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Coronavirus und Grippezeit Warteschlangen bei Aldi: Desinfektionsmittel beim Discounter schon ausverkauft

Video soll Hamsterkäufe zeigen – doch er Clip ist ein Fake
Menschenmassen stürmen eine Aldi-Filiale.


Das Video soll angeblich Hamsterkäufe oder einen Ansturm auf Desinfektionsmittel in Deutschland zeigen.


Mit dieser Nachricht kursieren die Bilder derzeit in den sozialen Medien. Doch dabei handelt es sich um Falschmeldungen.


Das Video entsteht bereits 2011 und zeigt Kunden, die wegen eines Sonderverkaufs von Elektroartikeln in das Geschäft drängen.


Der Clip wird im Zuge des Coronavirus aus dem Zusammenhang gerissen.


Die Aufnahmen werden aktuell zum Beispiel genutzt, um Panik zu verbreiten oder um Aufmerksamkeit zu erregen.


Ein zweites Video, ebenfalls aus 2011, zeigt die Szene aus einem anderen Blickwinkel.


Die Aufnahmen entstehen vor einer Aldi-Filiale im Citti-Park in Kiel.


Fotos der Einkaufsmeile zeigen das Geschäft und den daneben liegenden Friseursalon.


Es gilt: Nicht jedes Video, das im Zusammenhang mit dem Coronavirus gepostet wird, ist authentisch.


Doch eine schnelle Online-Recherche kann aus dem Kontext


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Bei Aldi Nord und Süd haben sich am Montagmorgen Schlangen gebildet. Der Grund dafür: Die Discounter boten Desinfektionsmittel an. Obwohl der Verkauf beschränkt wurde, sind die Sprays, Gele und Tücher längst ausverkauft.

Gelungenes "Timing", nennt es ein Sprecher von Aldi Nord. Denn der Discounter brachte gemeinsam mit Aldi Süd am Montag Desinfektionsmittel in den Verkauf. Als direkte Reaktion auf das Coronavirus war die Aktionsware nicht gedacht. Vielmehr bieten die Discounter regelmäßig zum Start der Urlaubssaison solche Produkte an. Nun waren die Begleitumstände schärfer. Und das zeigte sich schon in den Morgenstunden vor einigen Filialen.

"Ansturm ist ein großes Wort", wiegelt der Aldi-Nord-Sprecher gegenüber dem stern ab. Aber man habe einen deutlich stärkeren Andrang in den ersten Stunden nach Öffnung in einigen Filialen erlebt, so der Sprecher weiter.

Tatsächlich kursierten schon am Vormittag Bilder von Schlangen vor den noch geschlossenen Aldi-Läden. Vor der Öffnung haben sich rund 20 bis 50 Menschen, je nach Filiale, dort angestellt, so der Sprecher. Allerdings sei die Nachfrage von Markt zu Markt unterschiedlich gewesen. "Alles verlief sehr geordnet und uns sind bislang keine erwähnenswerten Zwischenfälle bekannt", sagte der Sprecher. 

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Aldi Nord und Süd verkaufen Desinfektionsmittel

Konkret hatte Aldi Desinfektionsmittel in Form von Sprays, Gele und Tüchern als Aktionsware im Angebot. Das habe es allerdings auch in den vergangenen Jahren gegeben, so der Sprecher. Das sei aber nicht so aufgefallen. "Aufgrund des Corona-Virus‘ war für heute eine erhöhte Nachfrage zu erwarten, die wir so insbesondere bei der Mengenplanung nicht vorhersehen konnten",  so eine Aldi-Süd-Sprecherin zum stern.

Um auf die starke Nachfrage zu reagieren, wählten Aldi Nord und Süd einen recht seltenen Weg: Die Discounter begrenzten die Verkaufsmenge pro Kunden. So konnten nur drei Produkte pro Kunde gekauft werden. Diese Einschränkung sei aber von den meisten Kunden angenommen worden, so der Aldi-Nord-Sprecher.

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Wer am Abend noch Desinfektionsmittel beim Discounter kaufen will, wird wohl enttäuscht werden. Aldi Nord sei inzwischen "ausverkauft", in einigen Filialen sei dies schon am Vormittag passiert. Bei Aldi Süd heißt es, dass in einigen Filialen noch Restbestände vorhanden seien. Laut dem Aldi-Nord-Sprecher wolle der Discounter Desinfektionsmittel wieder als Aktionsware anbieten. So sei man in den vergangenen Jahren auch verfahren. Allerdings können sich Kunden auf kein baldiges Angebot freuen, in den kommenden Wochen sei kein weiterer Verkauf von Desinfektionsmittel geplant. 

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kg

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