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Bauernverband: Trotz Erntekrise: Lebensmittelpreise bleiben stabil

Die Erntebilanz 2010 fällt für die Bauern in Deutschland enttäuschend aus. Die Lager sind aber voll, und für die weltweite Ernte sind die Schätzungen zuversichtlicher. Deshalb wird nur mit einem leichten Anstieg der Lebensmittelpreise gerechnet.

Das Wetter hat den Bauern die Ernte verdorben. Klaus Kliem, langjähriger Thüringer Bauernpräsident, hat so etwas in seiner fast 40-jährigen Berufslaufbahn noch nicht erlebt: "Was in diesem Jahr mit dem Wetter passiert ist, übersteigt das Vorstellungsvermögen von uns Landwirten." Erst war es zu trocken, dann zu feucht. Deutschland habe vor allem unter dem heißen Juli und dem verregneten Erntemonat August gelitten. "Die Ernte 2010 war eine Verlust- und Zitterpartie, wie ich sie noch nicht erlebt habe", sagte Kliem. So brach zum Beispiel die Getreideernte um zwölf Prozent auf 43,9 Millionen Tonnen ein.

Ende August ist das Getreide noch nicht mal in ganz Deutschland gedroschen. In einigen Gegenden wie im Oderbruch ist das Wasser auf den Feldern noch nicht abgeflossen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner war noch vor einigen Wochen hoffnungsvoll, dass die Ernte zumindest durchschnittlich sein wird. Die Hoffnung wurde nicht erfüllt.

Die erfreuliche Kehrseite für die Landwirte: Wegen der mageren Erntebilanz steigen die Preise. Im März lag der Preis für eine Tonne Brotweizen noch bei rund 107 Euro, inzwischen beträgt er 181 Euro. Eine Tonne Raps brachte im Winter durchschnittlich gut 260 Euro, aktuell 355 Euro. Befürchtungen, manche Lebensmittel würden bald für Ärmere quasi unbezahlbar, seien aber "absolut unbegründet", erklärte Kliem. "Wir sehen keine Veranlassung, dass jetzt kurzfristig die Verbraucher zur Kasse gebeten werden." Die Welternte an Getreide sei durchschnittlich, und es gebe ausreichend Lagerbestände. "Von Versorgungsengpässen sollte und darf also keine Rede sein." Dass zuletzt die Weizenpreise so stark gestiegen und auch die Kakaopreise explodiert seien, habe auch mit Spekulationen an den Börsen zu tun.

646 Millionen Tonnen Getreide weltweit

Nach Ansicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist die Lage nicht mit den Lebensmittelkrisen 2007 und 2008 vergleichbar, weil die Getreidelager nach der Rekordernte 2009 weltweit noch gut gefüllt sind. Trotz des Exportverbots von Getreide aus Russland schätzt das US-Landwirtschaftsministerium die weltweite Weizenernte mit 646 Millionen Tonnen nicht drastisch niedriger ein als im Vorjahr.

mre/DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters
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