Verbraucher Diesel bald teurer als Benzin


Die Ölkonzerne stimmen die Besitzer von Dieselautos auf saftige Preiserhöhungen ein. Bleibt der Winter kalt und steigt deshalb die Nachfrage nach Heizöl, könnte dies den Diesel-Preis in ungeahnte Höhen treiben.

"Es ist möglich, dass der Preis für Diesel an der Tankstelle noch stärker an den für Normalbenzin herankommt", sagte Uwe Franke, Chef der Deutschen BP AG, der "Welt am Sonntag". Bei einem kalten Winter mit starker Nachfrage nach Heizöl schließe die Branche nicht aus, dass der Preis für Diesel den Preis für Normalbenzin übersteige, berichtet das Blatt. Der Autoclub AvD rief die Autofahrer auf, durch intelligentes Tankverhalten den Ölkonzernen ein Schnippchen zu schlagen.

In Rotterdam ist Diesel schon teurer

Sowohl Dieselkraftstoff als auch Heizöl gehörten zu den so genannten Mitteldestillaten; die Nachfrage nach dem einen könne deshalb auch den Preis des anderen in die Höhe treiben, hieß es in dem Bericht der "Welt am Sonntag" weiter. Derzeit ist Diesel etwa zehn Cent billiger als Benzin.

Am Spot-Markt in Rotterdam habe sich das Verhältnis schon seit drei Monaten umgedreht, berichtet die Zeitung. Zuletzt lag der Preis für eine Tonne Diesel demnach bei 410 Dollar, der für Normalbenzin bei 380 Dollar. Nur dank der unterschiedlichen Besteuerung der beiden Kraftstoffarten bekommen die Autofahrer Dieseltreibstoff an der Tankstelle immer noch günstiger als Benzin: Während über 77 Prozent des Preises von Normalbenzin aus Steuern bestehen, liegt diese Quote bei Diesel erst bei gut 64 Prozent.

AvD: Schamlose Spekulation

Der Automobilclub von Deutschland AvD warnte die Mineralölindustrie davor, den Dieselpreis sogar noch über den von Benzin anzuheben. Die von der Industrie vorgetragene Begründung sei "schlichtweg falsch, weil der Steuersatz auf Diesel nur 42 Cent beträgt, während ein Liter Benzin mit 79 Cent besteuert ist", sagte AvD-Sprecher Johannes Hübner. Es sei ungeheuerlich, wie schamlos die Mineralölgesellschaften in der Öffentlichkeit über ihre Gewinnsteigerung oberhalb des Steuersatzes spekulierten, zumal es keinen Grund gebe, an der Preisschraube zu drehen.

"Der steuerliche Abstand zwischen Diesel und Benzin ist amtlich gewollt, um einerseits den Kfz-Steuer-Nachteil der Diesel-Pkw auszugleichen, andererseits das Güterverkehrsgewerbe nicht noch weiter zu benachteiligen - die Preisdifferenz zwischen Diesel und Benzin darf nicht angetastet werden", sagte der AvD-Sprecher. Auch die Preise am Ölmarkt gäben keinen Grund zu Erhöhungen, jeder Cent Preissteigerung bei Diesel fülle nur die Kassen der Mineralölgesellschaften. Der AvD forderte die Autofahrer zu einem schärferen Preisbewusstsein beim Tanken auf: "Schon bei halb leerem Tank an den günstigsten Tankstellen zu tanken ist gerade im Winter obendrein eine gute Vorsorge für Notfälle", empfahl der Autoclub. (AP)


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker