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"Millionaire Fair": Haushaltsmesse für die High Society

Dort, wo Dollars, Rubel oder Euros rollen, organisiert Yves Gijrath seine Millionärsmessen, um den Reichen und Schönen dieser Welt Einkaufstipps an die Hand zu geben. Nun hat der umtriebige Geschäftsmann aus den Niederlanden den deutschen Markt ins Visier genommen.

Von Albert Eikenaar

Natürlich, er ist jetzt selbst ein Millionär, und sei es auch noch so ein Kleiner. Aber als Yves Gijrath 2002 die Idee hatte, eine Messe für die Reichen des Landes zu organisieren, hatte er kaum Kapital, sie in die Tat umzusetzen. Trotz des Geldmangels und der Skepsis seiner Bank schaffte er es, sein Konzept, ein kommerzielles Fest für gut Betuchte, auf die Beine zu stellen. Dabei war es nicht nur schwierig für Gijrath mit wenig Geld das teure Luxusambiente zu kreieren. Kritiker waren der Meinung, dass es ihm nicht gelingen würde, im kalvinistisch sparsamen Holland die Wohlhabenden zum Besuch seiner "Millionärsmesse" zu verführen. Und schon gar nicht zum Kauf der überdurchschnittlich teuren Luxuswaren, die die Teilnehmer zur Schau stellten. Holland sei traditionell kein Land zum Verprassen und Prunken, meinten Kritiker.

Messe für Millionen

Doch der damals noch unbedeutende Geschäftsmann Gijrath setzte sich durch. Im Dezember 2002 wurde in Amsterdam die erste "Millionaire Fair" organisiert – mit überwältigendem Erfolg. Jeder, der ein bisschen Geld und Namen hatte und meinte, zur Society zu gehören, kämpfte um eine Eintrittskarte. Die Wichtigen und Berühmten wurden von Gijrath natürlich als VIPs geladen. Tausende Gäste und zahlende Besucher drängten sich mit einem Gläschen Schampus durch die Hallen, vorbei an den Ausstellern der Nobelmarken von Uhren, Juwelen, Yachten, Gemälden, Haute Couture. Alle großen Marken waren vertreten. Sie hatten nicht mit so viel Kauflust der niederländischen Neureichen gerechnet. Jeder Messeaussteller verzeichnete ein stolzes Plus. Nach Abzug der Kosten der gemieteten Quadratmeter.

Gijrath’s geschäftlicher Höhenflug nahm seinen Anfang mit dem "Millionär Magazin", das er Ende der neunziger Jahre konzipierte. Davor hatte er schon ein paar Blättchen herausgebracht und selbst die Anzeigen verkauft. Sie liefen jedoch nicht so richtig. Darum suchte er nach einer Verbesserung seiner Verlagsprodukte. Auf der Suche nach Inspiration fand er seine Zielgruppe: Leser mit Geld und einem exquisiten Geschmack. Gijrath nutzte die Chance, für diese kleine, aber kapitalkräftige Zielgruppe ein eigenes, allgemeines "Fachblatt" zu entwickeln. Angepasst an ihre Lebensart.

Gijrath hat Deutschland im Visier

Es durfte nicht nur ein Interieurblatt werden und auch kein typisches Business- oder Kunstmagazin. Davon gab es jede Menge, meinte er. Er wollte eine Illustrierte auf absolut hohem Niveau. Es sollte die Superreichen über alles informieren, was zu ihrem Lebensstil passen könnte, über das Neueste aus der Mode, über Trends im Wohnbereich, Kunst, Theater, Anlagen, schnellste Autos, schickste Yachten. "Millionäre haben meistens keine Zeit und auch nicht immer einen guten Geschmack", erklärte Gijrath in einer niederländischen Zeitung. "Ein Magazin könnte ihnen helfen, sich auf das Richtige zu orientieren, was auf ihrem Nivau so alles gangbar ist."

Inzwischen hat Gijraths Messegeschäft die Herausgabe des Hochglanzblattes überflügelt. Doch Börse und Magazin bleiben unzertrennliche Zwillinge. Ohne einander kommen sie nicht aus. Das Printprodukt heizt das ständige Interesse des angepeilten Publikums der Big Spender für die jährliche festliche Messe-Veranstaltung an. So soll es nun auch in Deutschland werden. Nächstes Jahr im Oktober wird München, nach Amsterdam, Moskau, Shanghai, dem belgischen Kortrijk und Dubai die sechste Stadt sein, wo Gijrath seine "Schnapsidee" mit Glanz und Glitter präsentieren will. Eine deutsche Tochter von Gijrath’s Media Gruppe (GMG) wird in München die Regie führen.

"Wo es Luxus gibt, sollte es die Millionaire Fair geben"

Das Geldspektakel steht unter der Leitung es ehemaligen Endemol-Managers Klaas Obma, der Erfahrungen auf dem deutschen Markt gesammelt hat. Für den Start eines deutschen Milionärsmagazins ist die Zeit allerdings noch nicht reif. Marktuntersuchungen laufen. Wenn es überhaupt eines geben wird, dann höchstens in Zusammenarbeit mit einem deutschen Verlagshaus, lässt Gijrath stern.de wissen. Zur Zeit verhandelt GMG mit renommierten deutschen Banken, angesehenen PR-Büros und anderen Firmen über eventuelle Partnerschaften.

Der Amsterdamer Unternehmer, der an einem regnerischen Nachmittag das vornehme Magazin für die Luxusindustrie und damit eine lustig sprudelnde Anzeigen-Geldquelle erfand, denkt daran, auf allen Märkten, wo Leute Dollars, Rubel oder Euros rollen lassen, seinen Aufmarsch fortzusetzen. Gijrath: "Wo es Luxus gibt, sollte es eben die Millionaire Fair geben." Messe und Magazin zielen im Prinzip auf echte Millionäre. Wer aber weniger Geld hat und doch einen Hauch von Luxus erleben will, wird nicht ausgeschlossen. Ein Exemplar des Heftes kostet 7,50 Euro und für den Eintritt der "Haushaltsmesse für Reiche" muss man 35 Euro hinblättern. Bei 45.000 Besuchern erhält Gijrath anderthalb Millionen. Ein Teil geht dabei für seinen diesjährigen "Special Guest" aus Hollywood drauf, der die Messe eröffnet: Joan Collins.

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