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Burbach im Siegerland: Aldi-Filiale soll ausländische Kunden überwachen

Um Diebstähle zu verhindern, soll ein Aldi-Markt im Siegerland zu zweifelhaften Methoden greifen: Ausländisch aussehende Kunden müssten Taschen abgeben, stünden unter Beobachtung. Aldi dementiert.

Von Jens Wiesner

Vor Clubs und Discotheken ist die berüchtigte Gesichtskontrolle längst Usus. Menschen werden von Türstehern aussortiert, wer ins Ambiente passt, darf rein, der Rest muss draußen bleiben. Dabei spielen oft Hautfarbe und Herkunft eine Rolle. In den letzten Jahren haben auch viele Supermärkte und Discounter aufgerüstet, lassen Filialen von externen Sicherheitsdiensten schützen. In einem Aldi-Markt in Burbach sollen die Kontrollen nun ein zweifelhaftes Maß erreicht haben: Wie die Lokalzeitung "Siegerland Kurier" berichtet, lässt der Discounter explizit ausländisch aussehende Kunden überwachen. Tim Plachner, Chefredakteur des Blattes, wollte sich nach einem entsprechenden Tipp selbst Bild von der Situation machen. Und wurde nach eigenen Angaben fündig.

"Ausländisch aussehende Menschen wurden tatsächlich darum gebeten, Taschen oder Tüten am Eingang abzugeben", erklärte Plachner gegenüber stern.de. Während ihres Einkaufs sei der Security-Mann ihnen im gebührenden Abstand gefolgt, bis sie den Kassenbereich erreicht hätten. Er selbst und andere nicht-ausländisch aussehende Kunden hätten hingegen ohne Probleme mit ihren Taschen passieren dürfen.

Eine Praxis, die offenbar auch anderen auffiel, wie Plachner beobachten konnte. "Ich bin hier, um auf die Ausländer aufzupassen", habe der Sicherheitsmann auf Anfrage eines Kunden erklärt. Im Umgang mit den Einkaufenden habe sich der Mann aber durchaus freundlich und aufmerksam gezeigt, Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen gar Übersetzungshilfe angeboten.

Aldi-Sprecherin dementiert Vorwürfe

Eine Unternehmenssprecherin von Aldi Süd wies die Vorwürfe gegenüber stern.de zurück: Weder "überwacht Aldi Burbach Ausländer", noch sei der Sicherheitsdienst angewiesen "Ausländer zu kontrollieren". Das Unternehmen habe "die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ausschließlich damit beauftragt, sämtliche Kundinnen und Kunden der Filiale freundlich zu bitten, bei ihrem Einkauf einen Einkaufswagen zu benutzen". Nach Angaben der Sprecherin reagiere der Discounter damit auf steigende Diebstahlzahlen in der Burbacher Filiale.

Womöglich spielt aber auch ein ganz anderer Sachverhalt eine Rolle: In der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach werden seit Ende September rund 500 Flüchtlinge untergebracht, die meisten für nur wenige Tage. Die lokale "Siegener Zeitung" hatte in diesem Zusammenhang Ende Oktober von einem Anstieg von Diebstahlsfällen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde berichtet. Polizeisprecher Georg Baum bestätigte gegenüber dem "Siegerland Kurier", dass seit Eröffnung der Einrichtung bis zum 11. November 22 Ladendiebstähle von Flüchtlingen begangen wurden. Die Zahlen seien aber "weder besorgniserregend noch auffällig".

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