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Hausboote: Kleiner Hausbootlotse

Das Leben auf dem Wasser sollte gut vorbereitet sein - sonst geht der Traum vom Hausboot schnell baden.

Potentielle Hausboot-Besitzer sollten sich an folgende Grundregeln halten:

1.) Ein Hausboot ist ein Schiff, meist ein Holzhaus auf einem Stahlrumpf. Ein durchschnittliches Hausboot mit 100 Quadratmetern Nutzfläche wiegt bis zu 100 Tonnen - und belastet mit einem mehrfachen dieses Gewichts bei Sturm, Sog und Wellenschlag den Baukörper und die Befestigungen. Entsprechend stabil sollten Rumpf und Aufbauten sein.

2.) Auch auf dem Hausboot entkommt man der Miete nicht, nur hier heißt sie städtische Liegeplatzgebühr. Derzeit liegt sie bei fünf Euro je Quadratmeter Fläche und Jahr. Die Behörden planen eine "marktgerechte" Anpassung der Gebührenordnung, sprich: Erhöhung.

3.) Wählen Sie in Ruhe aus. Die Zahl seriöser Anbieter und neuer Stadtentwicklungsprojekte auf Wasserflächen nimmt stetig zu, Sie können also vergleichen.

4.) Ein seriöser Hausboot-Anbieter sollte folgende Kriterien erfüllen:

* Was Sie bei einem Immobilienkauf von Ihrer Hausbank für Informationen erwarten, gilt auch für einen Anbieter von Hausbooten: Transparente Preisgestaltung und Beratung über Finanzierung und Versicherungen;

* Der Hersteller weist dauerhafte Liegeplätze nach;

* Liegeplätze sind als gewartete Anlage mit sicheren Zuwegen konzipiert, d.h. es gibt Kindersicherheit und eine Zufahrt für Rettungsfahrzeuge oder Lieferanten;

* Die Infrastruktur für Wasser, Abwasser, Strom, Brennstoff-Lieferung, Telefon, Post, etc sollte gesichert sein. Muss sie erst erschlossen werden, sollte eine Kostenaufstellung vorliegen. Am besten sind diese Aufgaben für die gesamte schwimmende Anlage in die Hände einer erfahrenen Betreiberfirma zu legen. Der Betreiber sollte die Kosten auf die einzelnen Liegeplatznutzer umlegen und möglichst unter 250 Euro pro Boot und Monat berechnen;

* Das Hausboot - egal ob neu oder gebraucht - braucht ein "Schwimmfähigkeitszeugnis". Dieser "Schwimm-TÜV" ist bei Neubauten meist alle zehn Jahre üblich. Dafür muss das Hausboot ins Dock geschleppt werden. Für so eine Landrevision sollten Sie 2000 - 3000 Euro veranschlagen - neuer Anstrich des Schwimmkörpers inklusive.

* Ein Hausboot sollte schwimmend transportfähig sein und bleiben. Auch eine kurze Strecke zu einem Dock für die Landrevision oder Reparatur auf einer Werft sollten von vorn herein eingeplant sein.

5.) Hausboote unterliegen wasserrechtlichen und baurechtlichen Auflagen. Schließen Sie sich deshalb zu einer Liegegemeinschaft, vergleichbar einer Baugemeinschaft an Land, zusammen. Gemeinsam können Sie Ihre Interessen besser vertreten.

6.) Meist fehlt den Behörden die Erfahrung mit Mietern oder Eigentümern von Hausbooten. Deshalb: Bringen Sie genügend Geduld für nötige Behördengänge mit. Außerdem benötigen Sie einen gesunden Umgang mit Bauvorschriften wie Raumhöhe, Emissionswerten, Feuersicherheit, etc.

Karin Spitra / print
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