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Legal-Tech: Ärger mit Fluglinien? Wie Netzjuristen bei Flugreisen helfen können

Ärger mit Fluglinien, Vermietern, Versicherern? Netzjuristen fechten den Streit aus – und kassieren nur bei Erfolg. Wann sich der Service der Legal-Techs gegen das Chaos im Flughimmel lohnt.

Von Marina Zapf

Ärger mit der Airline

Ärger mit der Airline - Netzjuristen können helfen

Kein Risiko, keine Prozesskosten: Das ist die Formel, mit der Rechtshilfeportale im Netz um Kunden werben. Legal-Techs für Fluggastrechte waren die Vorreiter, inzwischen konfrontieren Netzjuristen auch Versicherer und Vermieter, verhelfen bei Kündigungen zur oder fechten Knöllchen an. Die Branche setzt da an, wo sich Ansprüche standardisieren lassen und die Rechtsprechung überschaubar ist – denn dort hält sich auch ihr Risiko in Grenzen. Capital erklärt, wie die Dienste funktionieren.

Über welche Flugpannen lässt sich streiten?

Wer nicht planmäßig fliegen kann, muss entschädigt werden. Die EU-Verordnung 261/2004billigt Passagieren für mehrstündige Verspätungen Schadensersatz zu: Bei Flügen, die in der EU angetreten oder von Airlines mit EU-Sitz durchgeführt werden, sind es je nach Streckenlänge 250, 400 oder 600 Euro.

Doch jeder siebte Flugreisende, schätzen die Netzjuristen, verschenkt Geld, weil er seine Rechte nicht kennt, sich vom bürokratischen Aufwand abschrecken oder von zahlungsunwilligen Fluglinien abwimmeln lässt. Laut Fair­plane stünde jährlich zwölf Millionen Fluggästen in der eine Entschädigung zu – also knapp einem Prozent der rund 1,45 Milliarden Passagiere, die hier starten oder landen.

Wann kommen Portale für Passagierrechte ins Spiel?

Wie die Chancen auf eine Entschädigung stehen, ermitteln Legal-Techs im Online-Schnellcheck anhand von Flugnummer, Reisedaten und Verspätungsdauer. Gegebenenfalls sind dann E-Tickets und Bordkarten hochzuladen. Viele Kunden wenden sich an die Portale, nachdem Fluglinien ihre Beschwerden wegen "außergewöhnlicher Umstände" abgewiesen haben – dazu zählen schlechte Witterung, Streiks, Terror sowie neuerdings auch Vogelschlag. Als besonders hartleibig gelten hier neben den Billigfliegern auch die Airlines Turkish, Iberia und Swiss.

Privatpersonen können deren Argumente schlecht widerlegen – die Datenbanken der Legal-Techs dagegen schon: EUclaim etwa wertet täglich mehr als 13 Millionen Flug- und Wetterdaten aus. Air-Berlin-Kunden, die Forderungen aus der Zeit vor der Insolvenz des Unternehmens durchsetzen wollen, können auch Portale nicht mehr helfen. Für Verspätungen und Entschädigungen danach wird dagegen ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Wer bietet was zu welchen Kosten?

Rund ein Dutzend Portale sind im Bereich Fluggastrechte aktiv, darunter der Branchen-Erstling EUclaim und angestammte Platzhirsche wie Flightright und Fairplane. Fechten Legal-Techs eine Entschädigung durch, behalten sie zwischen 22,5 und 30 Prozent der Rückzahlung plus Mehrwertsteuer ein. Sie übernehmen dabei das Prozesskostenrisiko. Die Prozedur kann allerdings Monate oder gar Jahre dauern. Soll es schneller gehen, kann neuerdings auch per Eilverfahren eine Auszahlung binnen 24 Stunden erstritten werden. Dann liegen die Prämien schnell zwischen 40 und 45 Prozent.

Entschädigungen für verspätete sind heute so geläufig wie Verspätungen selbst

Das Capital-Fazit

Für die Legal-Techs spricht im Vergleich zum klassischen Rechtsweg, dass für den Kunden kein Prozesskostenrisiko besteht. Nach eigener Auskunft bringen sie zwischen 20 und 40 Prozent der Forderungen vor Gericht. Verbraucherschützer weisen allerdings darauf hin, dass man auch günstiger zu seinem Recht kommen kann, sofern man keinen Papierkram scheut.

Unentgeltlich regeln Streitfälle nämlich auch die Schlichtungsstellen für den Luft– und den öffentlichen Personenverkehr. Letztere löste mit ihren Schiedssprüchen 2016 auch drei von vier Fällen. Wer damit scheitert, kann sich immer noch an ein Legal-Tech wenden, denn Entschädigungen lassen sich bis zu drei Jahre nach dem Flug einfordern.

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