Börsen Unsichere US-Konjunktur belastet die Weltbörsen


DAX sank auf den tiefsten Stand seit 1999, auch andere europäische Indizes fielen wieder. Alles blickt weiter gebannt auf den wirtschaftlichen Abschwung der USA.

Die andauernde Unsicherheit über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur hat am Mittwoch die internationalen Börsen weiter belastet. Der Deutsche Aktienindex (Dax) markierte am Vormittag mit 5886 Punkten den tiefsten Stand seit Dezember 1999, nachdem er in den ersten Handelsminuten noch zeitweise mit einem Plus von einem Prozent die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten überschritten hatte. Auch an den meisten anderen europäischen Märkten drehten die Kurse ins Minus. In Tokio verzeichneten die Aktien moderate Gewinne, nachdem zuvor der US-Technologieindex Nasdaq zwei Drittel seines Vortagesverlustes wettgemacht und mit einem Plus von 4,75 Prozent über der wichtigen 2000er Marke auf 2014 Punkten geschlossen hatte. Für die Mittwochsbörse signalisierten die maßgeblichen Futures wieder schwächere Kurse.

Noch keine Entwarnung

Händler hatten auch angesichts einer freundlichen Eröffnung des Handels keine Entwarnung geben wollen, sondern lediglich von einer technischen Reaktion gesprochen. Dem Markt fehlte bis zur Unterstützungszone von 5800/5600 charttechnisch jede Unterstützung. Eine zunehmend wichtige Rolle wird in dieser Woche auch der große Verfallstermin für Termingeschäfte am Freitag spielen.

In den USA hängt die weitere Kursentwicklung ganz fundamental vor allem von der Konjunktur ab. Nach neuen Statistiken waren am Dienstag wieder Spekulationen auf Zinssenkungen durch die US-Notenbank (Fed) aufgekommen, die zu der Erholung an den Börsen maßgeblich beigetragen hatten. Deutsche Händler verwiesen aber darauf, dass eine US-Zinssenkung von 50 Basispunkten am kommenden Dienstag bereits berücksichtigt ist. Dies bedeutet, dass die Kurse weiter fallen dürften, da mit einer deutlicheren Zinssenkung kaum zu rechnen ist. Hinzu kommt, dass die Kette schlechter Nachrichten nicht abreißt. So stufte Goldman Sachs am Mittwochmorgen die deutschen Banken nach unten.

Wie weit geht der US-Abschwung?

Die alles beherrschende Frage ist weiterhin das Ausmaß des wirtschaftlichen Abschwungs in den USA. »Es wird weiter ziemlich heftig sein, bis der Markt das in den Griff kriegt. Auf dem Weg wird es einige Ausschläge nach oben geben, aber nicht mehr - in einem ansonsten nach unten gerichteten Markt«, kommentierte ein Experte. Die Investoren blieben vorsichtig. Insgesamt fielen nämlich trotz der höheren Indizes mehr Aktien an der New York Stock Exchange als gestiegen waren. Immerhin war der Markt noch vor einem Jahr hoffnungslos überbewertet, aber auch jetzt ist er noch nicht billig.

Dow-Jones bleibt unten

Während der Nasdaq-Index sich deutlich erholt hatte, hatte der Dow-Jones-Index für die Standardwerte mit einem Plus von 0,8 Prozent oder 86 Punkten nur einen kleinen Teil seines 436-Punkte-Einbruchs vom Vortag ausgleichen können. Negativ auch, dass der S&P-500-Index trotz eines 1,5-prozentigen Plus weiter mehr als 20 Prozent unter seinem Vorjahreshoch blieb und damit technisch in einer Baisse steckt. In Tokio hatte der Nikkei-Index mit einem geringen Plus von 0,2 Prozent auf 11.843,59 Punkte auf die besseren US-Vorgaben reagiert.

Zu den Gewinnern im Dax zählten am Morgen vor allem die Technologiewerte wie Epcos, SAP, Infineon, Deutsche Telekom und Siemens, deren Kursgewinne sich auf bis zu knapp vier Prozent beliefen. Zu den Verlierern zählten die Autoaktien mit DaimlerChrysler (minus 3,5 Prozent) an der Spitze sowie die Bankenwerte nach der Rückstufung durch Goldman Sachs. Am Neuen Markt zogen die Kurse anfangs um durchschnittlich gut zwei Prozent an, bröckelten aber im Sog des Dax schließlich auf ein Plus von lediglich gut einem Prozent ab.

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