Baupfusch-Vorwüfe Baukonzern Bilfinger geht grummelnd nach Canossa


Auf seiner Hauptversammlung hat das Bauunternehmen bei seinen Aktionären um Vertrauen geworben und rechtliche Schritte gegen pauschale Verunglimpflungen angekündigt.

Der Baukonzern Bilfinger Berger geht in der Affäre um Baupfusch-Vorwürfe in die Offensive und schließt Schadenersatzklagen bei Verunglimpfungen nicht aus. Vorstandschef Herbert Bodner sagte am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Baukonzerns in Mannheim: "Wenn (...) auf Basis einer unklaren Faktenlage Schuldzuweisungen vorgenommen werden, so ist das in hohem Maße verantwortungslos und rufschädigend".

Schuld am gesunkenen Ansehen des Unternehmens seien auch die Medien, kritisierte Bodner im gut gefüllten Mannheimer Congress Centrum: "In der heimischen Öffentlichkeit wird die Branche derzeit pauschal verunglimpft." Ein Fehlverhalten Einzelner dürfe nicht dazu führen, dass ganze Unternehmen oder die Branche angeprangert würden, mahnte der Konzernchef, der für sein Krisenmanagement zuletzt heftig kritisiert worden war.

Zugleich betonte Bodner, die Unregelmäßigkeiten beim Kölner U-Bahnbau machten Bilfinger betroffen und seien ganz und gar inakzeptabel. Aktionärsvertreter stellten sich hinter den Vorstand.

Bodner, dessen Vertrag im Sommer 2011 ausläuft, bestätigte die Prognose für das laufende Jahr: "Wir blicken mit Zuversicht auf 2010". Der Konzern peile im fortzuführenden Geschäft eine Zunahme der Leistung sowie eine überproportionale Steigerung des Gewinns an. Zusätzlich werde das Australien-Geschäft bis zum Verkauf noch zum Ergebnis beitragen. Hinzu komme der Veräußerungsgewinn. Finanzvorstand Joachim Müller betonte aber auch, Bilfinger werde das Australien-Geschäft nicht zu jedem Preis verkaufen. Nach zahlreichen Bau-Rückschlägen will der Konzern die renditeträchtigen Dienstleistungen weiter ausbauen und das schwankungsanfällige Baugeschäft eindampfen.

Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs im vergangenen Jahr spielten nach heutigem Stand weder fehlende Stahlbügel noch falsche Vermessungsprotokolle beim U-Bahnbau eine Rolle, sagte der Vorstandschef. Derzeit könne niemand sagen, was den Einsturz verursacht habe, bei dem zwei Menschen gestorben waren. In Köln sollen Vermessungsprotokolle gefälscht und für die Stabilität wichtige Stahlbügel nicht eingebaut, sondern von Mitarbeitern illegal verkauft worden sein. Aufsichtsratschef Bernhard Walter betonte, das Kontrollgremium habe derzeit keinerlei Anzeichen für Fehlverhalten von Mitgliedern des Vorstands.

Als "unentschuldbare Entgleisung" bezeichnete Bodner die Äußerungen des Kölner Oberbürgermeisters Jürgen Roters. Dieser hatte am Jahrestag des Archiv-Einsturzes in Richtung des Baufirmenkonsortiums gesagt: "Wer von uns hätte sich vorstellen können, dass international handelnde Baufirmen in solch großem Umfang täuschen, manipulieren und betrügen...". Bodner sagte, Bilfinger behalte sich rechtliche Schritte vor, sollte dem Unternehmen durch Verunglimpfungen ein materieller Schaden entstehen.

Vorwürfe eines früheren Mitarbeiters, beim Bau der ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt im Jahr 2004 seien Herstellerprotokolle von Erdankern manipuliert worden, wies Bodner zurück. Die Anker hätten alle Qualitätskontrollen durchlaufen und würden regelmäßig kontrolliert.

Aktionärsvertreter stellten sich hinter den Vorstand. Siegfried Pfündel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte unter dem Befall von etwa 800 Aktionären: "Was Vorstand, Aufsichtsrat und alle 67 000 Mitarbeiter jetzt brauchen, ist unsere Solidarität". Die Angriffe gegen Bilfinger hätten das Niveau der Angemessenheit längst verlassen. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sagte: "Am Ende wird sich zeigen, dass Bilfinger, ein Unternehmen ist, dass gute Qualität liefert". Die Anteilseigner entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat mit großer Mehrheit.

Die Leistung des zweitgrößten deutschen Baukonzerns war im Krisenjahr 2009 um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Euro gesunken. Der Gewinn ging um 60 Millionen auf 140 Millionen Euro zurück. Bereinigt um den Erlös aus dem Verkauf von Razel, der 2008 in der Bilanz positiv zu Buche geschlagen hatte, erreichte das Konzernergebnis das Vorjahresniveau. Der Auftragseingang stieg um 8 Prozent auf 11,23 Milliarden Euro.

DPA/Reuters DPA Reuters

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