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JVA Schwarzenbek: Immobilie für Liebhaber

Ursprünglich wurde das Gebäude in der Kleinstadt Schwarzenbek am Rande des Sachsenwalds als Amtsgericht und Gefangenenhaus errichtet. Doch das ehemalige Gefängnis steht leer - und "gegen Höchstgebot" jetzt zum Verkauf.

"Gegen Höchstgebot abzugeben: Gut erhaltenes ehemaliges Gefängnis in ruhiger Kleinstadt am Rande des Sachsenwalds. Zentrale Lage, gemütlicher Innenhof, 1- und 2-Bett- Zimmer." So oder ähnlich könnte ein Inserat lauten, mit dem das schleswig-holsteinische Finanzministerium in einigen Wochen die ehemalige Außenstelle der Lübecker Justizvollzugsanstalt in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) anpreisen will. Das in den Jahren 1785 bis 1788 als Amtsgericht und Gefangenenhaus errichtete Gebäude steht leer und zum Verkauf. Eine Immobilie für Liebhaber in der 18 000-Einwohner-Stadt mit Eisenbahnanschluss.

Das Summen der gesicherten Stahltür an der Schefestraße ertönt, nur über die Gegensprechanlage und durch einen Türspion beobachtet ist ein Zugang von außen möglich. 1971 wurde hier die Außenstelle vom "Lauerhof"-Gefängnis in Lübeck eingerichtet, Straftäter in Zellen hinter vergitterten Fenstern untergebracht. "Das ist längst Geschichte, zuletzt gab es hier nur einen offenen Vollzug. Tagsüber waren die Häftlinge arbeiten, danach waren sie hier vorübergehend zu Hause", sagt Anstaltsleiter Peter Brandewiede.

Wärter und Insassen wurden versetzt

Heute guckt nur noch Heinz Brey ab und zu mal nach dem Rechten. Leben tut in dem Backsteinbau mit dem mit Kupfer verkleideten Türmchen auf dem Dachfirst heute nicht mal mehr nachts jemand. Die Justiz hat sich aus Kostengründen gegen eine dezentrale Unterbringung entschieden. Die sechs Wärter und 14 Insassen wurden in die Zentrale an der Trave versetzt.

"Ein Wertgutachten soll uns jetzt bei der Preisermittlung für das Gebäude helfen", erklärt Herbert Schnelle, der Sprecher des Finanzministers. Die ungewöhnliche Immobilie geht an den Meistbietenden. Auflagen des Denkmalschutzes müssen jedoch erfüllt werden, beliebig umbauen lässt sich das Gebäude gegenüber vom Schwarzenbeker Rathaus am Marktplatz und neben der Polizeistation nicht. "Aber es ließen sich eine Jugendherberge oder ein Hotel einrichten", meint Schnelle. Im Erdgeschoss gibt es sogar eine geräumige und mit blitzenden Edelstahlgeräten eingerichtete Küche.

Der 56-jährige Brey arbeitet jetzt in Lübeck und blickt etwas wehmütig auf seinen Arbeitsplatz in Schwarzenbek zurück. "Große Dinger sind hier nie passiert, wir waren alle wie eine Familie. Es war klein und übersichtlich", berichtet er.

Große Fenster und ein kleiner Garten

Nur eine einzige "richtige" Zelle gibt es seit dem Umbau zur offenen Justizvollzugsanstalt in den 90er Jahren noch. Mit dicker Tür, Gittern vor dem Fenster, eigener Toilette und Waschbecken. "Wer im offenen Vollzug rückfällig wurde, musste da rein, ehe er wieder in eine geschlossene Anstalt verlegt wurde", weiß Brey. Die anderen Zimmer haben große Fenster, sind Licht durchflutet. Hinter einer drei Meter hohen Mauer im Hof der kleine Garten. In dem so genannten "Freistundenhof" konnten die Einsitzenden früher eine Stunde täglich verbringen.

"Im Sommer wollen wir die Angebote sichten und bewerten, was mit dem Gebäude künftig passieren kann", sagt Schnelle. Er hofft auf viele Bieter, um die Landesfinanzen aufzubessern.

Timo Jann, DPA / DPA