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Steuern: Die Fallen des Elterngeldes

Die Sache mit dem Elterngeld klingt einfach: 14 Monate gibt es 67 Prozent des letzten Nettogehalts. Wer sich aber darauf verlässt, könnte eine böse Überraschung erleben. Wir geben vier Tipps rund ums Elterngeld, die weniger bekannt, aber trotzdem wichtig sind.

Das Elterngeld wirkt auf den ersten Blick simpel: Es gibt einfach bis zu 14 Monate lang 67 Prozent des letzten Nettogehalts. Aber es gibt einige Besonderheiten, die man kennen sollte. So ist das Elterngeld zwar steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass es die Steuerbelastung für das übrige Einkommen erhöht.

Teil des Elterngelds zurücklegen

Gerechnet wird wie folgt: Das Finanzamt berechnet zum einen den Steuersatz für das reguläre Einkommen ohne Elterngeld, danach den (höheren Satz) für das Einkommen plus Elterngeld. Dieser höhere Steuersatz gilt dann für das reguläre Einkommen. Ein Beispiel: Herr Müller hat im Jahr nach der Geburt des Kindes 50.000 Euro verdient, es gab 18.000 Euro Elterngeld. Für die 50.000 Euro beträgt der Steuersatz 13,96 Prozent - für 68.000 Euro betrüge er 18,14 Prozent.

Diese 18,14 Prozent werden jetzt auf die 50.000 Euro angewandt: Und damit steigt die Steuer von 6980 Euro auf 9070 Euro - jeweils zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenfalls Kirchensteuer. Das Elterngeld von 18.000 Euro führt also zu einer Steuer-Mehrbelastung von 2090 Euro. Das sollte bedacht werden und ein Teil des Elterngeldes als Rücklage für Steuernachzahlungen beiseite gelegt werden.

Gehalt reduziert Elterngeld

Elterngeld gibt es für maximal 14 Monate, wenn beide Partner in die Betreuung involviert sind. In der Praxis sieht das so aus, dass meist die Mutter direkt nach der Geburt zwölf Monate betreut und der Vater dann zwei Monate anhängt. Ganz wichtig: Die betreuenden Eltern können zwar bis zu 30 Stunden nebenbei arbeiten, das Gehalt reduziert jedoch das tatsächlich ausgezahlte Elterngeld. Denn Elterngeld wird in diesem Fall nur in der Höhe gezahlt, in der eine Gehaltseinbuße vorliegt. Ein Beispiel: Betrug das Nettoeinkommen vor der Geburt 2000 Euro und wird während der Elternzeit 1500 Euro netto verdient, erhalten die Eltern als Elterngeld 67 Prozent von 500 Euro - und nicht von 2000 Euro.

Immer öfter hört man von dem Tipp, dass Väter die beiden Monate direkt nach der Geburt in Elternzeit gehen sollen, weil es insgesamt tatsächlich 14 Monate Elterngeld gäbe, da das Mutterschaftsgeld dann in den ersten beiden Monaten nicht angerechnet werden würde. Dies ist falsch. Die Monate mit Mutterschaftsgeld gelten immer als Bezugsmonate der Frau. Geht also der Mann während dieser Zeit in Elternzeit, bekommt er natürlich Elterngeld, die Frau hat anschließend aber nur Anspruch auf noch zehn weitere Monate und nicht auf zwölf Monate, wie es oft behauptet wird.

Auch Adoptiveltern bekommen Elterngeld

Das Elterngeld ist nicht nur auf leibliche Eltern beschränkt. Auch Adoptiveltern haben Anspruch auf Elterngeld für adoptierte Kinder und für Kinder, die bei ihnen leben, weil sie von ihnen adoptiert werden sollen. Dabei gilt auch noch eine Besonderheit: Sie bekommen Elterngeld nicht nur wie üblich bis maximal zum 14. Lebensmonat des Kindes, sondern ab dem Zeitpunkt der Aufnahme in ihren Haushalt für maximal 14 Monate - und zwar bis zur Vollendung des achten Lebensjahres. Damit gibt es zum Beispiel auch noch das volle Elterngeld, wenn ein Kind erst mit sechs Jahren in einen Haushalt gekommen ist.

Oliver Mest/DDP / DDP
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