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Bekleidung: Einer strickt noch selbst

Von der einst blühenden Textilindustrie ist im deutschsprachigen Raum fast nichts mehr übrig. Wenige Betriebe stemmen sich gegen den Niedergang der Branche. Einer davon ist die Textilfirma Löffler, die trotzdem schwarze Zahlen schreibt.

Selbst traditionsreiche Firmen haben in der Regel am Heimatstandort nur noch den Vertrieb und vielleicht die Entwicklung, gestrickt und genäht wird aber in China, Osteuropa oder anderen Billiglohnländern. Nur wenige Betriebe stemmen sich gegen den Niedergang der Branche. In Deutschland ist es vor allem der T-Shirt-Hersteller Trigema, der in der Kleinstadt Burladingen (Baden-Württemberg) die gesamte Produktion vom Baumwollfaden bis zum fertigen Hemd abwickelt. In Österreich ist es dem Sportwäsche-Hersteller Löffler gelungen, die Produktion in Ried zu halten. "Ein Sechstel der Familien hier lebt von Löffler, da kann man nicht einfach weggehen", sagt Geschäftsführer Bruno Obermayer.

Erfolg mit "Made in Austria"

Bisher ist die Firma mit der Konzentration auf "Made in Austria" gut gefahren. "Wir sind seit 28 Jahren permanent in den schwarzen Zahlen", sagt Obermayer. Der Umsatz von zuletzt gut 26 Millionen Euro soll auch in diesem Jahr wieder um acht bis zehn Prozent wachsen. In Österreich sieht sich Löffler in seinem Segment als klare Nummer eins bei der Funktionswäsche, in Deutschland dominiert dagegen der Schweizer Konkurrent Odlo, dahinter liegt Löffler nach eigener Einschätzung in einem harten Wettbewerb auf Platz zwei.

Auch Löffler könnte anderswo deutlich günstiger produzieren, räumt Obermayer ein. "Wenn es rein um das betriebswirtschaftliche ginge, wären hier noch 30 Leute", sagt Obermayer. Derzeit hat Löffler 230 Beschäftigte in Ried, darunter unter anderem etwa 110 Näherinnen. Um auf eine etwas günstigere Mischkalkulation zu kommen, wird ein kleinerer Teil der Näharbeiten in Ungarn und Tschechien erledigt. Auch diese Stoffe werden aber in Ried zugeschnitten.

Hochlohnland hat auch Vorteile

Die Fertigung in einem Hochlohnland hat aber auch eine Menge Vorteile. Den Streit um die Textil-Einfuhrquoten aus China konnte Löffler entspannt beobachten. Während die Zulieferungen von anderen Firmen im Zoll festhingen, liefen bei den Österreichern die Strickmaschinen rund. "Wir können zudem sehr kurzfristig reagieren", sagt Obermayer. Der Handel halte sich mit Vororders immer mehr zurück, ist dann zum Beispiel das Wetter im Sommer ausgesprochen gut, ist im Vorteil, wer rasch nachliefern kann. "Von Bangladesch bringen Sie die Ware nicht so schnell her."

Festhalten an seiner Strategie kann Löffler, weil die Produktivität kontinuierlich verbessert wird und weil sich das Unternehmen auf innovative und hochpreisige Produkte konzentriert. So hat Löffler beispielsweise den besonders schnell trocknenden und atmungsaktiven Stoff Transtex entwickelt. Bei hohen Materialkosten spielt der Lohnkostenanteil eine kleinere Rolle. "Wir müssen der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein", sagt Obermayer. Dies gehe aber nur, wenn man zum Beispiel die Stoffe als Unikate selber stricke und nicht auf Zulieferer angewiesen sei.

Stiftungsbesitz sichert Unabhängigkeit

Die meisten Outdoor-Firmen sind inzwischen im Besitz global aktiver und renditeorientierter Konzerne. Löffler habe es da einfacher, auch seine unternehmerische Verantwortung wahrzunehmen, sagt Obermayer. "Das ist auch der Spirit der Eigentümer." Löffler gehört zur Skifabrik Fischer, die in Stiftungsbesitz ist.

Axel Höpner/DPA / DPA