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COMPUTER: Apple kauft deutschen Musiksoftwareanbieter

Windows-User reagierten verärgert, als Apple nach dem Kauf von »Emagic« ankündigte, die Logic-Produktserie nicht mehr für die Microsoft-Plattform anzubieten.

Kaum ein Unternehmen kann so sehr auf das Wohlwollen seiner Kunden vertrauen wie der Computerhersteller Apple. Macintosh oder Windows? Das ist nicht nur eine Entscheidung zwischen Apple und Microsoft. Es ist fast eine Glaubensfrage, welches Design und welche Funktionalität dem Kunden mehr zusagt. Nun stößt die kalifornische Firma Computernutzern mit einer Entscheidung vor den Kopf: Apple hat zum 1. Juli den Kauf des führenden Musiksoftwareanbieters »Emagic« angekündigt. Im gleichen Atemzug hieß es, dass vom 30. September an die Logic-Produktserie der deutschen Softwareschmiede nicht mehr für Microsofts Windows-Plattform angeboten werde. Kunden und Entwickler reagieren überrascht, manche fühlen sich von Apple verprellt.

Bedient 35 Prozent der Musikergemeinde

»Emagic ist für mich gestorben. Deswegen kaufe ich mir doch nicht extra einen Mac«, empört sich ein Nutzer im Onlineforum des Fachmagazins »heise online«. Er gehört zu den 35 Prozent der Emagic-Kunden, die auf Microsofts Betriebssystem setzen. Apple gilt zwar als eine der besten Plattformen für digitale Musikbearbeitung, das System von Microsoft konnte jedoch durch ständige Verbesserungen und günstigere Angebote Teile der Musikgemeinde für sich gewinnen.

Kunden verprellt

Sehr kritisch bewertet der renommierte Kolumnist aus dem Silicon Valley, Dan Gillmor, Apples Entscheidung, eine der beliebtesten Musikbearbeitungsanwendungen nur noch für den Mac anzubieten. Er hält die Unterstützung mehrere Plattformen für wichtig. Der Kauf Emagics sei zwar ein wichtiger Schritt für Apples Strategie, andere Multimedia-Unternehmen zu kaufen und diesen Bereich zu stärken. Die Entscheidung gegen die Windows-Unterstützung verprelle aber nicht nur Kunden, sondern auch Firmen, die Software für die Mac-Plattform entwickeln. »Wenn ich davon überzeugt wäre, dass Apple in Zukunft die führenden Anbieter in jeder Nische kauft, würde ich meine Unterstützung für den Mac in Frage stellen«, meint Gillmor. Warum sollte Emagics Konkurrent Steinberg die Mac-Plattform weiter berücksichtigen. Schließlich buhlt Apple als Besitzer von Emagic um die gleiche Kundschaft.

Konkurrenz reagierte schnell

Groß sei die Überraschung über Apples Entscheidung gewesen, sagte Steinberg-Pressesprecherin Katharina Kuehler. Das Hamburger Unternehmen reagierte prompt und bietet wechselwilligen Emagic-Kunden ein Sonderangebot an: Für einen Vorzugspreis können Nutzer der Windows-Plattform auf die Steinberg-Technologie umsteigen. Steinberg will auch in Zukunft mehrere Plattformen bedienen. Es wartet ab, wie sich die bisher produktive Zusammenarbeit mit den Apple-Entwicklern in Zukunft gestalten wird.

Kostenlose Umsteigeversion für Mac

»Es war uns sehr bewusst, dass der Kauf die Nutzergemeinde in Bewegung versetzen wird«, sagte Apple-Pressesprecher Georg Albrecht. Der Benutzerservice für die Windows-Plattform wird über den September hinaus gewährleistet sein. Nur Neuentwicklungen soll es nicht mehr geben. »Wir verfolgen das Ziel, unser Mac OS X zum besten Betriebssystem für digitale Musikbearbeitung zu machen«, sagte Albrecht. Ausbooten will Apple keinen. »Unsere Entwickler reden auch weiterhin mit Steinberg.« Emagic bietet bis Ende des Jahres allen Nutzern der Windows-Version eine kostenlose Umsteigerversion für den Macintosh an.

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