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Bierfusion: Brodeln im eigenen Sud

Der internationale Biermarkt steht vor einer Mega-Fusion. Doch die deutschen Brauer ficht das nicht an. Fragt sich nur, wie lange sie die störrische Attitüde durchhalten.

Von Birgit Dengel

Um eine "akute Bedrohung" geht es an diesem Tag bei den deutschen Brauern. "Strukturänderungen" stünden an, wie es ein Sprecher des Brauer-Bundes ausdrückt. Knapp 200 Bierproduzenten aus Deutschland haben sich in einem Hotel an der Berliner Friedrichstraße zum alljährlichen "Deutschen Brauer-Tag" eingefunden, dem großen Branchentreff der Bierhersteller hierzulande.

Der Zeitpunkt scheint im Nachhinein passend. Denn schließlich fällt der Brauer-Tag zusammen mit der Ankündigung von Inbev, Anheuser-Busch zu kaufen - der großen Liaison, die dem Biermarkt eine neue Ordnung verpassen könnte. Doch mit "akuter Bedrohung" und "Strukturänderungen" meinen die deutschen Bierhersteller mitnichten die Änderungen, die sich in der internationalen Szene anbahnen.

"Och, da sind wir als mittelständische Brauer doch gar nicht gefragt", heißt es bei einer einheimischen Firmen in Familienbesitz. Vielmehr gilt den Brauern hierzulande die nationale Alkoholpolitik als Bedrohung, und die geänderte Struktur bezieht sich auf die künftige Verbandsorganisation.

Deutschlands Brauer brodeln gern im eigenen Sud. Was drum herum passiert, ficht sie nicht an. "Erst einmal ist es egal für uns, wer sich international mit wem zusammentut", sagt der Sprecher des Brauer-Bundes. Zunächst habe das keine Auswirkungen auf den deutschen Markt.

Die Brauer kokettieren gern, dass hierzulande die Heimat des Bieres liege, dass das Reinheitsgebot unantastbar sei, und die hohe Zahl der Braustätten für die Vielfalt der Geschmäcker spreche. Doch sobald es um die Rolle der deutschen Firmen im internationalen Geschehen geht, zieht man sich gern zurück. "Der deutsche Markt mit starken Mittelständlern ist isoliert und muss sich erst einmal von allein konsolidieren", sagt etwa ein Sprecher der sauerländischen Familienbrauerei Veltins. Marktführer hierzulande ist beispielsweise die nur auf Deutschland fokussierte Radeberger-Gruppe, die zum Familienkonzern Oetker gehört.

Doch gerade ein Pakt von Inbev und Anheuser-Busch könnte nach Ansicht von Experten dazu führen, dass die Verhältnisse sich auch hierzulande rasch ändern. "Das würde den Druck erhöhen, in Deutschland Strukturen zu schaffen, die den internationalen Gegebenheiten standhalten", sagt etwa Rudolf Boehlke, Bierexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young. Der eine oder andere familiengeführte Brauer könne dann an Verkauf nachdenken - bei entsprechendem Angebot. "Alles andere wäre fahrlässig", mahnt Boehlke.

FTD
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