US-Immobilienkrise Die Börsen wackeln bedrohlich


Die US-Immobilienkrise vergiftet zunehmend das Börsenklima. Ob USA, Japan, Deutschland - fast überall geht es mit den Kursen abwärts. Neueste Hiobsbotschaft: Anscheinend geraten zwei weitere Hedgefonds in ernste Schwierigkeiten.

Der Ausverkauf deutscher Aktien wird nach Einschätzung von Banken und Brokern auch zum Wochenausgang nicht gestoppt werden. Zur Handelseröffnung wurde ein Rückgang des Dax um 1,3 Prozent auf 7353 Punkte erwartet. Hintergrund der fallenden Kurse: die Immobilienkrise in den USA.

Dort hatten die Börsen nach Handelsschluss ihre Talfahrt deutlich beschleunigt. Der Dow-Jones-Index verlor bis zum Schlussgong 2,8 Prozent und verdreifachte damit die Verluste vom Nachmittag. Ähnlich stark ging der S&P-Index mit drei Prozent Tagesverlust in die Knie. Der Nasdaq-Composite verlor gut zwei Prozent - zum europäischen Handelsschluss hatte er nur ein halbes Prozent im Minus notiert. Alle drei Indizes schlossen auf Tagestiefs.

Panikartige Verkäufe an der Wallstreet

Vor allem Banken- und Finanztitel wie Goldman Sachs und Bear Stearns gerieten an der Wall Street in den Strudel der Krise und verbuchten Verluste von mehr als fünf Prozent. Analysten sprachen von panikartigen Verkäufen. Das "Wall Street Journal" berichtete, ein zweiter Hedgefonds von Goldman Sachs sei in ernste Schwierigkeiten geraten.

In Deutschland nimmt die Finanzaufsicht BaFin im Zuge der US-Hypothekenkrise eine Fondsgesellschaft der SachsenLB unter die Lupe. Die britische Man Group verschiebt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ihre Pläne, erstmals einen Hedgefonds an die New Yorker Börse zu bringen, auf unbestimmte Zeit. In Tokio gingen die Anleger ebenfalls auf Nummer sicher und verkauften Aktien im großen Stil.

Nach der EZB und der US-Notenbank Fed versorgte auch die japanische Notenbank (BoJ) die Kreditwirtschaft mit zusätzlicher Liquidität. "Die Einspritzungen sind schon überraschend, und ich frage mich, was die wissen, was der Rest von uns nicht weiß", wunderte sich ein Händler. Die EZB hatte über einen Schnelltender die Rekordsumme von fast 95 Milliarden Euro in den Geldmarkt gepumpt. Die Fed stellte bei ihren regulären Marktgeschäften 24 Milliarden Dollar mehr als üblich zur Verfügung. Die BoJ versorgte den Geldmarkt zusätzlich mit umgerechnet gut sechs Milliarden Euro - allesamt Hinweise, dass eine Finanzkrise drohen könnte.


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