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SPARTIPP: Dispo-Kredite helfen bei kleinen Engpässen

Auch wenn bei einem Dispo-Kredit die Zinsen besonders hoch sind - in manchen Fällen ist er einem Ratenkredit vorzuziehen.

Die Luxus-Stereoanlage zum Sonderpreis oder ein dringend benötigtes Edel-Outfit für den Abend: Für kurzfristige Anschaffungen wird oft tiefer in die Tasche gelangt, als man Geld auf dem Konto hat. Möglich macht das der Dispositionskredit, mit dem ein Girokonto innerhalb des festgesetzten Rahmens ohne weitere Rücksprache mit der Bank überzogen werden kann.

»Dispositionskredite sind ein Angebot der Banken und Sparkassen an ihre Kunden, das man annehmen kann oder auch nicht«, so Ulrich Sommerfeld, Sprecher der Hamburger Sparkasse (Haspa). Wer über regelmäßige Einkünfte verfügt, bekommt in aller Regel von seiner Hausbank einen solchen Überziehungskredit, kurz Dispo genannt, eingeräumt. Das bedeutet, dass - je nach Vereinbarung - das Konto ohne besondere Formalitäten bis zur Höhe des drei- bis fünffachen Monatsnettoeinkommens überzogen werden kann. »Beim Dispositionskredit werden Zinsen nur auf den Betrag berechnet, der tatsächlich in Anspruch genommen wurde«, erklärt Sommerfeld.

»Ein Dispositionskredit ist wegen der hohen Zinsen teurer als ein Ratenkredit. Andererseits kann er für kurzfristige finanzielle Engpässe günstig sein, weil beim Dispo der Zinssatz immer nur auf den aktuellen Saldo berechnet wird«, erklärt Hjördis Christiansen, Juristin und Beraterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Hamburg. »Nimmt man einen Ratenkredit auf, fallen für die Gesamtsumme Zinsen an, und man zahlt den Kredit in regelmäßigen Raten zurück. Die Laufzeiten liegen hier je nach Kredithöhe zwischen 12 und 72 Monaten.«

»Ein Dispositionskredit empfiehlt sich für die kaputt gegangene Waschmaschine, den Fernseher oder ähnliches«, so Haspa-Sprecher Sommerfeld. Soll dagegen eine langfristige Anschaffung, beispielsweise ein Auto, getätigt werden, sei ein Ratenkredit die günstigere Lösung.

Richtig teuer wird es, wenn der eingeräumte Dispositionskreditrahmen vom Kunden ohne Rücksprache mit seiner Bank überzogen wird. In diesem Fall werden nach einer Erhebung des WDR-Wirtschaftsmagazins »markt« in Nordrhein-Westfalen bei manchen Banken mehr als 18 Prozent Sollzinsen kassiert. Verbraucherschützer raten deshalb, sich an den zuständigen Sachbearbeiter seines Geldinstituts zu wenden, bevor man das Konto so weit überzieht. Handelt es sich um einen kurzfristigen Engpass, erhöhen viele Institute schon mal für ein paar Wochen die Dispo-Grenze.

Ändert sich die Finanzlage des Kunden nicht, wird der Dispo häufig in einen Ratenkredit umgewandelt. Doch die Geldinstitute greifen zuweilen auch zu drastischeren Maßnahmen: Ab einer von Bank zu Bank unterschiedlichen Überziehungssumme werden die EC-Karte eingezogen, das Konto gesperrt und Lastschriften zurück geholt.

Wer sich von seiner Bank dabei ungerecht behandelt fühlt, könne vor Gericht ziehen, so Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Doch ein Rechtsstreit kann langwierig und teuer werden. Damit Meinungsverschiedenheiten zwischen Banken und Kunden einfacher geklärt werden können, haben die privaten Banken ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren eingeführt. Es sieht vor, dass unabhängige Ombudsmänner dabei helfen, die Probleme schnell und unbürokratisch zu bereinigen.

So sind im vergangenen Jahr laut Kerstin Altendorf 1809 Beschwerden gegen Banken bei der Kundenbeschwerdestelle des Verbandes eingegangen. Davon seien 306 Eingaben zu Gunsten des Kunden entschieden worden, 251 zu Gunsten der Bank, und bei zwei Verfahren sei ein Vergleich vorgeschlagen worden.

Informationen: Der Ratgeber »Das Girokonto - Ihre Rechte als Bankkunde« ist zum Preis von 18 Mark in den örtlichen Verbraucherzentralen erhältlich oder kann dort gegen fünf Mark Versandkosten bestellt werden.Schriftlich zu erreichen ist außerdem die Kundenbeschwerdestelle des Bundesverbands deutscher Banken, Postfach 040307, 10062 Berlin.

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