Die Blockade der Straße von Hormus verhindert auch den Export von Dünger. Stickstoffdünger habe sich seit Jahresbeginn auf den Weltmärkten um 30 bis 40 Prozent verteuert, sagt Bauernpräsident Rukwied. Die Abgabepreise an deutsche Landwirte lägen mittlerweile bis zu 30 Prozent über dem Vorjahr. Ein Verzicht sei dennoch keine Option: „Ohne Stickstoff sinken Ertrag und Qualität unmittelbar.“
Landwirte, die sich vor dem Ausbruch des Irankrieges mit Kraftstoff und Dünger eingedeckt haben, spüren von den gestiegenen Preisen also noch nicht so viel. Aber auch sie müssen ihre Vorräte irgendwann auffüllen.
Experten erwarten höhere Lebensmittelpreise
Hohen Kosten stehen geringe Einnahmen gegenüber: „Wir haben aktuell sehr, sehr niedrige Preise für Getreide“, sagte EU-Agrarkommissar Christophe Hansen der Deutschen Presse-Agentur. Nach der global sehr starken Ernte im Herbst hätten manche Landwirte nur noch 160 oder 170 Euro pro Tonne Getreide als Verkaufspreis erzielt. „Da legt jeder Landwirt Geld drauf, wenn er produziert, das muss man ganz klar sagen.“
Doch Experten erwarten, dass die Lebensmittelpreise wegen des Irankrieges weiter steigen könnten. Kai Hudetz vom Marktforschungsinstitut IFH Köln sagt: „Es ist davon auszugehen, dass steigende Energie‑, Dünger‑ und Transportkosten mit Verzögerung auch auf die Lebensmittelpreise durchschlagen. Besonders betroffen sind Produktgruppen, bei denen Energie- und Logistikkosten einen hohen Anteil an der Wertschöpfung haben.“ Dazu zählten unter anderem Brot und Backwaren, Getränke, Fertiggerichte, Süßwaren sowie Tiefkühlprodukte.
Auch der Bauernverband und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen. Bald dürften also auch die Verbraucher in Deutschland die gestiegenen Kosten in der Landwirtschaft zu spüren bekommen.
Quellen: „agrarheute.com“, „bauernzeitung.de“ „Bauernverband.de“, DPA, „oekl.at“ zu Kraftstoffverbrauch von Traktoren (PDF), „Statista“ zu den Exporten des Iran