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Mineralölchef: "Benzin ist zu billig"

Obwohl die Autofahrer unter den hohen Spritpreisen ächzen, hält der Chef eines Mineralölkonzerns die Preise für zu niedrig. Denn die Gesellschaften würden wegen des harten Preiswettbewerbs derzeit kaum am Benzin verdienen. Die Spritpreise erreichten dennoch neue Rekordstände.

Trotz der jüngsten Rekordjagd hält der Deutschland-Chef der Tankstellenkette Orlen/Star die Benzinpreise noch für zu niedrig. "Trotz des hohen Ölpreises verdienen wir derzeit am Benzin kein Geld. Daher ist Benzin eigentlich zu billig", sagte Josef Busch der "Bild"-Zeitung. Der Liter Super müsste "fünf bis sechs Cent mehr kosten". Busch begründete seine Einschätzung mit dem harten Wettbewerb auf dem deutschen Tankstellenmarkt. Die Anbieter seien nicht in der Lage, höhere Ölpreise an die Kunden weiterzugeben.

Die Spritpreise erreichten dennoch neue Rekordstände. Für einen Liter Superbenzin mussten Verbraucher im Bundesschnitt etwa 1,52 Euro bezahlen. Für Diesel wurden an den Tankstellen erstmals bis zu 1,49 Euro je Liter fällig. Der Ölpreis legte im asiatischen Handel der New Yorker Rohstoffbörse am Freitag auf 124,96 Dollar je Fass zu.

In einigen Regionen Deutschlands soll sich unterdessen der Trend der Angleichung zwischen dem Benzin- und Dieselpreis fortgesetzt haben. In Teilen Nordrhein-Westfalens etwa kletterte der Dieselpreis nach einem Bericht der "Rheinischen Post" zwischenzeitlich auf 1,51 Euro. "Mit Diesel wird zurzeit spekuliert und richtig Geld verdient", sagte Sven Janssen, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD), dem Blatt. Die Tankstelle werde so zur "Börse des kleinen Mannes" mit enormen Preissprüngen, die durch den Ölpreis allein nicht begründet werden könnten.

Selbst im Vergleich zwischen freien und Markentankstellen seien oft keine Unterschiede beim Dieselpreis mehr festzustellen.

"Trotz der hohen Einkaufskosten besteht im Bundesschnitt aber noch immer ein Abstand von 3 Cent zwischen Benzin und Diesel", sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes, Barbara Meyer-Bukow, der AP. Als Grund für den teuren Diesel an den Tankstellen nannte sie die hohe Nachfrage und die Beschaffungskosten der Branche am Rotterdamer Markt. Dort koste die Tonne Diesel mittlerweile 1260 Dollar, eine Tonne Benzin hingegen 1060 Dollar.

Der AvD forderte die Bundesregierung auf, den Autofahrern "einen Teil dieser enormen Belastung zu nehmen". Gewinne, die der Staat bei der Kraftstoff-Mehrwertsteuer erziele, müssten ausschließlich dazu verwendet werden, die Mineralölsteuer zu senken.

AP / AP