August Oetker Der Pudding-Mann


Die Wände seines Büros sind freundlich gelb wie ein Pudding und der Teppichboden karamelfarben. Von einem wuchtigen Schreibtisch aus lenkt der Chef von Dr. Oetker seit 1981 die Geschicke des deutschen Lebensmittelriesen.

Die Wände seines Büros sind freundlich gelb wie ein Pudding und der Teppichboden karamelfarben. Doch das hat mit den Produkten seiner Firma nichts zu tun, sagt August Oetker. Seine Frau habe mediterrane Töne für ihn ausgesucht. Von einem wuchtigen Schreibtisch aus lenkt der Chef von Dr. Oetker seit 1981 als persönlich haftender Gesellschafter die Geschicke des deutschen Lebensmittelriesen. Am kommenden Mittwoch (17. März) wird der Mann, dessen Name fast jeder Bundesbürger als Marke kennt, 60 Jahre alt.

Urenkel des Familiengründers

"Am liebsten würde ich gar nicht feiern", sagt der weißhaarige und hochgewachsene Urenkel des gleichnamigen Firmengründers. Seine Weihnachtsfeier im Kreise der Mitarbeiter habe dieses Jahr sogar erst im Februar stattgefunden. Der Terminkalender ließ es nicht früher zu, sagt er. Wie viele bodenständige Unternehmer in Ostwestfalen ist Oetker ein zurückhaltender, eher bescheidener Mensch. Er trägt einen klassischen dunklen Zweireiher, wie er bei Hanseaten beliebt ist.

Dennoch spricht er mit berechtigtem Stolz über das Kerngeschäft mit Oetker-Lebensmitteln in Deutschland: "In zehn von unseren elf Teilmärkten sind wir Marktführer - und in einem die Nummer drei. Wenn wir erkennen, dass wir nicht Marktführer werden können, gehen wir raus. Sonst setzt sich das wie Mehltau auf das Selbstbewusstsein." Die Presse beschreibt August Oetker gerne mit Begriffen wie "Pudding-König". Dabei sind die Kuchenmischungen und Speisestärken längst nicht mehr die alles tragende Unternehmenssäule. Dr. Oetker hat zum Beispiel die Spitzenposition bei Tiefkühl-Pizza und Müsli.

Auch Großreeder und Bierbrauer

Jüngster Paukenschlag ist die geplante Übernahme von Brau und Brunnen durch die zur Oetker-Holding gehörende Radeberger-Gruppe, welche die deutsche Marktführerschaft für Bier bedeuten würde. Und: Jeden dritten Euro am Jahresumsatz von zuletzt 5,12 Milliarden Euro (2002) erzielt die Oetker-Gruppe mit dem internationalen Reedereigeschäft.

Dieses Standbein ist das Steckenpferd von August Oetker und war früher einer der Anreize, im Unternehmen zu arbeiten. Fasziniert habe er als Kind die Schiffe im Hamburger Hafen betrachtet: "Ich wollte Kapitän werden und wir hatten eine Schifffahrt. Ich habe mir einen Jugendtraum erfüllt." Oetker machte seine kaufmännische Ausbildung in einer Reederei, bevor er anfing, in der Oetker-Gruppe zu arbeiten. An der Spitze des Familienunternehmens machte er die Oetker-Reederei Hamburg Süd zum wichtigsten Transporteur im Südamerika-Frachtverkehr. Auch hier zähle aber letztlich der Gewinn und nicht die Leidenschaft, sagt er. Obwohl beides für einen Firmenchef eng zusammengehöre.

Produktpalette gebündelt

Ebenso in anderen Bereichen prägte Oetker das Unternehmen. In seiner Amtszeit krempelte er das Sortiment um, bündelte die Palette von 750 auf 250 Produkte - und ließ den Umsatz dennoch steigen. Er sieht das so: "Wenn man mit einer Taschenlampe in einen dunklen Raum leuchtet, erkennt man nur einen kleinen Fleck. Wenn man Licht aber zu einem Laserstrahl verdichtet, kann man Stahlplatten durchschneiden."

Bei allen Schritten sieht sich der Vater von sechs Kindern aber immer in der Pflicht des Familienunternehmens: "Ich kann mir nicht vorstellen, etwas zu tun, das zerstört, was Generationen geschaffen haben." Unkalkulierbare Risiken oder ein Zick-Zack-Kurs seien für diese Firma undenkbar. "Wir denken in längeren Zeiträumen." Das ist fast schon eine Untertreibung. Viele Königshäuser wären gewiss froh, eine ähnliche Stabilität an der Spitze zu haben wie die Firma Oetker. Seit 1891 gab es bislang nur drei Wechsel im Vorstandsvorsitz. Und auch für August Oetker ist der Ruhestand noch lange kein Thema.

Genügend Auswahl für die Nachfolge

Dennoch wird der vierte Wechsel langfristig vorbereitet. Hierbei kann das Unternehmen aus dem Vollen schöpfen. Allein die engste Familie des Pudding-Imperiums umfasst rund 30 Mitglieder: "Es sind genügend darunter, die sich zwischen jetzt und dann entwickeln können." Der Nachfolger oder die Nachfolgerin soll in die Firma hineinwachsen. Später wird ein Gremium entscheiden, dessen Mehrheit nicht aus der Familie stammt. "Auf diese Weise wollen wir eines der brisantesten Themen eines Familienbetriebs ausgliedern." Auch danach werde die Macht über 19.000 Beschäftigte nur schrittweise übertragen.

Wer im Übrigen auch immer einst neuer Chef von Dr. Oetker wird: Er muss keinen Doktortitel führen. In den frühen Jahren habe es diesen Zwang durch skurrile Gesetzesvorschriften allerdings gegeben, sagt Oetker. Erst mit dem Zweiten Weltkrieg fielen diese Bestimmungen weg. August Oetker bekam den Ehrendoktor, als er schon jahrelang Chef war.

Christof Bock, dpa DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker