Die Gasrechnung gehört für die meisten Haushalte zu den größten Kostenfaktoren im Jahr, und viele können sie teils nur mit Verzug zahlen. Gleichzeitig steigen die Preise und der Druck auf die Verbraucher. Die Lösung für dieses Problem: zu einem günstigeren Gasanbieter wechseln. Das sehen auch immer mehr Kunden so, denn 2024 ließen sich 2,2 Millionen bereits von einem neuen Versorger beliefern – so viele wie noch nie.
Doch zu welchem Anbieter sollten Sie wechseln? Schließlich buhlen laut der Bundesnetzagentur 108 Unternehmen um Gaskunden und locken mit Boni und Sonderaktionen. Dabei hält nicht jedes vermeintliche Schnäppchen, was es verspricht. Manche Tarife entpuppen sich nach dem ersten Jahr als Kostenfalle, andere binden Kunden mit versteckten Klauseln unnötig lange. Gleichzeitig gibt es tatsächlich seriöse Anbieter, die durch effiziente Strukturen und clevere Einkaufsstrategien dauerhaft günstige Preise ermöglichen. Glücklicherweise gibt es Merkmale, anhand derer Sie seriöse von unseriösen, günstigen Anbietern unterscheiden können.
Günstige Gasanbieter – was versteht man darunter?
Die Gaspreise sind nicht überall gleich und hängen von Ihrem Wohnort und Ihrem Anbieter ab. Jedoch gibt es Durchschnittswerte, mit denen Sie günstige Stromanbieter identifizieren können. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zahlten Haushalte in Einfamilienhäusern mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh durchschnittlich 12,07 Cent/kWh. Haushalte in Mehrfamilienhäusern (MFH) mit einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh kamen durchschnittlich auf 11,56 ct/kWh. Ein günstiger Gasanbieter müsste also deutlich darunter liegen, am besten unter 10 Cent pro Kilowattstunde.
Dabei ist eine Info besonders wichtig: Bei den genannten Preisen handelt es sich nämlich um einen durchschnittlichen Gesamtpreis. Dieser setzt sich aus zwei Teilen zusammen:
- Arbeitspreis: Den Arbeitspreis zahlen Sie für jede verbrauchte Kilowattstunde (kWh). Wenn Sie nicht heizen, zahlen Sie auch nichts. Wenn Sie viel heizen, summiert er sich.
- Grundpreis: Diese Gebühr zahlen Sie monatlich oder jährlich für den Gasanschluss und den Liefervertrag, auch wenn Sie kein Gas verbrauchen. Je weniger Gas Sie verbrennen, desto größer ist sein Anteil am Gesamtpreis.
Wenn Sie also nach einem neuen Anbieter suchen, rechnen Sie immer den Gesamtpreis aus. Günstige Arbeitspreise klingen zwar verlockend, hohe Grundpreise können die vermeintliche Ersparnis aber schnell wieder auffressen.
Wie entstehen günstige Gaspreise?
Günstige Anbieter schaffen es, ihr Gas für unter 10 Cent/kWh anzubieten. Jedoch gelingt es nicht allen. Wie entstehen daher die niedrigen Preise bei einigen Anbietern? Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf die Zusammensetzung des Gaspreises:
- Beschaffung, Vertrieb und Marge: Dies ist der Anteil, den der Gasanbieter für den Einkauf und die Lieferung des Gases benötigt. Er lag 2025 bei rund 50 Prozent. Zudem steckt hier auch seine Marge drin.
- Netzentgelt: Über den Strompreis erhebt der Netzbetreiber eine Pauschale, die er für den Netzausbau benötigt. Auch der Betrieb der Messstellen ist hier enthalten. Im Gesamten macht dieser Block etwa 17 bis 19 Prozent des Gaspreises aus.
- Steuern und Abgaben: Etwa 31 Prozent des Gaspreises bestehen aus Steuern wie der Gassteuer und der Umsatzsteuer. Auch Konzessionsabgaben sind hier enthalten, um die Infrastruktur der Kommunen nutzen zu dürfen.
Die Steuern, die Abgaben und die Netzentgelte sind fast immer statische Posten, die nur kleinen Spielraum für Rabatte bieten. Um den Gaspreis günstig zu halten, muss ein Versorger daher bei der Beschaffung und beim Vertrieb ansetzen und das Gas zu niedrigen Preisen einkaufen. Das kann er an zwei Märkten machen, auf denen der Rohstoff gehandelt wird: dem Terminmarkt und dem Spotmarkt.
- Terminmarkt: Hier finden die langfristigen Geschäfte statt und ein Versorger kann größere Mengen Gas für mehrere Monate und Jahre einkaufen. Somit umgeht er kurzfristige Preisschwankungen. Jedoch muss er gut kalkulieren und prognostizieren, um seinen Kunden einen guten und vor allem stabilen Preis zu ermöglichen.
- Spotmarkt: Hier wird Gas kurzfristig und zum aktuellen Marktpreis gehandelt. Abhängig von dem Angebot und der Nachfrage schwankt der Preis für Erdgas stark und dient in erster Linie dazu, Überschüsse zu verkaufen und Engpässe zu schließen.
Je nach strategischer Ausrichtung und Erfahrung des Versorgers kann er langfristig günstige Gaspreise für seine Kunden erzielen. Jedoch spielen auch das Angebot und die Nachfrage eine wichtige Rolle für beide Märkte, die durch geopolitische und wirtschaftliche Ereignisse beeinflusst werden können.
Grundsätzlich gilt: Steigt die Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot, führt dies zu höheren Preisen. Ein Beispiel hierfür ist der hohe Energiebedarf in Ländern wie China. Da die Gaspreise in Asien oftmals über denen in Europa liegen, leiten Lieferanten ihr Gas bevorzugt dorthin. Auch saisonale Faktoren wie besonders kalte Winter in Europa können die Nachfrage nach Gas spürbar erhöhen und so die Preise zusätzlich in die Höhe treiben. Die Entdeckung neuer Gasfelder lässt das Angebot hingegen steigen und den Preis sinken. Auch der Füllstand der deutschen Gasspeicher hat einen Einfluss auf das Angebot.
Warum lohnt sich der Wechsel zu einem günstigen Gasanbieter?
Der Preis für Gas ist durch den russischen Angriff auf die Ukraine schlagartig gestiegen. Zwar ist er mittlerweile wieder gesunken, doch er liegt immer noch leicht über dem Vorkriegsniveau. Zudem wird er wieder steigen. Dafür gibt es zwei Gründe:
- CO₂-Preis: Die Lieferanten müssen CO₂-Zertifikate für ihr Gas kaufen. Der Preis ist dabei im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) vorgeschrieben und erhöht sich jedes Jahr. Die zusätzlichen Kosten übernehmen jedoch nicht die Lieferanten und Versorger, sondern sie reichen sie an den Verbraucher weiter. Laut einer Berechnung von Finanztip wird der Gaspreis für Endkunden daher von 1,19 Cent/kWh im Jahr 2025 auf maximal 1,40 Cent/kWh im Jahr 2026 steigen. Für das Jahr 2030 prognostiziert Finanztip 2,59 Cent pro Kilowattstunde. Dies würde für einen Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bedeuten, dass er über 500 Euro nur für die CO₂-Steuer ausgeben müsste.
- Steigendes Netzentgelt: Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass in Neubauten nur noch eine von fünf Heizungen Gas verwendet. Stattdessen wechseln immer mehr Haushalte auf Wärmepumpen. Dennoch bleiben die Kosten für das Gasnetz hoch und müssen durch die immer weniger werdenden Kunden bezahlt werden. Dadurch steigen die Netzentgelte und infolgedessen der Gaspreis.
Gasverbraucher können an der Situation nichts ändern. Wer den Preisanstieg nicht hinnehmen möchte, kann jedoch zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Dadurch lässt sich der Anstieg kompensieren. Wenn Sie etwa ein Angebot finden, das 2 Cent/kWh günstiger ist, sparen Sie bei einem Verbrauch von 20.000 kWh bereits 400 Euro. Das würde einen Großteil der Erhöhung abfangen. Bei 3 Cent/kWh wären es sogar 600 Euro.
Günstige Gasanbieter: Woran erkennen Sie seriöse Unternehmen?
Gasanbieter erreichen günstige Preise vor allem mit einer klugen Einkaufsstrategie. Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere Hebel, wie Sie Ihre Kosten senken können. Reine Online-Anbieter sparen beispielsweise bei den Serviceleistungen, indem sie auf teure Filialen verzichten. Stattdessen setzen sie auf Chats und Online-Profile, die die Nutzer selbst pflegen können.
Trotz des günstigen Preises sind die Anbieter also keinesfalls unseriös, doch auch unter ihnen gibt es schwarze Schafe. Ihre Verkaufspraktiken binden Sie unnötig lang oder verschleiern den wirklichen Preis. Sie sollten daher auf folgende Merkmale achten:
- Vorkasse oder Kaution: Wenn ein Gasanbieter eine Vorauszahlung für ein ganzes Jahr oder eine Kaution verlangt, sollten Sie ihn meiden. Wenn er in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, bekommen Sie Ihr Geld voraussichtlich nicht wieder. Seriöse Versorger arbeiten mit monatlichen Abschlägen und einer jährlichen Abrechnung.
- Paketpreise: Solche Tarife versprechen einen günstigen Preis, indem Sie eine Mindestabnahmemenge kaufen. Wenn der Winter jedoch mild wird, verbrauchen Sie nicht alles, wofür Sie gezahlt haben. Aber auch wenn Sie zu wenig buchen, kann es teuer werden. Für jede zusätzliche Kilowattstunde zahlen Sie oft einen hohen Preis.
- Zu lange Laufzeiten: Im besten Fall beträgt die Vertragslaufzeit zwölf Monate. So decken Sie einen Winter mit planbaren Kosten ab und bleiben flexibel genug für einen Wechsel. Verträge mit 24 Monaten Laufzeit sind bei sehr guten Preisen noch akzeptabel, alles darüber hinaus wird kritisch.
- Preisgarantie: Sie sollten einen Anbieter wählen, der eine Preisgarantie für die Erstlaufzeit anbietet. Nur so können Sie sicher sein, dass er in dieser Zeit die Preise nicht erhöht.
- Kündigungsfrist: Die Kündigungsfrist sollte nicht länger als vier Wochen vor Vertragsende betragen. Am besten kündigen Sie gleich nach Vertragsbeginn. Am Ende der Laufzeit wird sich Ihr Anbieter voraussichtlich melden und Ihnen ein Bleibeangebot machen. Dann können Sie immer noch entscheiden, ob Sie wechseln möchten.
- Transparenz beim Preis: Seriöse Anbieter weisen alle Kosten klar aus. Vor allem sollte jederzeit hervorgehen, wie hoch der Arbeitspreis und wie hoch der Grundpreis ist. Wenn Sie die Preiszusammensetzung nicht auf einen Blick erfassen können, ist Vorsicht geboten.
- Zu hohe Boni: Bei zu hohen Neukundenboni sollten Sie stutzig werden. Sie verschleiern oft einen überteuerten Grundpreis oder einen zu hohen Arbeitspreis im zweiten Jahr. Der Bonus sollte maximal 15 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.
- Kundenbewertungen: Auf Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox können Kunden ihre Versorger bewerten. Das ist ein guter Indikator, ob ein Anbieter seriös ist. Häufen sich Beschwerden über die Abrechnungen, Erreichbarkeit oder zum Verhalten bei Kündigungen, sollten Sie Abstand von dem Anbieter nehmen.
Was sagen unabhängige Tests über günstige Gasanbieter?
Ob ein Gasanbieter etwas taugt, bewerten regelmäßig unabhängige Institute, Vereine und Unternehmen anhand mehrerer Kriterien. Einer der aktuellsten Vergleiche stammt vom Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ) im Auftrag von ntv**.
Ihr Ergebnis: Bei konventionellem Gas erreichten Max Energy, Yippie und Maingau Energie die vorderen Plätze, während bei Ökogasanbietern Montana, Grünwelt Energie und Sauber Energie überzeugten. Die meisten davon bieten Gas unter 10 Cent/kWh an – abhängig von Region und Tarif. Diese Rangfolge basiert auf einer Analyse von 27 überregional aktiven Anbietern und zwölf standardisierten Kundenprofilen in Berlin, Hamburg und München.
Zudem hat der Test noch einmal das Sparpotenzial verdeutlicht: In München beispielsweise können Großfamilien ihre Kosten um ein Drittel senken, wenn sie sich in der Grundversorgung – die teuersten Gastarife auf dem Markt – befinden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. DISQ errechnete hier eine Ersparnis von rund 1350 Euro im Jahr.
Auch, dass Maingau Energie mit den niedrigsten Arbeitspreisen es auf den dritten Platz schaffte, zeigt: Günstige Anbieter können auch in anderen Bereichen wie der Servicequalität und Transparenz überzeugen.
Dennoch stellen Tests nur Momentaufnahmen dar. Die Gaspreise ändern sich ständig und Anbieter passen ihre Tarife an. Deshalb sollten Sie regelmäßig selbst vergleichen und sich nicht auf ein einmal gutes Testergebnis verlassen, sondern es als Ausgangspunkt für Ihren Vergleich nehmen.
Redaktionelles Fazit
Günstige Gasanbieter können die Heizkosten deutlich senken, doch nicht jedes billige Angebot ist automatisch gut. Entscheidend sind der Gesamtpreis aus Arbeits- und Grundpreis sowie transparente und faire Vertragsbedingungen.
Wer Vorkasse, überlange Laufzeiten und überzogene Boni meidet und regelmäßig vergleicht, reduziert das Risiko teurer Überraschungen. Angesichts steigender CO₂-Kosten und Netzentgelte bleibt der Anbieterwechsel für viele Haushalte der effektivste Hebel, um die Gasrechnung spürbar zu reduzieren.